O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
In diesen überhitzten Zeiten, in denen immer mehr Menschen wortlos werden, während ein paar wenige immer lauter schreien, wird die Forderung dringlicher, aus dem Bequemlichkeitssessel vor dem häuslichen Fernseher aufzustehen und Stellung zu beziehen, um nicht erneut braune Wolken am Himmel aufziehen zu sehen. Dass das durchaus anstrengend ist, zeigt Silke Z. in ihrer neuen Choreografie mit dem gegenteiligen Titel Comfort Zone im Kölner Künstler Theater.
Im Drei-Sektoren-Modell wird versucht zu erklären, in welcher Lebenssituation Menschen sich befinden. In der Komfortzone fühlt der Mensch sich naturgemäß am wohlsten. Hier kennt er die Menschen, mit denen er sich umgibt, pflegt seine Gewohnheiten im behaglichen Umfeld. Sobald man sie verlässt, landet man in der Wachstumszone. Es treten Veränderungen der Lebensumstände ein, an denen der Mensch wachsen kann, wobei Fehler und Rückschläge möglich sind. In der Panikzone schließlich scheint das Scheitern vorprogrammiert. Zu groß gewählte Ziele, unübersichtliche Situationen und die völlige Verausgabung gehören dazu.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Choreografie setzt bei Verlassen der Komfortzone ein. Auf leerer Bühne stehen sich zwei Männer gegenüber, von denen man nicht erfahren wird, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Der Kleinere von beiden beginnt, im Kreis zu laufen. Später wird der andere sich gegenläufig anschließen. Und schon finden die Zuschauer sich in einem der Höhepunkte der Choreografie wieder. Denn was Silke Z. sich da an Gangarten einfallen lässt, ist höchst eindrucksvoll. Und die beiden Tänzer John Kendall und Dennis Alexander Schmitz setzen die Wünsche der Choreografin mit höchster Eigendynamik um. Wenn jegliche Bewegung eine Form zeitgenössischen Tanzes ist, trifft das wohl auch auf die kreisförmige Fortbewegung der beiden Tänzer zu. Ansonsten scheint hier doch eher der sportliche Charakter im Vordergrund zu stehen, und das ist ungewöhnlich, um nicht zu sagen: gewöhnungsbedürftig.

Die brutal hämmernden Rhythmen der von André Zimmermann geschaffenen Lautuntermalung unterstreichen den Gedanken der Höchstleistung. Atemberaubend, wie Kendall und Schmitz diesen Dauerlauf in tausend Varianten über einen langen Zeitraum durchhalten. Garlef Keßler setzt dazu ein kaltes Weißlicht ein, das noch einmal völlig klarmacht, dass es an diesem Abend nicht um Vergnügen geht. Nach einer vergleichsweise kurzen Regenerationsphase geht es für die beiden Tänzer in die nächste Runde, in der man sich als Zuschauer in die eigene Jugend in der Diskothek zurückversetzt fühlt. Im Stroboskop-Licht toben sich die Männer aus und längst weiß man nicht mehr, in welcher Zone sie sich gerade befinden. Die Komfortzone jedenfalls ist es nicht. Dafür spricht auch die stets aufrecht erhaltene Distanz der beiden, die sich bis in die Mimik fortsetzt. Wann immer Kendall den Blick des anderen oder verbalen Kontakt sucht, blitzt er ab.
In der dritten Phase des Geschehens haben sich die Männer vollkommen verausgabt und flüchten sich in den Versuch eines „Posing“-Wettbewerbs. In dieser Phase der Erschöpfung zeigen sich die beiden erstmals deutlich als Rivalen, aber das Posing will so recht nicht mehr funktionieren, was bei den Zuschauern für beabsichtigte Belustigung sorgt. Nach einer knappen Stunde ist die Kraft versiegt.
Die Zuschauer, hier vor allem die Damen, fühlen sich gut unterhalten und spenden kräftig Applaus. Silke Z. hat hier ihre Affinität zum Sport ausgelebt und vor allem viel Fantasie in der Kreation der Gangarten bewiesen. Sie zeigt eine Choreografie, die dermaßen aus dem Rahmen fällt, dass sie auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Zwei weitere Vorstellungen sind Ende Januar kommenden Jahres auf der Bühne der Brotfabrik Bonn zu erleben.
Bis dahin aber geht es erst mal zurück in die Ehrenfeldstudios, wo Silke Z. bereit am 6. Dezember eine weitere Uraufführung mit den Metabolisten zeigt. Die Anderen, so der Name der neuen Choreografie, wird dann wohl wieder überraschend anders.
Michael S. Zerban