O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DAS RHEINGOLD für Kinder
(Richard Wagner)
Besuch am
8. November 2017
(Premiere am 5. November 2017)
Dass man die Werke Richard Wagners, und zwar allesamt, auch Kindern schmackhaft machen kann, haben die Bayreuther Festspiele in den letzten Jahren mit ihren Kinderfassungen bewiesen, wobei sie freilich ein wenig „kindertümlich“ mit den Stoffen umgegangen sind. Die Kölner Oper hat sich zur Aufgabe gemacht, den kompletten Ring des Nibelungen für Kinder verständlich zu machen, ohne den ernsthaften Sinn des Werks durch scheinbar „kindgerechte“ Gags und Tricks zu verwässern. Die erste Etappe mit dem Vorabend des Rings, dem Rheingold, zeigt, dass Brigitta Gillessen, Regisseurin und Leiterin der Kölner Kinderoper, zusammen mit Kapellmeister Rainer Mühlbach nicht zu viel versprochen haben.
Natürlich quieken die kleineren Besucher vor Vergnügen, als sich Alberich beim Buhlen um die Rheintöchter der Länge nach laut spritzend ins Wasser legt. Aber insgesamt geht man das Stück sehr seriös an, wobei gerade dieser Teil des Rings, vor allem in der Rheintöchter-Szene eine Prise auch deftigeren Humors durchaus vertragen kann. Die Thematik mit der Vision von einer unheiligen Allianz aus Lieblosigkeit und Machtgier, die zum Untergang führt, können auch Kinder nachvollziehen, wenn man die Geschichte so lebendig präsentiert, wie es der Kölner Oper gelingt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Und wie jedes gute Kindertheater können auch Erwachsene von den Aufführungen profitieren. Ob jedem „großen“ Besucher wichtige Feinheiten wie die Bedeutung der „goldenen Äpfel“ oder die komplexen Handlungsstrategien der Riesen präsent sind, darf bezweifelt werden. Ein wenig Aufklärung kann nicht schaden, wie es die Kölner mit ihrer „Wagner-light“-Version tun. Das Libretto wurde so geschickt auf eine gut einstündige Spieldauer gekürzt, dass die Handlung glasklar wird. Besonders altertümliche Redewendungen und Satzungetüme wurden behutsam dem heutigen Sprachgebrauch angenähert, einige kurze Passagen werden auch als Dialog gesprochen.
Schmerzhaft bleiben natürlich die unvermeidlichen musikalischen Kürzungen. Aber hier zeigte Rainer Mühlbach ein glückliches Händchen. Die Höhepunkte sind allesamt vorhanden, die Übergänge werden meist geschickt überbrückt und auch das verkleinerte Nibelungen-Orchester beeindruckt in der Einrichtung von Stefan Behrisch durch Klangfülle und Farbreichtum. Selbst auf die Ambosse für die Fahrt nach Nibelheim muss man nicht verzichten. Wenn man das Resultat ohne direkten Vergleich mit dem „Original“, das die Kinder zwangsläufig nicht kennen, Revue passieren lässt, fehlt eigentlich nichts zum Verständnis und zu einem kurzweiligen und spannenden Theatererlebnis. Und für manche Kürzung der Wagnerschen „Riesenschlangen“ dürfte selbst mancher erwachsene Besucher dankbar sein.

Brigitta Gillessen modernisiert nichts, peppt auch nichts aufdringlich auf, sondern erzählt die turbulente Geschichte stringent, aber fantasievoll ohne Schnörkel und aufgesetzten Firlefanz. Dazu passt auch die Ausstattung von Christof Cremer, der die Figuren in mythologisch, teils fantasieartig gefärbte Kostüme steckt und ein Einheitsbühnenbild mit einer grünen Wiese errichtet, vor dem ein Wasserlauf den Rhein andeutet, in dem auch tüchtig geplantscht wird. Im Hintergrund ist die Götterburg Walhall angedeutet und links beherrscht eine mächtige Weltesche die Szenerie. Eine Esche, aus deren Stamm der Speer herausgeschnitten wurde, mit dem Wotan seine Geschäfte besiegelt. Schön, dass der Frevel an der Natur bereits im Bühnenbild angelegt ist. Wenn es nach Nibelheim geht, öffnet sich eine große Falltür mit der Aufschrift „Macht“. Kleine, aber feine Lösungen mit vielen liebevollen Details.
Bis auf Donner und Froh tauchen alle Figuren des Stücks auf, Erda bleibt als „Stimme der Natur“ unsichtbar. Das junge, teilweise aus dem Opernstudio stammende Ensemble, spielt seine Rollen mit großem Einsatz. Und dazu gibt das Rheingold, zumal in einer so konzentrierten Version, reichlich Gelegenheit. Schwieriger dürfte es mit der handlungsärmeren Walküre im nächsten Jahr werden. Doch in diesem Jahr darf man an den stimmlich durchweg sehr ordentlich agierenden Solisten wie Insik Choi als Wotan, Hoeup Choi als stimmmächtigen Alberich, Dino Lüthy als schillernden, pointiert artikulierenden Loge oder der jugendlich frisch singenden Freia von Maria Isabel Segarra erfreuen. Nicht zu vergessen das Riesenpaar mit Miroslav Stricevic und Lucas Singer, die Fricka von Judith Thielsen und alle anderen.
Die Kinder, zumeist im Klassenverband, aber auch die Gäste aus dem Projekt „Oper für Jung und Alt – Opernbesuche für Menschen mit Demenz“ verfolgen gespannt die Vorstellung, werfen ab und zu Kommentare ein, die zeigen, dass sie sich durchaus gepackt fühlen. Entsprechend langanhaltend fällt der Beifall aus. Man darf gespannt sein, wie sich das Ring-Projekt in der nächsten Spielzeit mit der Walküre weiterentwickeln wird.
Pedro Obiera