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LANDPARTIE – EIN SOMMERNACHTSTRAUM
(Henry Purcell und andere)
Besuch am
22. September 2019
(Einmalige Aufführung)
Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy in den Mittelpunkt eines Festivals für Alte Musik zu rücken, macht Sinn. Und das seit 28 Jahren von Hermann Max geleitete Festival in der Klosteranlage Knechtsteden bei Dormagen stellt, wie man es von dem neuntägigen Fest gewohnt ist, weit über das knapp formulierte Motto hinausgehende Bezüge her. So auch in der Landpartie – Ein Sommernachtstraum. Austragungsort ist die akustisch vorzügliche und gemütlich hergerichtete Theaterscheune unweit der zentral gelegenen Klosterbasilika.
Der Sommernachtstraum schafft eine Verbindung zu Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Schauspielmusik und der Shakespeare-Begeisterung seiner Zeit. Von Mendelssohn ist in dem kurzweiligen, knapp anderthalbstündigen Programm des MUFAFEM-Ensembles freilich nichts zu hören, dafür aber viel aus den barocken Jahren nach Shakespeares Wirken. Da war der Dichter zumindest auf der britischen Insel noch so beliebt, dass seine Stücke als dankbare Vorlagen für diverse Pantomimen, Ballette und opernähnliche Produktionen genutzt wurden. Zu besonderer Popularität hat es die als „Maskerade“ oder „Semi-Oper“ alles andere als einhellig titulierte Bearbeitung des Sommernachtstraums von Henry Purcell gebracht, die unter dem Namen The Fairy Queen auch moderne Opernhäuser wiederholt zu fantasievollen Produktionen motiviert.
In Knechtsteden erklingen aus Purcells mehrstündigem Werk die umfangreiche Ouvertüre, einige Tänze und die Arie Charming night, ergänzt durch weitere, europäisch weit gestreute Werke von Johann Wolfgang Franck, Jean-Philipp Rameau, John Dowland und Ausschnitten aus Purcells Oper King Arthur. Verbunden werden die meist kurzen Musikstücke durch knapp gefasste, ebenso informative wie stimmungsvolle Texte zum Handlungsablauf, schlicht und prägnant vorgetragen von der Schauspielerin Sabine Wolf.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Sieht man von dem getragenen Solostück für Laute, den Lachrimae von John Dowland, ab, das die Begeisterung der damaligen Engländer für dieses Instrument widerspiegelt, aber auch vom Einsatz eines Countertenors für die ausgewählten Arien, ist der Grundklang des Nachmittags eher französisch geprägt. Und das fünfköpfige Instrumentalensemble MUFAFEM – Music for a French Mistress, bestehend aus versierten Spezialisten, die ihren Feinschliff unter anderem bei William Christie und Frans Brüggen erhalten haben, beruft sich dabei auf eine historisch verbriefte französische Mätresse, die Ende des 17. Jahrhundert in Celle weitab von der französischen Heimat ihr tristes Dasein durch Musiker mit den modernsten Instrumenten ihres Landes erträglicher gestalten wollte. Das führt zu einer starken Beteiligung von Holzblasinstrumenten, also verschiedenen Oboen, darunter auch die Oboe da caccia, Blockflöten und Fagotten, die den Vorträgen einen spezifisch französischen Glanz verleihen. Allerdings unter völligem Verzicht auf die bei den Engländern beliebten Gamben und andere Streichinstrumente.
Dass die Stücke bei den Musikern stilistisch und spieltechnisch bestens aufgehoben sind, versteht sich ebenso von selbst wie die ausdrucksstarken und stimmlich kultivierten Beiträge des renommierten Countertenors Kai Wessel.
Langanhaltender Beifall für einen kurzweiligen und hochwertigen Einblick in die musikalische Shakespeare-Rezeption der Barockzeit.
Pedro Obiera