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DER ETWAS ANDERE LIEDERABEND
(Ralf Soiron, Christoph Maria Wagner, Stefan Thomas)
Besuch am
11. April 2018
(Einmalige Aufführung)
Immer noch wurschteln Vereine, Verbände oder Interessenorganisationen gerne für sich selber rum – und wundern sich, warum sie nicht die gewünschte Beachtung in der Öffentlichkeit finden. Dass es auch anders geht, haben jetzt Klang Köln, Liedwelt Rheinland und das Domforum miteinander gezeigt. Der Verein Klang Köln richtet neben anderen Aufgaben Veranstaltungen aus, in deren Mittelpunkt die zeitgenössische Musik, gerne in Kombination mit anderen Kunstformen, steht. Das Netzwerk Liedwelt Rheinland widmet sich der Pflege des Kunstliedes. Und das Domforum Köln schließlich ist ein Veranstaltungsort der katholischen Kirche, gleich gegenüber dem Kölner Dom gelegen. In der Konstellation liegt es auf der Hand, einen Abend mit neuen Kunstliedern im Domforum zu veranstalten. Das Risiko, bei einer Neue-Musik-Veranstaltung vor leeren Plätzen aufzutreten, wird durch das wiederauflebende Interesse am Kunstlied kompensiert und an einem Mittwochabend kommt man auch attraktiven Großveranstaltungen nicht ins Gehege. Ein etwas fantasievollerer Titel als Der etwas andere Liederabend hätte das Interesse womöglich noch beflügeln können, aber auch so sind die aufgestellten Stuhlreihen gut gefüllt.
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Während auf der Domplatte noch zahlreiche Touristen den milden Frühlingsabend genießen, kann das Programm beginnen. Bei dessen näherer Betrachtung mag sich allerdings schon so mancher Besucher fragen, ob sich dafür nicht ein größerer Rahmen hätte finden lassen. Drei renommierte Komponisten führen ihre eigenen Arbeiten auf, indem sie zwei erstklassige Sänger begleiten. Da sollte man doch glauben, dass sich mindestens ein Opernhaus die Finger danach leckt. Läuft wohl doch einiges schief im hochsubventionierten Opernstaat Deutschland. Das Domforum darf sich freuen.
Den Anfang macht Ralf Soiron mit seinen Liedern des Bewusstseins, die von Anna Herbst vorgetragen werden. Herbst ist in Bensberg geboren, wuchs in Köln auf und absolvierte dort auch ihr Studium. Heute gilt sie als Spezialistin für Alte und zeitgenössische Musik. An diesem „etwas anderen Liederabend“ hat sie die Ehre, gleich acht Uraufführungen vortragen zu dürfen. Die ersten vier entfallen auf Kompositionen von Soiron zu Texten von Elke Lasker-Schüler, Ernst Stadler, Luise Kaschnitz und Günter Kunert. Der Kölner Komponist hält sich in der Klavierbegleitung deutlich zurück, um dem ausgereiften Sopran von Herbst alle Kraft zu verleihen. Wo man sich vielleicht mal ein paar deutlichere Akzente gewünscht hätte, gleicht die Sängerin mit der ganzen Bandbreite ihrer Möglichkeiten aus, lässt sich auf die mitunter modernistische Stimmführung ein und geht zwanglos, aber kraftvoll in die Höhe, ohne an Textverständlichkeit zu verlieren. Auch wenn hier entgegen der Vorstellungen von Klang Köln alles sehr traditionell geordnet abläuft, also Sängerin vor Flügel vor Publikum, entsteht keinen Moment Langeweile.

Den Höhepunkt des Abends liefert Christoph Maria Wagner ab. Er hat im vergangenen Jahr sechs Gedichte von niemand Geringerem als Charles Bukowski vertont. Um zu zeigen, was der amerikanische Kult-Dichter mit dem deutschen Kunstlied zu tun hat, hat Wagner den Berliner Bariton Peter Paul an seine Seite geholt. In deutschen Übersetzungen zeigen die beiden die extrovertierte Seite der Gedichte, weniger die Persönlichkeit von Hank Chinaski, so Bukowskis Spitzname. Expressiv und kraftvoll wird das sowohl am Klavier als auch in der Aufführung Pauls. Da ist man am Ende froh, dass er nicht in den Flügel kotzt. Für die Mimik Pauls gibt es eindeutig Extra-Punkte. Dass Wagner die Bass-Linie am Ende überreizt, ist nicht dem Sänger anzulasten, der sich immerhin bemüht, die unnötige Tiefe auszuloten. Viel interessanter als solche Wagnisse aber sind das exzellente Zusammenspiel von kräftiger Klavierunterstützung und großer Ausdruckskraft des Sängers.
Die drei Lieder nach Gedichten von Hermann Broch von Soiron geraten ebenfalls etwas ausdrucksstärker. Insbesondere Im brennenden Antlitz der Erde wird für Paul zur Ehrensache. Mit Liedern nach Texten von Robert Gernhardt, eine Arbeit von Stefan Thomas aus dem vergangenen Jahr, die jetzt zur Uraufführung kommt, kann Herbst noch einmal ihre ganze Sangeskunst zur Geltung bringen.
Das Publikum ignoriert den um zehn Minuten verspäteten Beginn des Abends ebenso wie die absolut lieblose Ausleuchtung der „Bühne“. Stattdessen genießt es Humor, Dramatik, Gefühl und die sehr intensive Auseinandersetzung sowohl der Komponisten als auch der Sänger mit dem Material, die in jedem Lied spürbar wird. Schaute man in die Tiefe der Kompositionen, gäbe es sicher den einen oder anderen Diskussionsbedarf. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Vorerst darf das Publikum dankbar sein, solche Abende überhaupt zu erleben. Am Vorabend des Forums neue Musik, das der Deutschlandfunk in Köln am kommenden Wochenende ausrichtet, ein ganz wichtiges Signal in Richtung der Aufführungspraxis zeitgenössischer Musik. Bravo für die Veranstalter, Bravo für die Künstler sagt auch das Publikum.
Michael S. Zerban