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LA SCUOLA DE‘ GELOSI
(Antonio Salieri)
Besuch am
6. April 2019
(Premiere am 31. März 2019)
Antonio Salieri, Konkurrent, aber alles andere als arglistiger Feind oder gar Mörder Mozarts, gehört zu den bedeutenden Komponisten des späten 18. Jahrhunderts. Dass seine Musik zu Unrecht oft als mittelmäßig abgetan wird, wenn man sie überhaupt noch zu hören bekommt, ist allerdings der direkten Konfrontation mit Mozarts Auftreten in Wien zu verdanken. Denn im distanzlosen Vergleich mit Mozart rutscht auch Erstklassiges in die zweite Liga.
Umso erfreulicher, dass sich die Kölner Oper eines der seinerzeit erfolgreichsten Werke Salieris annimmt, La Scuola de‘ Gelosi – Die Schule der Eifersucht – 1787 in Venedig uraufgeführt und sechs Jahre später in Wien mit zusätzlichen Arientexten von Lorenzo da Ponte auf die Bühne gebracht. Ein Stück, von dem formal und thematisch eine Menge in die kurze Zeit später entstandenen großen Da-Ponte-Opern Mozarts eingeflossen ist: dem Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte. Wir haben es mit einem Grafen zu tun, der wie Don Giovanni alle Frauen glücklich machen will, mit einer Treue-Wette wie in Così fan tutte, mit einem auseinandergelebten Ehepaar und Dienern, die ihren Herren geistig überlegen sind wie im Figaro.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Alles freilich weniger tiefenpsychologisch ausgerichtet und natürlich auch musikalisch bei weitem nicht so originell, in seiner Art aber überaus geistreich, vital und kurzweilig. Auch wenn es in Sachen Eifersucht nicht zimperlich zugeht, versperrten sich sowohl Salieri als auch das szenische Team des Theaters an der Wien, das seine Produktion kurzerhand ins Deutzer Staatenhaus übertrug, jeder klamottenhaften Vergröberung. Geboten wird amüsante Unterhaltung auf bestem musikalischem Niveau. Und der Zuschauerzuspruch veranlasste die Kölner Intendanz bereits zu zusätzlichen Vorstellungen. Ein wesentlich stärkeres Stück als Gli Uccellatori von Florian Leopold Gassmann, das das Wiener Team im letzten Jahr ausgegraben und in Köln gezeigt hat. Wobei nicht vergessen werden darf, dass Gassmann den 16-jährigen Vollwaisen Salieri aus Italien nach Wien gebracht und erheblich gefördert hat.
Drei Paare aus drei sozialen Schichten – dem Adel, dem Bürgertum und der Dienerschaft – kämpfen mehr oder weniger verbissen mit der Eifersucht und greifen zu unterschiedlichen, bisweilen bizarren Mitteln, um die Treue ihrer Partner zu beweisen oder zu sichern. Der Kornhändler Blasio möchte seine Frau am Liebsten einmauern, der freisinnige Graf sucht sein Heil in Liebesabenteuern aller Art und deren Gattinnen rächen sich auf ihre Weise. Mit dem Ergebnis zunehmenden Misstrauens, das durch die Intrigen eines über der Handlung stehenden Leutnants noch geschürt wird. Ausgerechnet das Dienerpaar verhält sich am Gelassensten und Klügsten und führt, dem anderen vertrauend, die glücklichste Beziehung von allen.

Das alles kleidet Salieri in ein abwechslungsreiches musikalisches Format mit pointiert charakterisierenden Arien und Arietten, basierend auf einem guten, bühnenwirksamen Libretto.
Regisseur Jean Renshaw hält die Aufführung über zweieinhalb Stunden in Trab, wobei ihm ein raffinierter Drehtür-Mechanismus von Ausstatter Christof Cremer entgegenkommt. Mit erotischen Bildern behängt, werden die Türen geschickt in die Handlung eingebunden. Entweder dienen sie als scheinbar felsenfeste Mauern, führen mit ihren Rotationen zu zusätzlicher Verwirrung oder eignen sich vortrefflich als Versteck, um den Partner zu belauern. Die bunten Kostüme Cremers wie auch die bisweilen slapstickartige Personenführung Renshaws sind entfernt an die Commedia dell’Arte angelehnt, letztlich spielen sich auf der Bühne jedoch blutvolle, menschliche Tragikomödien ab.
Musikalisch motiviert Arnaud Arbet das Gürzenich-Orchester zu einem feinsinnigen und präzisen Spiel, wobei das Ensemble allerdings die größte Aufmerksamkeit verdient, das, bis auf zwei Rollen, ausschließlich aus Mitgliedern des Opernstudios der Kölner Oper besteht. Dass als Ausnahmen der stimmgewaltige Matthias Hoffmann als Diener Lumaca und Matteo Loi als Blasio rundum überzeugen können, schmälert nicht die Leistungen der Nachwuchskünstler. Im Gegenteil: Kathrin Zukowski als Gräfin, Alina Wunderlin als Blasios Gattin Ernestina und Arnheiður Eriksdóttir als Kammerzofe Carlotta, die von da Ponte hinzugefügte Bravour-Arien stemmen müssen, bewältigen ihre anspruchsvollen Aufgaben stimmlich und gestalterisch vorbildlich. Anton Kuzenok als intriganter Leutnant verfügt über einen kultivierten Tenor, könnte darstellerisch aber noch einen Gang zulegen und William Goforth hält sich als Graf Bandiera umgekehrt vokal unnötig zurück.
Das Publikum zeigt sich von dem amüsanten Abend äußerst angetan und reagiert entsprechend begeistert.
Pedro Obiera