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LOVE SONGS – EIN LIEDPROJEKT
(Felix Mendelssohn Bartholdy, John Dowland, John Lennon, …)
Besuch am
27. September 2019
(Einmalige Aufführung)
Lovesongs: Ein „Liedprojekt“, das auf den ersten Blick nur lose und recht allgemein mit dem Motto des diesjährigen Festivals Alte Musik Knechtsteden, Bach & Händel, in Verbindung zu bringen ist, das das uralte Thema der Liebe jedoch in einem so jugendfrischen und originellen Format aufbereitet, dass in diesem Umfeld auch die großen Meister nicht aus der Perspektive ihrer gewaltigen und eindrucksvollen Schlüsselwerke wahrgenommen werden, sondern als Menschen mit Liebesleid und Liebes-Freud‘ wie alle gewöhnlich Sterbliche.
Und das, obwohl im voll besetzten Friedrich-Spee-Saal auf dem riesigen Gelände der Klosteranlage Bach mit keinem einzigen Ton vertreten ist. Aber die geschickt arrangierte Werkfolge, die mit Liedern und Songs von John Dowland bis John Lennon fünf Jahrhunderte berücksichtigt, wirft ein so universelles Licht auf das Thema der Liebe, dass der Abend eine angenehm menschliche Atmosphäre verbreitete, ohne auch einen Hauch von Patina oder Geniekult. Zu verdanken ist das dem in der freien Kölner Theater-Szene versierten Komponisten, Dokumentarfilmer und Regisseur Valerij Lisac, der das Projekt mit jungen Künstlern und Schülern erarbeitete.
Für den frischen Wind sorgen dabei nicht nur drei hochbegabte junge Künstler, die ihre Gesangs- oder Klavierausbildung erst kürzlich abgeschlossen haben, sondern auch acht Schüler der Technik-AG des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden, die mit viel Witz, Fantasie und erstaunlich perfektem technischem Equipment und Knowhow die Liedvorträge durch kurze Statements unterschiedlicher Personen und ironisch gefärbte, teilweise selbst erstellte Video-Einblendungen auflockern. Die Statements zu eigenen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Liebe fallen erfreulich prägnant, teilweise informativ, aber immer kurzweilig aus und hemmen den Fluss des Abends nicht. So die Erinnerung der erfahrenen Schauspielerin Andrea Boehm-Tettelbach an ihren ersten Kuss, die nachdenklichen Gedanken zur Stabilität der Liebe von Pater Hermann Josef Reetz, die genetischen Erkenntnisse der Psychiaterin Christina Thielsch sowie private Erfahrungen des Lehrers Marcel Maric und des Sängers Christoph Maletzko. Garniert wird das Ganze mit augenzwinkernden Einblendungen vom Liebesleben aus der Tierwelt von zarten Bienen bis zu schwergewichtigen Dickhäutern. Und auch für gute Übersetzungen der englischsprachigen Liedtexte im Programmheft haben die Schüler gesorgt.
Die knapp 20 ausgesuchten Lieder umfassen eine große Bandbreite, was nicht nur die historischen Dimensionen vom Barock bis zur Gegenwart betrifft. Die in München geborene Sopranistin Elena Harsányi, der aus Neuwied am Rhein stammende Bariton Konstantin Paganetti und der an den Musikhochschulen von Köln und Paris ausgebildete Pianist Toni Ming Geiger verstehen es vorbildlich, die stilistischen Unterschiede der Gesänge filigran zu profilieren. Dafür verfügen die Sänger über kerngesunde, frische Stimmen und die nötige gestalterische Intelligenz.
Da wird Nachdenkliches der isländischen Sängerin Björk Guðmundsdóttir dem barocken Liebessäuseln von Robert Johnson gegenübergestellt, Zartes von Felix Mendelssohn Bartholdy den ironischen Seitenhieben von Johannes Brahms. Und John Lennons Hit Love me do erklingt gleich in zwei kontrastreichen Arrangements als verhaltene Klage und als hoffnungsvolle Liebeshymne mit dem entsprechenden Drive.
Der Unrast von Gretchens Meine Ruh‘ ist hin aus der Feder von Franz Schubert folgt eine pfiffige Kontrafaktur des alten französischen Lieds Ah! Vous dirai-je maman – Ach! Soll ich Ihnen sagen, Mama, wer verursacht meine Qual? – dessen Melodie heute noch unter dem viel später aufgekommenen Titel Morgen kommt der Weihnachtsmann bekannt ist. Mozart hat über das Original einen Variationszyklus für Klavier geschrieben, den Toni Ming Geiger souverän zur Rezitation eines neuen, ungemein komisch-ironischen Textes von Walter BrandinBrief einer höheren Tochter aus den Ferien an ihre Mutterinterpretiert. Schade, dass die Sprechstimme von Elena Harsányi, nicht verstärkt und sich nicht immer gegen das Klavier durchsetzen kann. Der Raum ist stimmungsvoll abgedunkelt, so dass man auch die Texte nicht mitlesen kann.
Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen in diesem charmanten und künstlerisch hochwertigen Beitrag ganz junger Menschen zum großen Motto Bach & Mendelssohn.
Der Beifall im vollbesetzten Friedrich-Spee-Saal fällt entsprechend lang und nachhaltig aus und wird mit einer deutschen Fassung des Hits Schuld war nur der Bossa Nova belohnt.
Pedro Obiera