O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DER KAISER VON ATLANTIS
(Viktor Ullmann)
Besuch am
2. März 2018
(Premiere am 24. Februar 2018)
Viktor Ullmanns Oper Der Kaiser von Atlantis gehört zu jenen Werken, deren Entstehungsgeschichte spektakulärer ist als ihre musikalische Qualität. Allerdings wäre es zynisch, dem Komponisten vorzuwerfen, dass ihm unter den gegebenen „Arbeitsbedingungen“ kein epochales Werk gelungen ist. Denn entstanden ist das Werk 1943⁄44 in Theresienstadt, einem Vorzeige-Ghetto mit einer scheinbaren Selbstverwaltung der jüdischen „Einwohner“ und künstlerischen Freiheiten, mit denen die Nazis propagandistisch ein geschöntes Bild der KZ-Wirklichkeit nach außen tragen wollten. Ein Vernichtungslager war das nahe Prag gelegene Konzentrationslager in der Tat nicht, letztlich aber eine Durchgangsstation, der schließlich auch Ullmann und sein Librettist Peter Kien in Auschwitz zum Opfer gefallen sind.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Aufgeführt werden dufte das Stück 1944 in Theresienstadt ohnehin nicht. Es sind nur Proben dokumentiert, am Entstehungsort hat man es erst 51 Jahre später auf die Bühne bringen können. Es ist eine finstere Anti-Kriegs-Parabel, eine Mischung aus Totentanz, Satire und barockem Welttheater, in der sich der Tod weigert, den letzten Rest seiner Würde aufzugeben und sich weiterhin auf den Schlachtfeldern sinnloser Kriege als Handlanger machtbesessener Tyrannen vorführen zu lassen. Kaiser Overall ist dadurch gezwungen, einen Krieg zu führen, in dem niemand stirbt. Allerdings schrumpft seine Autorität, wenn ihm der Tod als einschüchternder Gehilfe nicht mehr beisteht. Am Ende kapituliert der Kaiser und kommt der Forderung des Todes nach, die Menschen wieder sterben zu lassen, wenn sich der Kaiser als erstes Opfer zur Verfügung stellt. Im Schlusschoral heißt es: „Du sollst den großen Namen Tod nicht eitel beschwören!“
Es ist ein bizarres Szenario, das Ullmann und Kien hier in Anspielung an die menschenverachtende Absurdität des Nazi-Regimes entwerfen. In schrillen Bildern mit Figuren und Allegorien aus Mittelalter und Barock, einer zynischen Harlekins-Figur, der das Lachen vergeht, fanatischen Einpeitschern und ahnungs- und orientierungslosen Opfern.

Ullmann stand in Theresienstadt ein Orchester von etwa 15 Musikern zur Verfügung, das mit Instrumenten wie Alt-Saxophon, Trompete, Banjo, Gitarre und Harmonium jenen präganten Klang anstimmen konnte, den man von Kurt Weill und Ernst Krenek kannte und der einen bunten Stilmix aus Jazz-Elementen, Anleihen an Tanzhaus-Musiken, aber auch Chorälen und Anspielungen an die traditionelle Oper erlaubt. Rainer Mühlbach und ein Ensemble des Gürzenich-Orchesters bringen diese Klangkulisse auch mit angemessener Präzision zum Ausdruck.
Aufgeführt wird das Stück in der Außenspielstätte am Offenbacher Platz direkt neben der Dauerbaustelle der Kölner Oper. Ein gläsernes Gebäude, das ideale Voraussetzungen für Kammeropern solcher Art bereithält. Im Mittelpunkt der Bühne residiert das tief gelegte Orchester. Eine riesige Glocke, die zugleich als Lautsprecher des ominösen Kaisers dient, ragt drohend über die Musiker. Die Darsteller agieren auf Stegen, die das Orchester umrahmen und teilen. Eike Ecker, die als Regisseurin vor allem viel Erfahrungen mit dem Kindertheater sammeln konnte und als Spielleiterin etliche große Opernproduktionen mitbetreut hat, lässt in den sparsamen Dekorationen und grotesken Kostümen von Darko Petrovic ein Szenario wie aus einer mittelalterlichen Totentanz-Illustration erstehen, begnügt sich letztlich jedoch mit einer recht braven Wiedergabe der Handlung, ohne die überspitzte Drastik des Stücks auszuspielen. Dadurch kann auch nur selten vom bisweilen trockenen Leerlauf mancher Gesangspassage abgelenkt werden.
Gesungen wird ohne Übertitel, was das Verständnis des recht hölzernen Librettos nicht erleichtert. An der Besetzung gibt es nichts auszusetzen. Weder an Nikolay Borchev als tumb-größenwahnsinnigem Kaiser Overall noch an dem zynisch-verbitterten Harlekin von Martin Koch oder an Lucas Singer als mächtig dröhnende Todes-Allegorie.
Viel Beifall für eine interessante Rarität des Opern-Repertoires, die dramaturgisch und musikalisch freilich schon einige Patina angesetzt hat.
Pedro Obiera