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HEALING MACHINE
(Malin Gebken)
Besuch am
3. Juni 2018
(Premiere am 2. Juni 2018)
Die Partizipation, also die aktive Teilhabe des Publikums an einem Bühnenstück, ist im Theater seit langem Thema und findet inzwischen vielfältige Ausdrucksformen. Das kann man mögen, muss es aber nicht. Und so ergeht es dem Publikum. Da gibt es Menschen, die quietschen entzückt, wenn sie „mitmachen“ dürfen und stürmen förmlich die Bühne. Und es gibt die anderen, die „Kunst“ mit Abstand genießen wollen – wobei genießen nicht zwanghaft für sich unterhalten lassen steht. Im zeitgenössischen Tanz ist das Thema inzwischen ebenfalls angekommen, auch wenn sich hier die Erkenntnis noch nicht so ganz durchgesetzt hat, dass verschiedene Publika angesprochen werden.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Ihre neueste Arbeit Healing Machine – Interaktive Bühne für Kunst-Heilung kündigt Choreografin Malin Gebken ausdrücklich als „partizipatives Format“ an. Mit dem durchaus nicht ungewöhnlichen Erfolg, dass sich zur Aufführung am Sonntagnachmittag gerade mal zehn Teilnehmer im Innenhof der Ehrenfeldstudios einfinden. Gebken betritt den sonnenüberfluteten Vorplatz in Jeans und T‑Shirt mit einem Rucksack auf dem Rücken. Ihre Lautsprecherstimme lädt ein, sich ihr anzuschließen. Nicht zur Schönheitschirurgie oder auf dem Gang ins Fitness-Studio, um sich selbst zu optimieren. Auch nicht in ferne Länder zur Sinnsuche. Sondern in eine Aufführung, die hier und jetzt stattfindet. Aus sich selbst heraus etwas bewegen. Sie betont die absolute Zwanglosigkeit und zieht los. Raus aus dem Studiobereich. Aus dem Rucksack ist mitunter die Klangkomposition von Sergio González Cuervo zu hören. Klangschalen sind da zu hören und andere Geräusche, die auf dem Gang um den Häuserblock mitunter verwischen, unhörbar werden, wenn man sich zu weit von Gebken entfernt und irgendwie eigentlich sowieso überflüssig sind. Die Idee des meditativen Spaziergangs funktioniert auch ohne esoterische Klänge. Und im Grunde wäre schon der erweiterte Gang durch das Veedel vollkommen ausreichend, um einen wundervollen Nachmittag zu verbringen. In Ehrenfeld erlebst du einfach so viel Lebensqualität, dass es ernsthaft kaum mehr braucht. Die engen Gassen, in denen sich die parkenden Autos an den Bordstein drängen, damit fahrende Autos und undisziplinierte Radfahrer dazwischen noch Platz finden; Menschen, die vollkommen entspannt ihre Zigaretten vor irgendwelchen Imbissstuben rauchen, die Stühle vor der besonnten Eckkneipe sind vollbesetzt. An der nächsten Ecke findest du dich unversehens in einem kleinen Park wieder, an den sich ein überfüllter Kinderspielplatz anschließt. Auf der Bank unter den schattenspendenden Bäumen immer noch die beiden Mütter, ins Gespräch vertieft, mit den herumtollenden Kindern. Ein Paar, das ebenfalls immer noch, nur drängender jetzt, versucht, endlich einander näherzukommen. Ausgang ungewiss, denn schließlich geht es allzu bald in die Spielstätte zurück.

Eine neue Ansage im typischen Tonfall esoterischer Veranstaltungen fordert auf, weiter in Bewegung zu bleiben. Die Räumlichkeiten sind warm und indirekt ausgeleuchtet. An den Wänden hängen Zettel mit Wörtern wie Breathe, also: Atme. Die Teilnehmer werden ins große Studio weitergeleitet, wo sie mit Gebken und ihrer dramaturgischen Beraterin, Mojra Vogelnik-Skerlj, Tai-Chi-Übungen absolvieren. Die Zwanglosigkeit bleibt. Man kann sich zwischendurch zurückziehen, ohne böse Blicke zu ernten. Jeder muss für sich seinen Weg finden. Und auch entscheiden, ob das hier für ihn oder sie eine Parodie, eine Sportstunde oder vielleicht sogar ein Einstieg ist, sich abseits von Schrittmessung und Body Mass Index mit sich selbst auseinanderzusetzen.
Im vorletzten Abschnitt kehrt die Gruppe wieder in das kleinere Studio zurück, darf noch ein wenig in der Bewegung entspannen und wer möchte, auch ein Sprüchlein in ein bereitgestelltes Mikrofon sagen. Dass der letzte Teil der Video-Installation hintenüberfällt, liegt nicht an den Teilnehmern, sondern an einer überlangen Pause. Hier zeigen Gebken und Cuervo Eindrücke vorhergehender Aufführungen. Die wollen viele Teilnehmer aber nicht. Die tauschen sich lieber über ihre eben gemachten Erfahrungen aus. Die Stimmung ist gut, der Applaus warm.
Gebken hat gezeigt, wie es ist, wenn das Publikum Bestandteil der Performance wird. Und da sind letzte Zweifel erlaubt. Zwischen künstlerischer Performance und esoterischer Trainingseinheit werden die Abstände doch sehr gering. Gebken wird in künftigen Arbeiten zeigen müssen, ob da noch mehr geht. Die Grundlagen dafür hat sie jetzt geschaffen.
Michael S. Zerban