O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
KONZERT MIT JOANA MALLWITZ
(Charles Ives, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven)
Besuch am
13. Juli 2024
(Einmalige Aufführung)
Was für ein Konzert! Aufgebaut nach dem Grundsatz: Einstimmung in eine geheimnisvolle Klangwelt, Faszination durch Emotion, Melodik und Virtuosität und schließlich als Höhepunkt Überwältigung durch Dramatik im musikalischen Ideenreichtum. Kein Wunder, dass der Kissinger Sommer über einen ausverkauften großen Max-Littmann-Saal jubeln durfte, denn Dirigentin Joana Mallwitz verspricht mit „ihrem“ Konzerthausorchester Berlin und dem Klavierduo Lucas und Arthur Jussen aus Holland Besonderes.
Schon der Beginn des Abends mit dem sechsminütigen Stück The Unanswered Question von Charles Ives aus dem Jahr 1908 lässt aufhorchen: Ganz sanft, immer größer, runder werdend bei den Streichern scheint nach Bläser-Einwürfen das Harmonische fast gestört, löst sich dann aber auf in mehrere Ebenen; das Ruhige bleibt, verklingt im Nichts. Schon hier deutet sich das Besondere am Dirigat von Mallwitz an: Sie leitet alles mit dem gesamten Körper, beschwört mit ausladenden Armbewegungen die Klangschichten ihres Orchesters. Das geht freudig mit.

Dann aber betreten die beiden Pianisten das Podium, dynamisch, jugendlich schwungvoll. In Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert Nr. 1 für zwei Klaviere und Orchester E‑Dur, erstmals 1823 von Felix und seiner Schwester Fanny als häusliche Sonntagsmusik gespielt, 1830 von ihm überarbeitet, dreizehn Jahre nach Mendelssohns Tod von Ignaz Moscheles in Leipzig wieder aufgeführt und erst 1961 nach der Wiederentdeckung des Autografen publiziert, erweist sich das Jugendwerk des Komponisten als ein Juwel. Es erinnert in seiner klassisch-romantischen Attitüde irgendwie noch an Mozart. Nach weichem Orchester-Beginn, bei dem die lieblichen Bläser den Klavierpart vorbereiten, setzt Klavier I mit viel Elan ein, Klavier II „antwortet“, und im Austausch im gegenseitigen Fluss, ständigem Reagieren aufeinander, in virtuosen Klavierläufen mit markanten Betonungen, Ausgleiten in fein Verträumtes, inneren Bewegungen wie in einem lockeren Spiel, stets mit wunderbar integriertem Orchester, endet der erste Satz. Empfindsam dann das Adagio, in dem sich aus dem Orchester unmerklich ein geradezu besinnlicher Klavier-Klang entwickelt; alles verströmt reinste Harmonie, Klavier I wirkt dabei eher lyrisch, Klavier II eher dramatisch bestimmt. In nachdenklichem Miteinander und melodischem Schwelgen schließt der zweite Satz fast filigran. Danach dann übermütig und brillant der Finalsatz, ein Feuerwerk mit virtuosen Läufen bei den Klavieren; völlig eingebunden in diesen Fluss das Orchester, eine mitreißende Einheit bis zu einem energisch schnellen Schluss. Das macht irgendwie süchtig, und der Saal ist aus dem Häuschen. Zur Beruhigung nach dem Bravo-Sturm gibt es von den zwei Pianisten ein ganz introvertiertes Stück Bach aus der Matthäus-Passion.
Aus Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur, der bekannten Eroica , macht Mallwitz mit ihrem Orchester eine Entdeckungsreise in nahezu neue Gefilde, in motivische Verästelungen, wie man sie sonst nie hört. Dabei kriecht sie auf dem Podium fast in die Musik hinein, bückt sich ganz tief, richtet sich wieder auf, den Körper ganz weit gespannt, und mit Händen und Armen suggeriert sie ihren Musikern die subtilsten Variationen der Komposition. Schon nach den knappen, trockenen Anfangs-Tutti kann das folgende Thema sowohl sanfte Freude wie auch dunkle Resignation vermitteln; groß, aber nie laut, ist das Orchester in stetiger Bewegung, sich ständig steigernd wie zu einem Sturm, stets von filigran feinen Phrasen unterbrochen, zwischen Melancholie, Geheimnisvollem und Strahlendem. So entwickelt sich eine Ahnung des „Heldischen“. Der „Trauermarsch“ des zweiten Satzes, zuerst sehr düster, mit verschatteten Akzentuierungen, wirkt fast etwas mutlos; der zuversichtliche Trost dann erklingt wie zweifelnd, Liebliches wird immer wieder abgeschwächt, und die leise Ahnung des Traurigen wird durch expressive Pausen noch gesteigert; irgendwie verstummen diese resignierenden Gedanken im leise Poetischen. Ganz schnell, wie hingetupft dann das Scherzo bis zum strahlenden Schluss, dem straff konzentriert der Finalsatz folgt, in dem sich dann das Lichte herausschält, alles sehr durchsichtig, mit strahlenden Tutti, schnell, aber beherrscht, mächtig darauf das heroische Motiv, prächtig, triumphal, bis zum energischen Schluss. Der lange Jubel im Saal kann nur entspannt werden mit einer heiteren Pizzicato-Zugabe.
Renate Freyeisen