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Wagner light

DAS RHEINGOLD für Kinder
(Richard Wagner)

Besuch am
8. November 2017
(Premiere am 5. November 2017)

 

Oper Köln, Kinderoper

Dass man die Werke Richard Wagners, und zwar allesamt, auch Kindern schmackhaft machen kann, haben die Bayreuther Festspiele in den letzten Jahren mit ihren Kinder­fas­sungen bewiesen, wobei sie freilich ein wenig „kinder­tümlich“ mit den Stoffen umgegangen sind. Die Kölner Oper hat sich zur Aufgabe gemacht, den kompletten Ring des Nibelungen für Kinder verständlich zu machen, ohne den ernst­haften Sinn des Werks durch scheinbar „kindge­rechte“ Gags und Tricks zu verwässern. Die erste Etappe mit dem Vorabend des Rings, dem Rheingold, zeigt, dass Brigitta Gillessen, Regis­seurin und Leiterin der Kölner Kinderoper, zusammen mit Kapell­meister Rainer Mühlbach nicht zu viel versprochen haben.

Natürlich quieken die kleineren Besucher vor Vergnügen, als sich Alberich beim Buhlen um die Rhein­töchter der Länge nach laut spritzend ins Wasser legt. Aber insgesamt geht man das Stück sehr seriös an, wobei gerade dieser Teil des Rings, vor allem in der Rhein­töchter-Szene eine Prise auch defti­geren Humors durchaus vertragen kann. Die Thematik mit der Vision von einer unhei­ligen Allianz aus Lieblo­sigkeit und Machtgier, die zum Untergang führt, können auch Kinder nachvoll­ziehen, wenn man die Geschichte so lebendig präsen­tiert, wie es der Kölner Oper gelingt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Und wie jedes gute Kinder­theater können auch Erwachsene von den Auffüh­rungen profi­tieren. Ob jedem „großen“ Besucher wichtige Feinheiten wie die Bedeutung der „goldenen Äpfel“ oder die komplexen Handlungs­stra­tegien der Riesen präsent sind, darf bezweifelt werden. Ein wenig Aufklärung kann nicht schaden, wie es die Kölner mit ihrer „Wagner-light“-Version tun. Das Libretto wurde so geschickt auf eine gut einstündige Spiel­dauer gekürzt, dass die Handlung glasklar wird. Besonders alter­tüm­liche Redewen­dungen und Satzun­getüme wurden behutsam dem heutigen Sprach­ge­brauch angenähert, einige kurze Passagen werden auch als Dialog gesprochen.

Schmerzhaft bleiben natürlich die unver­meid­lichen musika­li­schen Kürzungen. Aber hier zeigte Rainer Mühlbach ein glück­liches Händchen. Die Höhepunkte sind allesamt vorhanden, die Übergänge werden meist geschickt überbrückt und auch das verklei­nerte Nibelungen-Orchester beein­druckt in der Einrichtung von Stefan Behrisch durch Klang­fülle und Farbreichtum. Selbst auf die Ambosse für die Fahrt nach Nibelheim muss man nicht verzichten. Wenn man das Resultat ohne direkten Vergleich mit dem „Original“, das die Kinder zwangs­läufig nicht kennen, Revue passieren lässt, fehlt eigentlich nichts zum Verständnis und zu einem kurzwei­ligen und spannenden Theater­er­lebnis. Und für manche Kürzung der Wagner­schen „Riesen­schlangen“ dürfte selbst mancher erwachsene Besucher dankbar sein.

Foto © Paul Leclaire

Brigitta Gillessen moder­ni­siert nichts, peppt auch nichts aufdringlich auf, sondern erzählt die turbu­lente Geschichte stringent, aber fanta­sievoll ohne Schnörkel und aufge­setzten Firlefanz. Dazu passt auch die Ausstattung von Christof Cremer, der die Figuren in mytho­lo­gisch, teils fanta­sie­artig gefärbte Kostüme steckt und ein Einheits­büh­nenbild mit einer grünen Wiese errichtet, vor dem ein Wasserlauf den Rhein andeutet, in dem auch tüchtig geplantscht wird. Im Hinter­grund ist die Götterburg Walhall angedeutet und links beherrscht eine mächtige Weltesche die Szenerie. Eine Esche, aus deren Stamm der Speer heraus­ge­schnitten wurde, mit dem Wotan seine Geschäfte besiegelt. Schön, dass der Frevel an der Natur bereits im Bühnenbild angelegt ist. Wenn es nach Nibelheim geht, öffnet sich eine große Falltür mit der Aufschrift „Macht“. Kleine, aber feine Lösungen mit vielen liebe­vollen Details.

Bis auf Donner und Froh tauchen alle Figuren des Stücks auf, Erda bleibt als „Stimme der Natur“ unsichtbar. Das junge, teilweise aus dem Opern­studio stammende Ensemble, spielt seine Rollen mit großem Einsatz. Und dazu gibt das Rheingold, zumal in einer so konzen­trierten Version, reichlich Gelegenheit. Schwie­riger dürfte es mit der handlungs­är­meren Walküre im nächsten Jahr werden. Doch in diesem Jahr darf man an den stimmlich durchweg sehr ordentlich agierenden Solisten wie Insik Choi als Wotan, Hoeup Choi als stimm­mäch­tigen Alberich, Dino Lüthy als schil­lernden, pointiert artiku­lie­renden Loge oder der jugendlich frisch singenden Freia von Maria Isabel Segarra erfreuen. Nicht zu vergessen das Riesenpaar mit Miroslav Stricevic und Lucas Singer, die Fricka von Judith Thielsen und alle anderen.

Die Kinder, zumeist im Klassen­verband, aber auch die Gäste aus dem Projekt „Oper für Jung und Alt – Opern­be­suche für Menschen mit Demenz“ verfolgen gespannt die Vorstellung, werfen ab und zu Kommentare ein, die zeigen, dass sie sich durchaus gepackt fühlen. Entspre­chend langan­haltend fällt der Beifall aus. Man darf gespannt sein, wie sich das Ring-Projekt in der nächsten Spielzeit mit der Walküre weiter­ent­wi­ckeln wird.

Pedro Obiera

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