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Bis zur völligen Erschöpfung

COMFORT ZONE
(Silke Z.)

Besuch am
14. November 2019
(Urauf­führung)

 

Kölner Künstler Theater

In diesen überhitzten Zeiten, in denen immer mehr Menschen wortlos werden, während ein paar wenige immer lauter schreien, wird die Forderung dring­licher, aus dem Bequem­lich­keits­sessel vor dem häuslichen Fernseher aufzu­stehen und Stellung zu beziehen, um nicht erneut braune Wolken am Himmel aufziehen zu sehen. Dass das durchaus anstrengend ist, zeigt Silke Z. in ihrer neuen Choreo­grafie mit dem gegen­tei­ligen Titel Comfort Zone im Kölner Künstler Theater.

Im Drei-Sektoren-Modell wird versucht zu erklären, in welcher Lebens­si­tuation Menschen sich befinden. In der Komfortzone fühlt der Mensch sich natur­gemäß am wohlsten. Hier kennt er die Menschen, mit denen er sich umgibt, pflegt seine Gewohn­heiten im behag­lichen Umfeld. Sobald man sie verlässt, landet man in der Wachs­tumszone. Es treten Verän­de­rungen der Lebens­um­stände ein, an denen der Mensch wachsen kann, wobei Fehler und Rückschläge möglich sind. In der Panikzone schließlich scheint das Scheitern vorpro­gram­miert. Zu groß gewählte Ziele, unüber­sicht­liche Situa­tionen und die völlige Veraus­gabung gehören dazu.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Choreo­grafie setzt bei Verlassen der Komfortzone ein. Auf leerer Bühne stehen sich zwei Männer gegenüber, von denen man nicht erfahren wird, in welchem Verhältnis sie zuein­ander stehen. Der Kleinere von beiden beginnt, im Kreis zu laufen. Später wird der andere sich gegen­läufig anschließen. Und schon finden die Zuschauer sich in einem der Höhepunkte der Choreo­grafie wieder. Denn was Silke Z. sich da an Gangarten einfallen lässt, ist höchst eindrucksvoll. Und die beiden Tänzer John Kendall und Dennis Alexander Schmitz setzen die Wünsche der Choreo­grafin mit höchster Eigen­dy­namik um. Wenn jegliche Bewegung eine Form zeitge­nös­si­schen Tanzes ist, trifft das wohl auch auf die kreis­förmige Fortbe­wegung der beiden Tänzer zu. Ansonsten scheint hier doch eher der sport­liche Charakter im Vorder­grund zu stehen, und das ist ungewöhnlich, um nicht zu sagen: gewöhnungsbedürftig.

Foto © Meyer Originals

Die brutal hämmernden Rhythmen der von André Zimmermann geschaf­fenen Lautun­ter­malung unter­streichen den Gedanken der Höchst­leistung. Atembe­raubend, wie Kendall und Schmitz diesen Dauerlauf in tausend Varianten über einen langen Zeitraum durch­halten. Garlef Keßler setzt dazu ein kaltes Weißlicht ein, das noch einmal völlig klarmacht, dass es an diesem Abend nicht um Vergnügen geht. Nach einer vergleichs­weise kurzen Regene­ra­ti­ons­phase geht es für die beiden Tänzer in die nächste Runde, in der man sich als Zuschauer in die eigene Jugend in der Diskothek zurück­ver­setzt fühlt. Im Stroboskop-Licht toben sich die Männer aus und längst weiß man nicht mehr, in welcher Zone sie sich gerade befinden. Die Komfortzone jeden­falls ist es nicht. Dafür spricht auch die stets aufrecht erhaltene Distanz der beiden, die sich bis in die Mimik fortsetzt. Wann immer Kendall den Blick des anderen oder verbalen Kontakt sucht, blitzt er ab.

In der dritten Phase des Geschehens haben sich die Männer vollkommen verausgabt und flüchten sich in den Versuch eines „Posing“-Wettbewerbs. In dieser Phase der Erschöpfung zeigen sich die beiden erstmals deutlich als Rivalen, aber das Posing will so recht nicht mehr funktio­nieren, was bei den Zuschauern für beabsich­tigte Belus­tigung sorgt. Nach einer knappen Stunde ist die Kraft versiegt.

Die Zuschauer, hier vor allem die Damen, fühlen sich gut unter­halten und spenden kräftig Applaus. Silke Z. hat hier ihre Affinität zum Sport ausgelebt und vor allem viel Fantasie in der Kreation der Gangarten bewiesen. Sie zeigt eine Choreo­grafie, die dermaßen aus dem Rahmen fällt, dass sie auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Zwei weitere Vorstel­lungen sind Ende Januar kommenden Jahres auf der Bühne der Brotfabrik Bonn zu erleben.

Bis dahin aber geht es erst mal zurück in die Ehren­feld­studios, wo Silke Z. bereit am 6. Dezember eine weitere Urauf­führung mit den Metabo­listen zeigt. Die Anderen, so der Name der neuen Choreo­grafie, wird dann wohl wieder überra­schend anders.

Michael S. Zerban

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