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KONZERT MIT SIMON RATTLE , ANJA KAMPE UND MICHAEL VOLLE
(Richard Wagner, Johannes Brahms, Antonín Dvořák)
Besuch am
14. Juli 2024
(Einmalige Aufführung)
Ein Konzertsaal der Weltklasse, Orchester und Solisten von Weltrang und ein Programm für alle Wagner-Enthusiasten – da verwundert es nicht, dass der Max-Littmann-Saal beim Kissinger Sommer zum Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter dem inspirierenden Dirigat von Simon Rattle mit den Gesangs-Solisten Anja Kampe als Brünnhilde und Michael Volle als Wotan völlig ausverkauft ist. Zwar gab es dasselbe Angebot schon zwei Tage vorher bei „Klassik am Odeonsplatz“ in München mit Fernsehübertragung, doch nur der erste Teil konnte wegen eines aufziehenden Gewitters durchgeführt worden.

Im Saal klingt das alles noch einmal anders. Der Abend beginnt mit dem Walkürenritt aus dem dritten Akt von Richard Wagners Oper Walküre. Das Orchester in ganz großer Besetzung füllt den Raum mit sattem, farbenreichem Klang, anfangs, der Handlung gemäß, mit quasi irrlichternden Streichern; das wird aufgefangen von kraftvollen Bläsern, und der Dirigent, ein Energiebündel auf dem Podium, treibt seine Musiker immer wieder an zu strahlenden Ausbrüchen, zu einer Vielfalt von Klangfarben, aus denen sich die bekannten Motive herausschälen. Der Klang überwältigt durch mitreißende Akzente, strahlendes, mächtiges Blech, in geradezu wilder, aber beherrschter Schnelligkeit. Bevor dann die Szene zwischen Gottvater Wotan und seiner Lieblingstochter Brünnhilde, der zur Strafe allein gelassenen Walküre, beginnt, erlebt man irisierende, auch traurige, irgendwie magische Momente durch die tiefen Bläser, alles Hinweise auf den dramatischen Dialog und die Tragik der Auseinandersetzung, denn die Tochter verging sich gegen das Gebot des Vaters; beiden aber geht es um Liebe. Brünnhilde nun verteidigt ihr Verhalten, und Anja Kampe verweist in dieser Rolle mit ihrem kraftvollen, runden, nie harten Sopran, mit viel Elan und entschiedener Nachdrücklichkeit ihrer Äußerungen in vielen Facetten, mit wunderbar gestalteten Höhen auf ihren Standpunkt; sie steigert sich dabei oft, zeigt große, glänzende Linien, aber auch Sanfteres, Empfindsames im lebendigen Dialog mit Wotan. Michael Volle, ein etwas trocken-starker, kerniger Bariton, ideal als Göttervater, äußert sich drängend, bestimmend, bestens textverständlich, und „wonnige Rührung“ kann bei ihm kaum aufkommen, denn er ist sich schmerzlich bewusst hinsichtlich der Zukunft mit seiner Tochter: „Dich muss ich meiden“.

Brünnhilde ergibt sich ihrem Schicksal voll innerer Empörung; Wotan entgegnet ihr schneidend. Zu den schicksalhaften Orchester-Einwürfen unter dem Befehl des Vaters ergibt sich für sie als Lösung der Feuerring, der sie schützt, untermalt von sieghaften Fanfaren und großartigen Bläsern. Wotans Abschied von seinem „kühnen, herrlichen Kind“, also von Brünnhilde, wird von Volle aufgewühlt gegeben und mündet, begleitet von fast weihevoll schwirrendem Orchesterklang, in Hoffnung, in poetisches Glänzen, fast idyllisch feine Streicher, in die Verkündigung einer besseren Zukunft. Aus dem sanften Klangzauber des Orchesters vermeint man am Schluss hell das Lodern des Feuers zu hören, bis sich alles langsam beruhigt. Riesenbeifall für die exzellenten Gesangssolisten und das packende Vermitteln der Auseinandersetzung zwischen Wotan und Brünnhilde durch das Orchester.
Der zweite Teil des Abends mit der Symphonie Nr. 2 D‑Dur opus 73 von Johannes Brahms wirkt dann eher versöhnlich, optimistisch. Rattle lässt mit dem pastoralen Hornmotiv und der schwärmerischen, freundlich feinen Streicher-Kantilene erst sehnsuchtsvolle Stimmung aufleuchten; das verdichtet sich immer mehr, wird aber nie aufdringlich, wird fast spielerisch aufgenommen und gelangt immer schneller zu einem harmonischen Schluss. Das Adagio verströmt dann Dunkel-Wehmütiges durch den Cello-Auftakt, gewinnt aber eine gewisse Aufhellung durch die fein seidigen Geigen in ruhigen Flächen, wird kraftvoller, schwirrend, mächtig, und nach einer Pause ertönt wieder das Eingangsthema. Das heitere Allegretto, schön verspielt, wie hingetupft, voll innerer Spannung, übermütig geschwind, spritzig, tänzerisch, lebt von diesem variierten Optimismus, der sich noch steigert im fröhlich schnell bewegten Finalsatz, straff, in toller Spannung, wunderbar eingebunden ins melodisch Verspielte, von mächtig bis hauchzart mit einem fast unhörbar von den Streichern wie aus der Ferne zitierten Anfangsmotiv, alles aber mitreißend, angetrieben vom bestens gelaunten Dirigenten und ausgeführt vom Orchester, wie ein einziger Körper aufeinander abgestimmt, bis zu einem jubelnden, immer stärker schwungvoll vibrierenden Schluss.
Da jubelt auch der ganze Saal mit, und auf die tänzerisch inspirierte Darbietung folgt als Zugabe noch ein kraftvoller Slavischer Tanz von Antonín Dvořák aus dem opus 72.
Renate Freyeisen