O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Geigenglanz

GEIGENGLANZ
(Diverse Komponisten)

Besuch am
28. und 29. Juni 2025
(Einmalige Aufführungen)

 

Kissinger Sommer im Max-Littmann-Saal, Bad Kissingen

Furchtbar enttäuscht ist das Publikum im voll besetzten Max-Littmann-Saal beim Kissinger Sommer keineswegs, dass die angekün­digte Hilary Hahn abgesagt hat, denn es gibt einen mehr als hochwer­tigen Ersatz: Die weltweit berühmte Geigerin Julia Fischer begeistert im Konzert für Violine und Orchester D‑Dur von Johannes Brahms. Doch vor ihrem Auftritt präsen­tiert das WDR-Sinfo­nie­or­chester unter dem nun schei­denden Chefdi­ri­genten Christian Macelaru ein relativ unbekanntes Werk, das sich in das franzö­sische Motto des diesjäh­rigen Festivals einfügt, La Foi – die Treue – aus Trois tableaux sympho­niques d‘ après opus 130 von Camille Saint-Saëns, 1909 urauf­ge­führt, eigentlich eine Bühnen­musik zu einem Stück von Eugène Brieaux. Das Orchester vollzieht die schick­sals­schweren, wilden Momente mit auf- und abschwel­lenden, auch melan­cho­li­schen Stellen mit viel Nachdruck nach. Danach aber das sehnlichst erwartete Violin­konzert von Brahms, 1878 urauf­ge­führt, geschrieben für den Geiger Joseph Joachim, ein durch und durch roman­ti­sches Werk, einfühlsam, schmiegsam, versöhnlich von den Orchester-Tutti begonnen mit feiner Oboen­me­lodie im Haupt­thema; erst nach der langen Einleitung, die schon andeutet, dass hier Solovioline und Orchester eng verschmolzen sind, darf die Solistin mit großem, emotio­nalem Ton aufwarten; sie lässt ihre Violine hell, fein, rein, empfindsam singen, ohne mit Virtuo­sität brillieren zu müssen, alles scheint ganz selbst­ver­ständlich; sie drängt nie voran, kann Leiden­schaft­liches andeuten, stets im Dialog mit dem Orchester, wird ab und zu energi­scher, und die große Kadenz leuchtet von innen her, hält sich in Spannung zwischen Helligkeit und warmen Tiefen; danach scheint alles spiele­risch abgestuft, anrührend, wie befreit zusammen mit dem Orchester.  Der zweite Satz, von der Oboe beschaulich-idyllisch einge­leitet, lässt die Violine mit Inbrunst singen, in starkem, vollen Ton mit feinster Höhe, und nach einem leicht schmerz­lichen Anflug endet das Adagio zurück­haltend, dafür kann dann der schwung­volle Finalsatz Tempe­rament, Lebenslust versprühen bei Anklängen an ungarische Tanzrhythmen; hier wird das Orchester manchmal etwas laut, aber die Solovioline, getragen vom melodiösen Gesang, darf dann auch schnelle, in sich gespannte Virtuo­sität auskosten, treibt mit auch von Esprit getra­genem Spiel alles voran bis zu einem trium­phalen, mitrei­ßenden Ende. Stehende Ovationen, und als Zugabe ein Meister­stück, der dritte Satz aus der Sonate in d‑Moll von Paul Hindemith, unglaublich virtuos und ausdrucks­stark, geradezu orchestral mit klingenden Doppelgriffen.

Julia Fischer – Foto © Julia Milberger

Das Orchester kann dann aber mit Nikolai Rimski-Korsakovs berühmter sinfo­ni­scher Dichtung opus 35 Schehe­razade von 1888 mit instru­men­talen Farben verzaubern und so die musika­lische Erzählung von 1001 Nacht miter­leben lassen. Zwei immer wieder­keh­rende Themen, die vielfach variiert werden, charak­te­ri­sieren die Haupt­per­sonen. Das erste, mächtige, zeichnet den grausamen Sultan Schahriar, das zweite, liebliche, durch die Solovioline des ersten Konzert­meisters José Maria Blumen­schein angestimmt, die schöne Wesir­tochter Schehe­razade, die durch ihre spannende Erzählung um ihr Leben kämpft und schließlich das Herz des Herrschers gewinnt. Nach einer knappen Einleitung, in der schon die beiden Kontraste schick­salhaft aufein­an­der­treffen, die einschmei­chelnd singende Violine mit Harfe, gegen die harten, starken, aggres­siven Tutti mit heraus­ra­genden Bläsern, endet alles mit viel Muße im Wohllaut; dann darf die Prinzessin von Sindbad dem Seefahrer erzählen, mit irgendwie innerer Spannung, sehnsüchtig klingenden Holzbläsern, kraft­vollen Fanfaren  wird das geschildert, fast übermütige Klänge sind zu hören bis zu einem wie aus der Ferne ganz fein zu verneh­menden Fagott. Alles beruhigt sich nach starkem Schwirren. Bei der Mär vom Prinzen Kalender mit feinen Antworten der sanften Streicher auf die gut gelaunten Bläser, etwa Oboe und Klari­nette, gibt es auch Tänze­ri­sches, Witziges. Die Erzählung einer Liebes­ge­schichte zwischen Prinz und Prinzessin beginnt sehnsüchtig mit schwär­me­ri­scher Solovioline. Bei der drama­ti­schen Geschichte vom Stranden des Schiffes am Magnetberg zeigt sich die noch harte Haltung des Sultans instru­mental zuerst in scharfen Betonungen, vibrierend fieber­haften Ausbrüchen; alles wird drohender, aber kurzzeitig kann die Melodie der Violine besänf­tigen, bis dann fast brutal, intensiv, schwirrend und mitreißend nochmals die Macht des Herrschers durch­bricht in gestei­gerten Posau­nen­klängen. Doch die roman­tisch gefühlvoll singende Violine kann das Herz des Herrschers gewinnen, das Düstere schwindet, die beiden Themen sind harmo­nisch vereint. Zu bewundern ist hier in dieser bezwingend, sehr abwechs­lungs­reich gestal­teten Darbietung unter dem deutliche Impulse gebenden Dirigat die Disziplin des äußerst aufmerk­samen Orchesters. Auf den begeis­terten Beifall folgt eine fesselnde, schmissige Zugabe, nämlich Farandole aus Bizets Arlésienne-Suite.

