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Eigentlich war es eine gute Idee, die das Theaterkollektiv Futur3 aus Köln da hatte. Weder Flüchtlinge noch Geld noch sozial zunehmende Not in Deutschland wollten die Kreativen zum Thema ihres neuen Stücks machen, sondern um ein Ewigkeitsthema sollte es gehen. Und das mit erfrischend neuen Ansätzen. Das Träumen wollten die Theatermacher unter völlig neuen Aspekten betrachten. Da sollte ihnen niemand vorwerfen, sie seien leichtfertig mit der Materie umgegangen. Mit nahezu wissenschaftlicher Akribie schrieben sie nach eigenen Angaben über 200 Träume aus eigenen Reihen auf und werteten sie aus. Und wenn dieses Kollektiv so etwas unternimmt, so zeigt die Vergangenheit, sollte da etwas Spannendes herauskommen. Schon der Titel des Stücks ist vielversprechend: We have a dream – Ein theatrales Traumprotokoll von Futur3. Warum es ein englischer Titel sein muss? Keine Ahnung. Es ist davon auszugehen, dass das Kollektiv auf Deutsch träumt. Und die Anlehnung an Martin Luther King ist so abwegig wie die Vorstellung, einen Gottesdienst ohne Kollekte durchzuführen, wie sich zeigen wird.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Schauspiel | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Auf die konkrete Umsetzung allerdings muss man warten. Denn statt wie angekündigt um 20 Uhr zu beginnen, lässt man die Zuschauer lieber eine Viertelstunde warten. Eine Unhöflichkeit. Wäre bei dem Stück auch egal, wenn es nicht bedeutete, dass man verspätet nach Hause kommt. Und das ist nach dieser verschwendeten Lebenszeit mehr als ärgerlich. Zur Begrüßung bekommen die Besucher Kopfhörer verpasst, ehe sie auf der Tribüne platziert werden, die von der Bühne auf engstem Raum durch ein Tuch verdeckt ist. Vor diesem Tuch platzieren sich die Schauspieler in entsetzlich altbackenen Kostümen von Petra M. Wirth. Dass man Traumtänzer in Schlafanzug und Nachthemd darstellt, mag ja angehen, aber was einem hier angeboten wird, ist eine Beleidigung für das Auge. Eine Viertelstunde lang ergehen sich die drei Hauptdarsteller über Fakten, Aberglauben und Traumlosigkeit. Dann wird das Tuch vor der Tribüne entfernt und das Bühnenbild von Eva Sauermann freigegeben.

Da darf man für einen Moment staunen. Eine solch aufwändig gebaute Bühne findet man in der so genannten Freien Szene selten. Da gibt es einen Garten mit Kiesweg, Laube, Hollywoodschaukel, Jägerzaun und Teich. Vorne links ist mit einem Sofa noch ein Wohnzimmer angedeutet. Hinten schließt die Bühne scheinbar mit einem Gaze-Vorhang ab. Ein wahrhafter Traumort, der von Boris Kahnert und Jan Wiesbrock angemessen ausgeleuchtet wird. Da kann man sich so richtig austoben. Das allerdings hat Regisseur André Erlen nicht vorgesehen. Statik und Gerede beherrscht die Szene. Wer sich vor ein Bild setzt und dabei ein Hörspiel über den Kopfhörer mitverfolgt, erlebt nicht weniger. Nach einer Stunde beginnt der Kopf zu schmerzen, weil der Bügel des Kopfhörers drückt. Da hilft auch die Musik nicht, die Jörg Ritzenhoff komponiert hat und selbst aufführt.
„Träume sind ungehobene Schätze“, heißt es im Abendzettel. An diesem Abend wird es auch dabei bleiben. Irene Eichenberger, Stefan H. Kraft und Regina Weiz sind dermaßen mit ihren Vorträgen beschäftigt, dass für Bewegung, die notwendig wäre, um nach diesen Schätzen zu suchen, kaum Zeit bleibt.
Das Publikum feiert den Wortvortrag der Darsteller, der mit wenigen Hängern auskommt, gebührend. Wer bei diesem Abend nach Neuem sucht, wird im Abendzettel fündig. Da ist von einem Chatbot die Rede. Es wird zwar nicht erklärt, was das ist, aber Wikipedia weiß, dass es sich dabei um ein „textbasiertes Dialogsystem, welches das Chatten mit einem technischen System erlaubt“ handelt. Damit will Futur3 das „Thema Traum auch von der Theaterbühne lösen“. Ist nach diesem Abend nicht so absurd, wie man denken mag. Den Blick auf die Website des Kollektivs kann man sich sparen, denn da ist entgegen anderslautender Ankündigung nichts davon zu finden. Träume sind eben doch nur Schäume.
Michael S. Zerban