O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Nare Karoyan, Judith Hoffmann, Malin Nagel und Anno Schreier - Foto © O-Ton

Konzert war gestern

SCHUMANN – EINE UNGEWÖHNLICHE FAMILIE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
20. August 2021
(Urauf­führung)

 

Altes Pfandhaus, Köln

Manchmal kocht auch dem inzwi­schen abgehär­teten Kultur­lieb­haber die Galle hoch. Beispiels­weise, wenn man in Nordrhein-Westfalen erlebt, mit welcher Belie­bigkeit die Regierung mit der Kultur umgeht. Erst am vergan­genen Dienstag wurden – endlich – Sitzplatz­be­schrän­kungen aufge­hoben. Zu spät für eine ganz wunderbare Aufführung, die so nicht mehr recht­zeitig beworben werden konnte. So haben keine 20 Zuschauer in das Alte Pfandhaus in Köln gefunden. Es geht ja nicht einmal um die Einnah­men­aus­fälle, die sind schon ärgerlich genug. Da haben, wie gleich zu zeigen sein wird, Künstler richtig, richtig viel Arbeit inves­tiert. Um das Ergebnis dann im „Famili­en­kreis“ zu präsen­tieren. Das hält auf Dauer niemand durch.

Vor mehr als 200 Jahren entstand in der Kölner Südstadt das städtische Kölner Leihhaus. 2006 wurde das Alte Pfandhaus zu einem Kultur­zentrum mit Schwer­punkt Jazz und Kunst umgebaut. Das Herz des Hauses ist der Konzertsaal mit bis zu 300 Plätzen, der sich in seiner „demokra­ti­schen“ Anordnung und Akustik ideal für Jazz und Kammer­musik eignet. Aus den ehema­ligen Pfand­lagern wurden Ausstel­lungs­flächen. Von der Anreise mit dem Auto ist aller­dings abzuraten. Die Parkplätze im Innenhof sind samt und sonders an privat vermietet, in den umlie­genden schmalen Seiten­straßen findet man nur mit viel Glück und Gottes­gnade einen Parkplatz und ein Parkhaus sucht man im näheren Umfeld vergebens. Aber da Köln sich mit seinen Tempo-30-Zonen, zahlreichen Radar­fallen, einer unglaub­lichen Anzahl von Straßen­bau­stellen, die jede Verkehrs­si­cherheit vermissen lassen, und der ständigen Verengung des Straßen­raums – übrigens ohne auch nur ein Quäntchen Lebens­qua­lität hinzu­ge­wonnen zu haben – ohnehin inzwi­schen zu einer der autof­eind­lichsten Städte mindestens Nordrhein-Westfalens entwi­ckelt hat, spielt das dann auch keine Rolle mehr.

Judith Hoffmann – Foto © O‑Ton

Wer es also trotzdem an diesem Abend zum Alten Pfandhaus schafft, darf sich auf eine ganz außer­or­dentlich inter­es­sante Aufführung freuen. Schumann – eine ungewöhn­liche Familie haben Pianistin Nare Karoyan und Sopra­nistin Judith Hoffmann ihr neuestes Programm genannt. Und mit einem Konzert hat es nur noch bedingt etwas gemein. Viele Künstler träumen ja davon, gewöhn­liche Konzert­formate aufzu­brechen und ihrem Publikum etwas ganz Neues zu präsen­tieren. Auf diesem Weg sind moderierte Konzerte, Gesprächs­kon­zerte und andere Ideen entstanden. Was sich abzeichnet, ist, dass es nicht so sehr um die Form geht, sondern darum, dass die Musiker eine für sie maßge­schnei­derte Folie finden. Karoyan und Hoffmann wollen hier auf Nummer sicher gehen und haben mit Malin Nagel eine Drama­turgin und Regis­seurin in die Planung einbe­zogen, die aus ihrer ungewöhn­lichen Idee den perfekten Abend zaubern soll. Und das gelingt.

Der Raum liegt im Halbdunkel. Ein Flügel ist aufgebaut, die Schutz­hülle verdeckt ihn noch. Im Hinter­grund steht der dazu passende Hocker. Sonst ist nicht viel zu sehen. Mit zehnmi­nü­tiger Verspätung betritt Karoyan den Raum, rückt den Hocker zurecht, entblättert die Klaviatur und beginnt zu spielen, während aus dem Treppenhaus die Stimme Hoffmanns erklingt. Er ist gekommen in Sturm und Regen hat Friedrich Rückert geschrieben, und Clara Schumann hat es vertont. Damit betritt Hoffmann die Szene. Was sich jetzt entspinnt, ist so etwas Verrücktes wie ein Stummfilm mit Liedern und Texten. Die Künst­le­rinnen beäugen neugierig, was die jeweils andere macht, ohne mitein­ander zu sprechen. Hoffmann deckt den Flügel ab, faltet die Hülle sorgsam und legt sie beiseite. Aus einer Ecke holt sie einen Holzkasten mit Schie­be­deckel, von weiter hinten einen Tisch und zwei Stühle. Während­dessen ziehen zwei Lieder von Robert Schumann am Publikum vorbei. Im Kasten finden sich die Text-Pretiosen, die nun vorwiegend von Hoffmann vorge­tragen werden. Nur hin und wieder darf auch Karoyan das Wort ergreifen. Als aller­dings die Sängerin in die Tasten greift, weist die Pianistin sie rasch in die Schranken. Und schon werden Lieder von Felix Schumann und Johannes Brahms darge­boten. Nach einem weiteren Ausflug in die Romantik mit jeweils einem Lied von Robert und Clara Schumann geht es ins Hier und Heute.

Was hat die Gegenwart mit der Familie Schumann zu tun? Karoyan und Hoffmann haben bei Anno Schreier drei Lieder nach Texten von Robert Schumann in Auftrag gegeben. Es ist nicht die erste Arbeit, früher schon hat Karoyan den Kompo­nisten, der bislang vorwiegend mit Opern aufge­fallen ist, mit Liedern nach Christian Morgen­stern beauf­tragt, jetzt also geht es um Schumann. Und Schreier fügt sich nahtlos in die Familie ein. Zumindest sorgt Hoffmann dafür.

Mit Mein Stern von Clara Schumann geht der Abend zu Ende, der wunderbare Texte aus dem Buch Claras Kinder von Eugenie Schumann beinhaltet. Ein großar­tiger Einblick in die Welt der Familie Schumann, virtuos begleitet von Nare Karoyan, hervor­ragend gesungen von Judith Hoffmann und ganz nebenbei gibt es drei Urauf­füh­rungen von Anno Schreier, der selbst­ver­ständlich aus diesem Anlass angereist ist. Viel mehr geht wohl nicht. Findet auch das Publikum, dass alle Künstler ausführlich feiert und anschließend noch lange bleibt, um sich persönlich zu bedanken. Und wer jetzt ganz schnell ist, kann sich noch eine Karte für die Aufführung am kommenden Sonntag in Berlin-Schlach­tensee sichern. Denn weitere Auffüh­rungen sind erst mal nicht vorgesehen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: