O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Michael Rathmann

Gotteslob aus dem gar nicht so grauen Mittelalter

ROMANISCHE NACHT – DIAPHONIA
(Leoninus, Perotinus und andere)

Besuch am
23. September 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Klosterbasilika/​a>

Unabhängig vom überge­ord­neten Motto des 28. Festivals Alte Musik Knecht­s­teden, Bach & Mendelssohn, hält das tradi­ti­ons­reiche neuntägige Fest auch in diesem Jahr etliche Nischen für leise, intime und besonders kontem­plative Töne bereit. Und die können mindestens ebenso inter­es­sante Überra­schungen bereit­halten wie die spekta­ku­lären Großpro­jekte des Festivals. In diesem Kontext verdient der Auftritt des achtköp­figen Tiburtina-Ensembles Aufmerk­samkeit, das zu einer Romani­schen Nacht in die Kloster­ba­silika einlädt und den vom ersten bis zum letzten Ton faszi­nierten Besuchern unter dem Titel Diaphonia Einblicke in „Die Geburt der frühen Mehrstim­migkeit“ bietet.

Mit anderen Worten: Zu hören gibt es rund 70 Minuten lang A‑cap­pella-Gesang auf der Basis Grego­ria­ni­scher Choräle. Das ist an sich nichts Neues. Doch die Präsen­tation in Knecht­s­teden unter­scheidet sich doch in wesent­lichen Punkten von üblichen Darbie­tungen klöster­licher Scholae. Ungewöhnlich ist die Besetzung des Prager Ensembles mit acht perfekt ausge­bil­deten und mitein­ander harmo­nie­renden Sänge­rinnen, wodurch das Missver­ständnis zurecht­ge­rückt wird, klöster­licher Gesang wäre im Mittel­alter Domäne der Mönche gewesen. Dass die Frauen­klöster musika­lisch nicht minder aktiv gewesen sind, wird kaum zur Kenntnis genommen.

Und wenn man erlebt, mit welcher innerer Ausge­gli­chenheit und welch anste­ckendem Charisma die Leiterin des Prager Oktetts, Barbora Kabátková, emotionale Vitalität und konzen­trierte Inspi­ration in Einklang bringt und ihre Mitstrei­te­rinnen zu leben­digen, diffe­ren­zierten und auch farblich fasset­ten­reichen Vorträgen der Gesänge motiviert, verliert sogar die vielleicht strengste Gattung mittel­al­ter­licher Musik die letzten Reste matter Grauschleier.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Publikum



Chat-Faktor



Auf diesem Niveau wirkt die Begegnung mit den vielfäl­tigen Formen der frühen Mehrstim­migkeit von etwa 800 bis 1200 auch für heutige Hörer wie ein kreatives Experi­men­tierfeld. Stücke aus frühen Theorie­bü­chern und Chorsamm­lungen wie der Musica Enchi­riadis oder dem Codex Callix­tinus bis hin zu komplexen, polyphonen Gesängen der Notre-Dame-Meister Leoninus und Perotinus fügen sich so zu einem ebenso infor­ma­tiven wie ästhe­tisch anrüh­renden Kalei­doskop innova­tiver Neuerungen, die alles andere als antiquiert klingen. Von ersten Versuchen mit ostinaten Liege­tönen oder paral­lel­ge­führten Organa über kanonische Gehver­suche bis hin zu ausge­prägten polyphonen Modellen der Note-Dame-Schule präsen­tieren sich die Prager Gäste auf erstklas­sigem vokalem Niveau, wobei auch die wechselnden Beset­zungen vom Einzel­vortrag über Duette bis zu verschie­denen Forma­tionen des Gesamt­ensembles an die Experi­men­tierlust der frühen Meister erinnert.

Im Programmheft wird auf das Zitat von Perotins Choral Viderunt omnes in Umberto Ecos Kultroman Der Name der Rose hinge­wiesen. So farbig und lebendig das Mittel­alter in dem dicklei­bigen Roman erscheint, so klingt es auch in den Darbie­tungen der acht jungen Sängerinnen.

Der Beifall in der nahezu vollbe­setzten Kloster­ba­silika fällt entspre­chend lang und nachhaltig aus.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: