O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Toni Ming Geiger und Elena Harsányi - Foto © Jan Voth

Liebesgefühle aus fünf Jahrhunderten

LOVE SONGS – EIN LIEDPROJEKT
(Felix Mendelssohn Bartholdy, John Dowland, John Lennon, …)

Besuch am
27. September 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Friedrich-Spee-Saal

Lovesongs: Ein „Liedprojekt“, das auf den ersten Blick nur lose und recht allgemein mit dem Motto des diesjäh­rigen Festivals Alte Musik Knecht­s­teden, Bach & Händel, in Verbindung zu bringen ist, das das uralte Thema der Liebe jedoch in einem so jugend­fri­schen und origi­nellen Format aufbe­reitet, dass in diesem Umfeld auch die großen Meister nicht aus der Perspektive ihrer gewal­tigen und eindrucks­vollen Schlüs­sel­werke wahrge­nommen werden, sondern als Menschen mit Liebesleid und Liebes-Freud‘ wie alle gewöhnlich Sterbliche.

Und das, obwohl im voll besetzten Friedrich-Spee-Saal auf dem riesigen Gelände der Kloster­anlage Bach mit keinem einzigen Ton vertreten ist. Aber die geschickt arran­gierte Werkfolge, die mit Liedern und Songs von John Dowland bis John Lennon fünf Jahrhun­derte berück­sichtigt, wirft ein so univer­selles Licht auf das Thema der Liebe, dass der Abend eine angenehm mensch­liche Atmosphäre verbreitete, ohne auch einen Hauch von Patina oder Geniekult. Zu verdanken ist das dem in der freien Kölner Theater-Szene versierten Kompo­nisten, Dokumen­tar­filmer und Regisseur Valerij Lisac, der das Projekt mit jungen Künstlern und Schülern erarbeitete.

Für den frischen Wind sorgen dabei nicht nur drei hochbe­gabte junge Künstler, die ihre Gesangs- oder Klavier­aus­bildung erst kürzlich abgeschlossen haben, sondern auch acht Schüler der Technik-AG des Norbert-Gymna­siums Knecht­s­teden, die mit viel Witz, Fantasie und erstaunlich perfektem techni­schem Equipment und Knowhow die Liedvor­träge durch kurze State­ments unter­schied­licher Personen und ironisch gefärbte, teilweise selbst erstellte Video-Einblen­dungen auflo­ckern. Die State­ments zu eigenen Erfah­rungen und wissen­schaft­lichen Erkennt­nissen zum Thema Liebe fallen erfreulich prägnant, teilweise infor­mativ, aber immer kurzweilig aus und hemmen den Fluss des Abends nicht. So die Erinnerung der erfah­renen Schau­spie­lerin Andrea Boehm-Tettelbach an ihren ersten Kuss, die nachdenk­lichen Gedanken zur Stabi­lität der Liebe von Pater Hermann Josef Reetz, die geneti­schen Erkennt­nisse der Psych­ia­terin Christina Thielsch sowie private Erfah­rungen des Lehrers Marcel Maric und des Sängers Christoph Maletzko. Garniert wird das Ganze mit augen­zwin­kernden Einblen­dungen vom Liebes­leben aus der Tierwelt von zarten Bienen bis zu schwer­ge­wich­tigen Dickhäutern. Und auch für gute Überset­zungen der englisch­spra­chigen Liedtexte im Programmheft haben die Schüler gesorgt.

Die knapp 20 ausge­suchten Lieder umfassen eine große Bandbreite, was nicht nur die histo­ri­schen Dimen­sionen vom Barock bis zur Gegenwart betrifft. Die in München geborene Sopra­nistin Elena Harsányi, der aus Neuwied am Rhein stammende Bariton Konstantin Paganetti und der an den Musik­hoch­schulen von Köln und Paris ausge­bildete Pianist Toni Ming Geiger verstehen es vorbildlich, die stilis­ti­schen Unter­schiede der Gesänge filigran zu profi­lieren. Dafür verfügen die Sänger über kernge­sunde, frische Stimmen und die nötige gestal­te­rische Intelligenz.

Da wird Nachdenk­liches der islän­di­schen Sängerin Björk Guðmunds­dóttir dem barocken Liebes­säuseln von Robert Johnson gegen­über­ge­stellt, Zartes von Felix Mendelssohn Bartholdy den ironi­schen Seiten­hieben von Johannes Brahms. Und John Lennons Hit Love me do erklingt gleich in zwei kontrast­reichen Arran­ge­ments als verhaltene Klage und als hoffnungs­volle Liebes­hymne mit dem entspre­chenden Drive.

Der Unrast von Gretchens Meine Ruh‘ ist hin aus der Feder von Franz Schubert folgt eine pfiffige Kontra­faktur des alten franzö­si­schen Lieds Ah! Vous dirai-je mamanAch! Soll ich Ihnen sagen, Mama, wer verur­sacht meine Qual? – dessen Melodie heute noch unter dem viel später aufge­kom­menen Titel Morgen kommt der Weihnachtsmann bekannt ist. Mozart hat über das Original einen Varia­ti­ons­zyklus für Klavier geschrieben, den Toni Ming Geiger souverän zur Rezitation eines neuen, ungemein komisch-ironi­schen Textes von Walter BrandinBrief einer höheren Tochter aus den Ferien an ihre Mutterinter­pre­tiert. Schade, dass die Sprech­stimme von Elena Harsányi, nicht verstärkt und sich nicht immer gegen das Klavier durch­setzen kann. Der Raum ist stimmungsvoll abgedunkelt, so dass man auch die Texte nicht mitlesen kann.

Das ist aber auch der einzige Wermuts­tropfen in diesem charmanten und künst­le­risch hochwer­tigen Beitrag ganz junger Menschen zum großen Motto Bach & Mendelssohn.

Der Beifall im vollbe­setzten Friedrich-Spee-Saal fällt entspre­chend lang und nachhaltig aus und wird mit einer deutschen Fassung des Hits Schuld war nur der Bossa Nova belohnt.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: