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OYAYAYE
(Jacques Offenbach)
Besuch am
6. Januar 2019
(Einmalige Aufführung)
Yes, we CanCan!“ Mit dem Neujahrskonzert des Gürzenich-Orchesters wird das Kölner Offenbach-Jahr in der voll besetzten Kölner Philharmonie in Anwesenheit des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, offiziell eröffnet. Das ganze Jahr hindurch wird der 200. Geburtstag des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach mit mehr als 125 Veranstaltungen gewürdigt. Keine in der Domstadt relevante Gruppierung enthält sich der Ehrung. Weder die städtischen und freien Kulturinstitutionen noch die Karnevalisten oder die Domherren und erst recht nicht etliche engagierte jüdische und französische Vereinigungen bleiben außen vor. Denn nicht nur der Musiker Offenbach soll in einem neuen, umfassenden Licht betrachtet werden, sondern auch dessen Position als deutscher Jude im Frankreich des 19. Jahrhunderts.
So tiefschürfend geht es im Eröffnungskonzert noch nicht zu. Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Ministerpräsident greifen diese Themen zwar in ihren Ansprachen auf: Auf der Bühne geht es jedoch vor allem um rheinischen „Spass an d’r Freud“ im Vorfeld des Fastelovends. Trotz der deutschen Erstaufführung eines lange Zeit verschollenen und aus wenigen Resten mühsam rekonstruierten Einakters bleibt man noch liebgewonnenen, aber fragwürdigen Traditionen der Offenbach-Rezeption treu. So mit Carl Binders romantisch aufgedonnerter Ouvertüre zu Orpheus in der Unterwelt, die mit dem spitzen Esprit Offenbachs wenig zu tun hat. Und auch der überdrehte Einakter Oyayaye oder Die Königin der Inseln, eine Menschenfresserei in einem Akt, verleiten Regisseurin Sabine Hartmannshenn und die vorzüglichen Solisten Matthias Kling und Hagen Matzeit nur zu einem kalauerreichen Umgang mit der 40-minütigen Travestie. Aus der skurrilen Handlung hätte sich mehr holen lassen: Ein Kontrabassist schläft vor seinem Solo ein, wird aus dem Orchester gewiesen und landet voller Verzweiflung auf der Insel einer liebestollen Kannibalin, die den eher lendenlahmen Musiker zwar nicht im Bett vernaschen kann, dafür aber noch intensiver im Kochtopf. Zudem erweist sie sich als exzellente Kennerin der großen Oper, wenn sie einen Wäschezettel mit allen Künsten des italienischen Belcantos zum Besten gibt. Offenbach von seiner schrillen Seite, in Köln noch platt serviert. Trotz des dynamischen Einsatzes von Maestro Alexandre Bloch am Pult des Gürzenich-Orchesters.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Immerhin demonstriert der Cellist Pablo Ferrández mit Ausschnitten aus der Grande scène espagnole, welch brillanter Cellist Offenbach gewesen sein muss. Und mit der Ouvertüre zu Offenbachs romantischer Oper Die Rheinnixen erinnert man an den Ursprung der berühmten Barcarole.
Die organisatorischen Fäden für das Fest-Jahr hält die vor zwei Jahren extra für diesen Anlass gegründete Kölner Offenbach-Gesellschaft in Händen. Und die möchte darauf hinwirken, dass „Offenbach mehr ist als CanCan und Barcarole“. Auch wenn der Offenbachplatz an der Oper und dem 4711-Haus zentral gelegen ist, wissen längst nicht alle Kölner mit dem Namen Offenbach etwas Konkretes anzufangen. Es gilt also, die Bedeutung des Meisters möglichst differenziert ins Bewusstsein zu rufen und die Größe und Vielfalt seiner künstlerischen Leistungen angemessen zu präsentieren. Dabei sollen folgende Aspekte besonders deutlich berücksichtigt werden: Offenbach als europäischer Künstler – Offenbachs jüdische Wurzeln – der Einfluss seiner Kölner Herkunft – das Verhältnis Kölns zu Offenbach – Offenbach versus Richard Wagner sowie die „emanzipierte Frau“ in seinen Bühnenstücken.
Die Offenbach-Gesellschaft kooperiert mit Pariser Partnern, auch wenn der Geburtstag in Paris nicht ganz so hoch gehängt wird wie in Köln. Schließlich ist Offenbach dort ohnehin präsenter als in Deutschland, und Paris hat nicht nur einen, sondern eine ganze Palette berühmter Komponisten im Geburtsregister verzeichnet.

Der Aufbau in der Philharmonie wird dem Anspruch noch nicht zufriedenstellend gerecht. Dafür präsentiert die Kölner Oper gleich vier Produktionen. Darunter als Höhepunkt die Opéra bouffe La Grande-Duchesse de Gérolstein ab dem 9. Juni mit dem Chefdirigenten François-Xavier Roth am Pult und Jennifer Larmore in der Titelrolle. Außerdem bereitet die Oper die deutsche Erstaufführung des Einakters Barkouf für den Oktober dieses Jahres vor, in dem sich ein Hund inmitten staatsmännischer Nieten als bester Regierungschef empfiehlt. Die erste Aufführung dieser Koproduktion wurde bereits im Dezember vergangenen Jahres in Straßburg gezeigt, ist also praktisch ein alter Hut, wenn sie nach Köln kommt.
Der Westdeutsche Rundfunk gestaltet das Geburtstagskonzert am 20. Juni in seinem Sendesaal als eine Burleske, die der Schauspieler Dominique Horwitz konzipiert hat. Außerdem hat der Sender angekündigt, viele Veranstaltungen live zu übertragen und will zehn Podiumsveranstaltungen zum Thema veranstalten.
Finanziert wird das riesige Spektakel hauptsächlich aus Sponsorengeldern. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer stellte bereits den Schulen des Landes einen „digitalen Offenbach-Koffer“ in Aussicht, mit dem sich Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufen I und II mit Offenbach beschäftigen und an einem Wettbewerb teilnehmen können.
Der wissenschaftliche Berater der Offenbach-Gesellschaft, Ralf-Olivier Schwarz, ist besonders stolz auf einen Abend im Rahmen der Jüdischen Kulturwoche, an dem aus dem lange verschollenen und erst kürzlich in Philadelphia aufgefundenen „Familienalbum“ der Familie Offenbach musiziert wird. Dabei handelt es um ein von Vater Isaac angelegtes Verzeichnis von Musikstücken, die im Familienkreis musiziert wurden und einen Blick in die Wohnzimmer des 19. Jahrhunderts erlauben.
Pedro Obiera