Isabelle Faust – Foto © Julia Milberger

Der zweite Abend mit der Geige im Mittel­punkt, mit Beethovens Violin­konzert D‑Dur, neben dem von Brahms als das wichtigste des 19. Jahrhun­derts bezeichnet, wird bestritten von den Bamberger Sympho­nikern und der Geigerin Isabelle Faust. Dirigentin ist an diesem Abend die junge Dalia Stasevska, Tochter eines Ukrainers und einer Finnin, künst­le­risch musika­lisch ausge­bildet in ihrer zweiten Heimat Finnland, verhei­ratet mit dem Urenkel des Kompo­nisten Jean Sibelius, dessen 5. Sinfonie an diesem Abend erklingt. Der beginnt mit Maurice Ravels Pavane pour une infante défunte M 19a, weihevoll, mit viel Ruhe angestimmt von den Hörnern, beschwörend, andächtig von den Strei­chern fein aufge­nommen, sehr einfühlsam geleitet von der ganz von der Musik erfüllten, recht unkon­ven­tionell auftre­tenden Dirigentin; auch gegen das bewegtere Ende hin wird die traurige Weise nicht verlassen. Beethovens Violin­konzert D‑Dur opus 61 weist dem Orchester gleich zu Anfang einen dominie­renden Part zu, wenn nach den leichten Pauken­schlägen die beliebte Melodie des Haupt­themas friedlich erklingt, dann abgestuft in leichtere Verän­de­rungen ausge­breitet wird, bis die Solovioline einsetzt, hell über den dunklen Bläsern nie zu stark hervor­tretend, eher spiele­risch in lichten Figuren, selten energisch werdend, als wenn sie dekorative Arabesken verstreute über der komplexen orches­tralen Basis, zu der die Dirigentin voller Impetus die Sympho­niker inspi­riert mit Gesten der linken Hand und vollem Körpereinsatz.

Die Violine verströmt so im Gegensatz zum Orchester weniger bezwin­gende emotionale Kraft, auch bei helleren Klängen und schnel­leren Läufen. Ihre Kadenz zu etwas irritie­renden Pauken-Schlägen ist flüssig angelegt, zeigt die großen techni­schen Fertig­keiten der Solistin und kommt dann mit dem Orchester zu einem entschie­denen Schluss. Im Larghetto dominiert zuerst das Orchester in einer breit angelegten Romanze; die Violine liefert dazu mit ganz feinen, fast leisen Kanti­lenen einen zarten Überbau, aber das schnell einset­zende Rondo bringt danach viel Schwung; hier kann die Violine mit Virtuo­sität brillieren und vor allem in der Kadenz damit imponieren, mit einem starken Ende auch Mitrei­ßendes bieten. Als Zugabe fügt die sehr elegant gekleidete Faust ein Stück für Solovioline des Barock-Kompo­nisten Nicola Mattheis d. J. an, verin­ner­licht, sehr konzen­triert. Ganz in ihrem Element ist dann die Dirigentin bei der 5. Sinfonie Es-Dur opus 82 von Jean Sibelius; sie geht beschwörend auch auf Einzel­heiten ein, und die Bamberger folgen ihr bereit­willig in den starken Zuspit­zungen, den Weitungen, einem gewal­tigen Raunen, den irgendwie unheim­lichen Stimmungen und feinen Klang-Abstufungen.

Der Komponist hat damit seine Inspi­ra­tionen durch Natur­er­leb­nisse musika­lisch ausge­drückt; da gibt es neben starken Verdich­tungen, kräftigen Blech­bläser-Signalen, irrlich­ternden Läufen auch Heftiges, Mächtiges, bevor dann im zweiten Satz fast feierlich die Bläser einsetzen, Ruhe, Liebliches, ein innerer, ausge­gli­chener Rhythmus sich ausbreitet mit leuch­tenden Strei­ch­er­klängen. Im letzten Satz, in einem irgendwie auf- und abschwel­lenden Rauschen ist das so genannte Schwa­nen­thema zu vernehmen, vom „wiegenden“ Horn formu­liert; daraus ist zu ahnen, wie Sibelius durch die Beobachtung des Flügel­schlagens zu solchen Klängen inspi­riert, ein schwer­blü­tiges, wie in sich zerris­senes, machtvoll immer stärker werdendes Tonge­mälde schuf, vom Orchester bemer­kenswert aufmerksam, konzen­triert und nuanciert gespielt als starkes, packendes Naturbild. Nach einem Moment der Stille und Beein­druckung dann Riesen­beifall und eine ukrai­nische Zugabe, mit der die Dirigentin um nicht nachlas­sende Unter­stützung für ihr Geburtsland bittet.

Renate Freyeisen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: