O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Seelische Schattenspiele

DIE FRAU OHNE SCHATTEN
(Richard Strauss)

Besuch am
20. September 2023
(Premiere am 17. September 2023)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Mit einem extrem aufwän­digen Schwer­ge­wicht des Reper­toires startet die Kölner Oper in die neue Saison. Richard Strauss‘ Oper Die Frau ohne Schatten ist im Deutzer Staatenhaus in einer ehrgei­zigen Produktion zu erleben, die Licht, aber auch mehr Schatten wirft als die Titelfigur.

Wie schon beim Rosen­ka­valier schwebte Hofmannsthal mit der symbo­lis­tisch verschlüs­selten Märchenoper ein Werk im Geiste Mozarts vor, worauf Strauss aller­dings wenig Rücksicht nahm. Das gigan­tisch besetzte Gürzenich-Orchester nimmt am rechten Rand mehr Platz ein als die von Johannes Leiacker schlicht und einheitlich dekorierte Spiel­fläche. Der „Schatten“ symbo­li­siert die Fruchtbar- und Gebär­fä­higkeit. Die Kaiserin als Tochter der dämoni­schen Geister­ge­stalt Keikobad muss einen Schatten finden, damit ihr geliebter Kaiser nicht zur Strafe in Stein verwandelt wird. Mit Hilfe ihrer Amme steigt sie ins verachtete Menschen­reich und bringt eine Färberin dazu, ihr ihren Schatten zu überlassen. Als die Kaiserin merkt, dass die Färberin mit dem damit verbun­denen Verzicht auf Kinder­segen sich und ihren Gatten ins Unglück stürzen würde, lässt die Kaiserin von ihrem Vorhaben ab und trotzdem geht am Ende alles gut aus.

Foto © Matthias Jung

Diese dürren Worte werden nicht im Entfern­testen der Komple­xität des Werks gerecht. Eine Vielschich­tigkeit, die Regis­seurin Katharina Thoma zu entflechten und auf eine leichter nachzu­voll­zie­hende Ebene zu rücken versucht, was ihr auch im Wesent­lichen gelingt. Die Spiel­fläche besteht lediglich aus einem ovalen Stufen­aufgang, den ein massiver Felsblock krönt. Symbo­lische und magische Zutaten, aber auch mancher effekt­volle Bühnen­zauber, den Hofmannsthal einfließen lässt, wie ein Erdbeben oder die Geisterwelt Keikobads, werden lediglich angedeutet. Selbst mit Video-Einblen­dungen geht die Regis­seurin sparsam um. Die mensch­lichen Dimen­sionen der seeli­schen Qualen vor allem der Frauen kommen durch die szenische Askese umso deutlicher zum Ausdruck.

Und die Besetzung der drei weiblichen, immens anspruchs­vollen Haupt­rollen bestimmt auch wesentlich das stimm­liche Niveau jeder Produktion dieses Werks. Drei drama­tisch geprägte Partien, denen Strauss aller­dings nicht weniger lyrische Quali­täten abver­langt. Irmgard Vilsmaier hinter­lässt als Amme den geschlos­sensten Eindruck, Daniela Köhler als Kaiserin gelingen mit ihrer unruhig geführten Stimme die sanfteren Episoden überzeu­gender als die drama­ti­schen Takte. Wie auch Lise Lindstrom als Färberin, die zum Glück auf hyste­rische Exzesse verzichtet. AJ Gluckert verfügt für den Kaiser über einen kulti­vierten, aber doch zu weichen Tenor. Neben Vilsmaier bietet Jordan Shanahan mit seinem volumi­nösen Bariton als Barak die beste vokale Leistung des Abends.

Für diese Oper hat Strauss die mit Abstand schil­lerndste und farbigste, aber auch, ungeachtet der Salome und der Elektra, dynamisch explo­sivste Musik geschrieben. Marc Albrecht steuert das famose Gürzenich-Orchester sicher und diffe­ren­ziert durch den mehr als vierstün­digen Abend. Die Größe des Staaten­hauses ermög­licht, dass die Sänger auch von stärkeren orches­tralen Attacken und Klang­räu­schen nicht überrollt werden. Eine insgesamt werkdien­liche und sänger­freund­liche Leistung des Dirigenten.

Langan­hal­tender Beifall für einen ambitio­nierten Saison-Auftakt mit Licht und Schatten.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: