O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Elektronische Antworten

WECHSELWINKEL
(Diverse Komponisten)

Besuch am
5. Mai 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Chamber Remix Cologne im Kunst­hafen, Köln

Von Hause aus ist Albrecht Maurer Geiger. Das Instrument studierte er an der Musik­hoch­schule Köln, aber für ein ganzes Leben reichte ihm das Spielen eines Instru­mentes nicht. So beschäf­tigte er sich mit dem Synthe­sizer, dem Klavier, der Viola, um sich schließlich auch als Komponist zu verwirk­lichen. Stücke schreibt er gern, noch mehr Spaß hat er an der – gekonnten – Impro­vi­sation. Genres oder die Festlegung der Musik auf bestimmte Zeiten langweilen ihn. Seit sechs Jahren geht er zudem seiner Lieblings­be­schäf­tigung als Veran­stalter nach. Damals rief er Chamber Remix Cologne ins Leben. Musik für die Kammer, egal, aus welcher Zeit, mischt sich mit elektro­ni­scher Musik. Damit, erzählt Maurer, hole er die elektro­nische Musik aus ihrem luftleeren Raum, wenn sie konkrete Antworten auf die Kammer­musik geben müsse. Selbst­ver­ständlich darf die Kammer­musik aber auch auf die elektro­nische Musik erwidern. Für dieses Format hat er den Kunst­hafen am Rheinufer in Köln gefunden. Der ist eine Halle, die zum Kunsthaus Rhenania gehört. Das gibt es seit 1987 als Hort der bildenden Kunst. Über 50 Künstler verschie­dener Gattungen haben dort ihre Heimat gefunden. Und in der Halle des einstigen Getrei­de­spei­chers war eigentlich Platz für Ausstel­lungen vorge­sehen. Längst schon müssen sich die bildenden Künstler aber diesen Ort auch mit den darstel­lenden Künsten teilen. Alle zwei Monate gibt es so ein Musik-Wochenende. Der Sonntag gehört Maurer mit seinem Chamber Remix Cologne. Dabei ist das Salz in der Suppe für ihn gar nicht die Veran­staltung selbst. Schon gar nicht, wenn wie heute parallel ein Neue-Musik-Festival in Köln statt­findet, bei dem sich die Anhänger von Gegen­warts­musik zusam­men­rotten, anstatt gemeinsam den Kunst­hafen zu stürmen. Statt­dessen tröpfeln ein paar Unent­wegte in den Saal, immerhin 20 werden es an der Zahl. Nein, was Maurer bei seiner Unter­nehmung beflügelt, ist, immer wieder heraus­ra­gende Künstler zu finden, die sich der Konstel­lation von Kammer- und elektro­ni­scher Musik stellen.

Foto © O‑Ton

Vor zwei Jahren machte ein Trio von sich reden, das Musik­theater neu erfinden wollte. Die vier Urauf­füh­rungen von I Transiti waren mehr als vielver­spre­chend. Klari­nettist Blake Weston, Posaunist Yoshiki Matsuura und Pianistin Vittoria Quartararo sprühten nur so vor Fantasie. Dann fehlte die Anschluss­fi­nan­zierung, wie so oft im deutschen Förder­system, und es wurde ruhig um das Ensemble. Jetzt steht es wieder, endlich wieder, möchte man sagen, auf dem Plakat. Auch das gehört zur Wahrheit: Jeder Musiker muss sehen, wo er bleibt, und wenn die Finan­zierung abreißt, muss man ganz schnell schauen, wo man sein Geld verdient. Und so ist es Weston nicht zu verübeln, dass er nicht mehr dabei ist. Glück­li­cher­weise ist es Quartararo und Matsuura gelungen, mit Ségolène de Beaufond als Geigerin einen adäquaten Ersatz zu finden, als Maurer ihnen vorschlug, sich mit der elektro­ni­schen Musik von Kai Niggemann auseinanderzusetzen.

In einem bleibt I Transiti sich treu: Ein einfaches Konzert, in dem alle Musiker still­sitzen und ihr Instrument bedienen, ist mit den dreien nicht zu machen. Theater muss sein. Geradezu enttäu­schend wirken da die „Kostüme“ der Künstler. Beige­farbene Oberteile zu schwarzen Hosen. Beige ist das Pink des Alters – und davon sind die drei nun wirklich noch weit entfernt. Dass sie mit ihrer Wahl Recht behalten, wird sich in den kommenden, leicht surreal und großartig wirkenden Bildern zeigen, die sie in der kommenden Stunde produzieren.

Foto © O‑Ton

Da wird der Titel des Nachmittags – Wechsel­winkel – schnell deutlich, wenn die Musiker permanent ihre Positionen und Aufgaben wechseln, um sich in immer neue Bezie­hungs­ge­flechte zu setzen. Wechsel­winkel stehe für die zugrun­de­lie­gende Überschneidung von Linien, die neue Räume schafft, erzählen I Transiti. Damit könne auf der Bühne eine imaginäre Geometrie wachsen – Planeten, Achsen oder Galaxie-Bahnen. Eine Geometrie, die in der Musik zu einem Großen und Ganzen zusam­men­wächst. Fünf Stücke haben die drei für den musika­li­schen Auftritt ausge­wählt. Beginnend mit Inner Cities – Three for Piano von Alvin Curran, gibt es zwei sehr kurze Stücke von Dieter Schnebel, die er für drei Musiker schrieb. Mit Letter Piece 8 – Sit up and stand down schließt sich Matthew Schlo­mowitz an. Von Heinz Holliger aus den fünf Mileva-Liedern haben I Transiti Königsblau ist der Himmel ausge­wählt. Die Brücke zwischen den Stücken schaffen Impro­vi­sa­tionen, die immerhin 20 Minuten ausmachen. Während üblicher­weise Kammer­musik und die elektro­nische Antwort in zwei Blöcke aufge­teilt werden, bekommt Niggemann heute immer wieder Gelegenheit zur Inter­vention. Dabei faszi­niert die Arbeits­weise, wenn er die kammer­mu­si­ka­li­schen Einlagen aufzeichnet und daraus unmit­telbar Erwide­rungen kompo­niert. Ist das mit dem Computer mögli­cher­weise für einen Könner noch leicht zu verwirk­lichen, perfek­tio­niert Niggemann den Klang mit analogen Geräten, bei denen er in Sekun­den­schnelle Stecker wechselt und neu verbindet. Dazu muss man schon eine ganz besondere Liebe entwi­ckeln. Für das Publikum ist die Arbeits­weise allemal faszinierend.

Nach einer großzü­gigen Stunde, die Niggemann mit einem sehr ausführ­lichen Finale ausklingen lässt, haben die Musiker das Publikum überzeugt. Das „schlanke Musik­theater“ hat funktio­niert. Begeis­terter Applaus leitet über zu zahlreichen Gesprächen mit den Künstlern.

Der nächste Termin des Chamber Remix Cologne im Kunst­hafen ist der 7. Juli. Und wer Albrecht Maurer selbst mal als Komponist erleben will, kann das am 24. Mai in der Alten Feuer­wache Köln. Dann wird sein Werk House of Syntopia/​Mathilde für 14 Spieler vom Beyond the Roots Large Ensemble uraufgeführt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: