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Foto © Tiberiu Marta

Vollendet bis in die Zehenspitzen

SCHWANENSEE
(Lynn Charles)

Besuch am
11. Januar 2018
(Premiere)

 

Stadt­theater Klagenfurt

Die Kärntner sind ausge­hungert nach Ballett. Denn seitdem die Ballett­kom­pagnie am Stadt­theater Klagenfurt schon vor Jahrzehnten aufgelöst wurde, gibt es am Haus auch bei anderen Produk­tionen kaum noch Ballett­ein­lagen, geschweige denn ein eigenes, abend­fül­lendes Ballett. Man fragt sich schon, wie ein Mehrspar­ten­theater, das im Musik­theater und im Schau­spiel durchaus mit mehrheitlich höherer Qualität punkten kann, so lange auf diese Sparte verzichten kann. Interesse besteht in der Region durchaus und sogar reichlich, wie die ausver­kaufte Premiere und der Karten­verkauf der nachfol­genden Reprisen beweisen. Und so wählt man jetzt einen Kompromiss und lädt einer­seits das Ballett­ensemble der benach­barten Oper aus Ljubljana zu einem Gastspiel ein und lässt anderer­seits das eigene Orchester im Graben spielen.

Gewählt wurde das Ballett schlechthin: Schwa­nensee von Pjotr Iljitsch Tschai­kowsky. Nach missglückter Urauf­führung 1877 in Moskau konnte das zauber­hafte Meisterwerk erst 1895 von St. Petersburg aus in der Choreo­grafie von Marius Petita und Lew Ivanow seinen Siegeszug um die Welt starten.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Schon 2015 gab es die gefeierte und höchst erfolg­reiche Premiere dieses Ballett­klas­sikers in der slowe­ni­schen Haupt­stadt in der Choreo­grafie der bekannten New Yorker Choreo­grafin Lynn Charles, die durch große Nähe zu diesem Original und gleich­zeitig Neuge­wichtung der Rollen punktet, die jetzt auch in Klagenfurt am Stadt­theater aufge­führt wird. Man erlebt die traurige Liebes­ge­schichte jenes Mädchens, das in einen Schwan verwandelt wird, in exempla­risch klassi­schem Tanz, in klassi­schen, sehr geschmack­vollen Kostümen, die von Uros Belantic erdacht wurden, in wunder­barer Ästhetik und einer sehr atmosphä­ri­schen Bildsprache: Vor Wasser­pro­jek­tionen, wie herab­stür­zenden Wasser­fällen oder schim­mernden Seen mit leichten Wellen oder unzäh­ligen, hochge­zo­genen Kristall­lüstern in der Palast­szene –  die Bühne stammt von Vadim Fiskin und Miran Mohar – begeistert das relativ kleine Ensemble des Natio­nal­theaters aus Laibach mit makel­loser Präzision, totalem Gleich­klang in den Bewegungen und hohem, techni­schem Können.

Foto © Tiberiu Marta

Dabei gefallen vor allem die Solisten, wie Nina Noc in der tragi­schen Doppel­rolle als weißer und schwarzer Schwan Odette bezie­hungs­weise Odile mit schwe­bender Grazie und liebrei­zender Anmut. Bomben­sicher in Drehungen und Sprüngen wie auch mit feiner Eleganz erweist sich Kenta Yamamoto als hin- und herge­ris­sener Prinz Siegfried, ihr konge­nialer Partner. Faszi­nierend ist auch ihr langes, gemein­sames, poetisch-sinnliches Pas de deux. Lukas Zuschlag, ein gebür­tiger Kärntner, der schon viele Jahre in diesem Ensemble aktiv ist, zeigt als böser und unerbitt­licher Zauberer Rotbart, dessen Rolle hier stark erweitert wird, viel Energie wie auch ungemein hohe und exakte Sprünge. Auch in den kleineren Partien ist keine Schwach­stelle auszumachen.

Das Kärntner Sinfo­nie­or­chester unter Giedre Slekyte lässt, abgesehen von so manch eigen­wil­ligen, insbe­sondere raschen Tempi, viel Klang­schönheit in den Lyrismen, aber auch große Dramatik vernehmen. Dabei gefallen die immer wieder herrlich aufblü­henden Streicher, inklusive der zahlreichen, exzel­lenten Soli der Konzert­meis­terin und die fast immer präzisen Blech­bläser wie auch die warmen Holzbläser.

Und das tanzaus­ge­hun­gerte Publikum ist restlos begeistert, es spendet ständig Zwischen­ap­plaus und jubelt zum Schluss lautstark.

Helmut Christian Mayer

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