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Foto © JacQue Photography

Empathie wird großgeschrieben

DIE ANDEREN
(Silke Z.)

Besuch am
6. Dezember 2019
(Urauf­führung)

 

Ehren­feld­studios, Köln

Gleich, wenn man den kleinen Innenhof der Ehren­feld­studios in Köln betritt, spürt man die Entspannung. Klar, heute Abend soll hier Großes statt­finden, aber das ist ja kein Grund, in Fieber zu verfallen. Vor dem Eingang sitzt Silke Z., um die Gäste persönlich zu begrüßen. Sie hat in Zusam­men­arbeit mit Angus Balbernie den heutigen Abend entworfen. Die Anderen hat sie das Stück genannt, das die Zuschauer in einer kurzwei­ligen Stunde fesseln wird. „Die Digita­li­sierung und Vernetzung in unseren Gesell­schaften gaukeln uns eine scheinbar direkte, unmit­telbare Nähe vor. Aber die vermeint­liche Abschaffung von Distanz erzeugt nicht ein Mehr an Nähe, sondern zerstört sie“, sagt sie im Vorfeld. Und will es in ihrem Stück präzisieren.

Schon in den Saal kommt man nicht hinein, ohne körper­liche Distanz aufzu­geben. Am Eingang stehen die Metabo­listen, jene Theater­truppe, mit der Silke Z. jetzt zum dritten Mal zusam­men­ar­beitet. Einen Handschlag, eine Umarmung oder ein kleines Tänzchen muss der Besucher abliefern und das gleich mehrfach. Im Saal werden die Zuschauer von Caroline Simon empfangen, die sich rührend um das Wohlbe­finden der Gäste kümmert. Sie werden zum Platz geleitet, mit größter Rücksicht darauf, dass einem auch nicht der Sitzriese in der Reihe davor den Blick versperrt. Es grenzt an ein Wunder, dass das Ganze auch noch recht zügig vonstat­tengeht. Muss es auch, denn an diesem Abend ist wirklich jeder Stuhl besetzt.

Foto © JacQue Photography

Während der Regen stimmungsvoll auf das Dach tropft, setzen die Klang­flächen von André Zimmermann ein, und die zehn Metabo­listen im Alter zwischen 19 und 62 Jahren zeigen tänze­risch, wie man in der Menge ziemlich allein und sehnsuchtsvoll sein kann. Die Gruppe formiert sich und Angus Balbernie tritt aus der Linie hervor, um auf Englisch darüber zu philo­so­phieren, wer „die Anderen“ wohl sind und wie sie in Beziehung zuein­ander stehen könnten, während Malina Hoffmann lautstark insis­tiert und auf die emotionale Ebene einer solchen Beziehung pocht. Der Wechsel zwischen Tanz und Spiel setzt sich munter fort, während das Stück zunehmend auf Empathie fokussiert.

Sehr schön die mit bitterem Humor gewürzte Spiel­szene, in der Hoffmann eine Sachbe­ar­bei­terin des Minis­te­riums für Empathie mimt und den Antrag auf Erteilung von Empathie entge­gen­nimmt. Charles Ripley möchte eigentlich nur beim täglichen Einkauf nicht mehr unsichtbar sein, aber die behörd­lichen Schranken scheinen kaum überwindbar. Zeit, Empathie­spender im Publikum zu suchen. Dazu bewaffnen sich Bettina Mucken­haupt und Malina Hoffmann mit Mikro­fonen und befragen ausge­suchte Zuschauer nach ihrer Hilfsbereitschaft.

Und weiter geht es mit dem Tanz. Lisa Kirsch tobt sich auf der Bühne aus, scheint die Orien­tierung in der Gesell­schaft verloren zu haben, was sie immer wieder zu Fall bringt. Abine Leao Ka, Karel Vanĕk, Alice Smith und Florian Patschovsky üben sich derweil mal in der Gruppe, mal als Solo im Ausdruckstanz. Mit allerlei weiteren origi­nellen Einfällen vergeht eine Stunde wie im Flug.

Wenn man Empathie versteht als „Fähigkeit und Bereit­schaft, Empfin­dungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persön­lich­keits­merkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzu­emp­finden“, verwi­schen die Begriff­lich­keiten im Stück immer wieder, wird persön­liche Nähe, Hilfs­be­reit­schaft oder Fürsorge gleich­ge­setzt mit innerer Anteil­nahme oder Einfüh­lungs­ver­mögen. Was aber völlig legitim ist, wenn man Die Anderen als das begreift, als was es gemeint ist: als Vorspiel zu einer geplanten Reihe von Stücken, die sich mit dem Thema Der empathische Körper ausein­an­der­setzen wollen.

Derweil entsteht auf der Bühne ein anrüh­rendes Schlussbild. Und wenn man nun noch Schnee darüber­streute, wäre es die perfekte Weihnachts­ge­schichte. Aber so viel Rührung soll es dann doch nicht sein. Auch so reicht es, um das Publikum zu begeis­tertem Applaus hinzu­reißen. Silke Z. hat ein Stück vorge­stellt, dass sich ohne Senti­men­ta­lität, dafür mit Witz und origi­nellen Einfällen mit dem Thema Nähe ausein­an­der­setzt. Da kann man sich auf das kommende Jahr freuen, wenn Silke Z. mitteilen wird, was es mit dem empha­ti­schen Körper auf sich hat.

Michael S. Zerban

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