O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Michael Rathmann

Explosive Klänge

ÜBERLEBEN
(Joseph Eybler, Ludwig van Beethoven)

Besuch am
22. September 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Festival Alte Musik Knecht­s­teden, Basilika

Wenn Hermann Max, der ebenso umtriebige wie renom­mierte Chorleiter der Rheini­schen Kantorei, zu Konzerten einlädt, sind Überra­schungen garan­tiert. Auch im 27. Jahr seines Festivals für Alte Musik in Knecht­s­teden. Die dortige Kloster­ba­silika am Rande Dormagens war wiederum der stimmungs­volle Schau­platz der Eröffnung des neuen, bis zum 29. September andau­ernden Festivals, das thema­tisch um das doppel­deutige Motto „Über Leben“, vielleicht auch „Überleben“, kreist. Wie gewohnt, hat Max auch für dieses Thema mit seiner Spürnase eine Rarität gefunden, die eine Wieder­be­lebung rechtfertigt.

Eine nicht minder große Überra­schung ist ihm aller­dings daneben mit der Verpflichtung des Hamburger Ensembles reflektor gelungen. Hinter dem etwas geheim­nis­vollen Namen verbirgt sich ein etwa 40-köpfiges Sympho­nie­or­chester, bestehend aus blutjungen Studenten und Profis der Nordwest­deut­schen Philhar­monie, das der versierte Geiger und Professor an der Hochschule der Künste Bremen Thomas Klug seit rund drei Jahren zu einem erstaunlich brillanten und nahezu perfekten Ensemble schweißt. Das Orchester besticht nicht nur durch seine außer­or­dent­lichen musika­li­schen Leistungen, sondern durch seine Aufge­schlos­senheit, mit der es auch auf der Reeperbahn und in Fabriken gastiert, für jedes noch so ungewohnte Programm zu haben ist, mit Syrern und Jazzern zusam­men­ar­beitet und inter­es­sante Programme für Kinder­pro­jekte erarbeitet. Und die unter Hochspannung musizie­renden jungen Leute sorgten nach der Pause mit Ludwig van Beethovens 5. Symphonie für einen Abschluss des Abends der Sonderklasse.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Publikum



Chat-Faktor



Dass Beethoven seine Zeitge­nossen mit diesem Schlüs­selwerk geradezu überrumpelt und ratlos hinter­lassen hat, ist für heutige Hörer kaum noch nachvoll­ziehbar. Das Ensemble reflektor liefert aller­dings eine so druck­volle und dynamisch explosive Inter­pre­tation des hinrei­chend bekannten Werks, dass zumindest eine Ahnung von der ungeheuren Wirkung der Symphonie durch­schim­merte. Die Befürchtung, dass das von Klug angeschlagene Tempo die Musiker in den vielen diffi­zilen Stellen aus der Bahn werfen könnte, bleibt unbegründet, selbst in den gefürch­teten Bass-Läufen des Trios im Scherzo. Mit lupen­reiner Intonation und perfektem Zusam­men­spiel liefern die Musiker eine Inter­pre­tation, die in Sachen Beethoven zum Besten und Aufre­gendsten der letzten Zeit gehören dürfte. Man darf auf die Veröf­fent­li­chung der ersten CD gespannt sein, auf der die Symphonie unter dem Titel Gewaltakt mit anderen Werken ähnlich kraft­vollen Zuschnitts verewigt wird.

Foto © Michael Rathmann

Die politi­schen und privaten Spannungen, die Beethovens Lebens durch­zogen, lassen eine im Fahrwasser der Großen Revolution entstandene Kompo­sition wie die Fünfte problemlos dem „Überlebens“-Motto des Festivals eingliedern. Das gilt auch für das kaum bekannte Oratorium des Beethoven-Zeitge­nossen Joseph Eybler „Die vier letzten Dinge“. 1810 in enger zeitlicher Nachbar­schaft zu Beethovens 5. Symphonie entstanden, sind Einflüsse des Bonner Meisters unver­kennbar. Doch wenn es um Oratorien dieser Zeit geht, steht vor allem Joseph Haydn Pate. Und bereits die an Zerstörung und Vergäng­lichkeit mahnende Ouvertüre erinnert an die Einleitung zu Haydns Schöpfung. Ebenso wie die Ausge­staltung mancher Rezitative. Freilich wirkt alles nicht ganz so fanta­sievoll und originell wie bei dem großen Ahnen. Und Hermann Max entscheidet sicher recht, wenn er sich auf einen einstün­digen Auszug aus dem Werk beschränkt.

Heutigen Hörern dürfte auch das Libretto Probleme bereiten. In drei Teilen wird mit Hilfe von drei Erzengeln der Untergang der Welt, die Wieder­erwe­ckung der Toten im Jüngsten Gericht und die Errettung der Seligen beschreiben. Das wird im Libretto, vor allem im zweiten Teil, recht naiv beschrieben, auch wenn Eyblers Musik ein großes handwerk­liches Können erkennen lässt.

Den Löwen­anteil der gewählten Ausschnitte haben die Solisten zu bewäl­tigen. Mit Sopra­nistin Catalina Bertucci, Tenor Andreas Post und Georg Streuber als Bariton beweist Max wiederum ein glück­liches Händchen bei der Auswahl seiner Mitstreiter. Ein sehr homogenes Terzett, das den Anfor­de­rungen der Partien vollauf gerecht wird.

Und die mit Ausnahme einer recht konven­tionell gestrickten Fuge nicht allzu anspruchs­vollen Chorpas­sagen sind bei der hervor­ragend geschulten Rheini­schen Kantorei bestens aufge­hoben. Wobei das Ensemble reflektor so voluminös in Erscheinung tritt, dass Max strecken­weise Mühe hat, das Orchester auf angemessene Distanz zu halten.

Begeis­terter Beifall für beide Teile des Konzerts, der sich verständ­li­cher­weise nach der effekt­vollen und furios aufge­führten Beethoven-Symphonie noch steigert.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: