O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Willkommen in Wien

WIENER MELANGE
(Karin Punitzer, Andreas Orwat)

Gesehen am
12. Juni 2020
(Video on demand)

 

Hinter­hofsalon, Köln

Inzwi­schen hat sich der Kölner Kultur­kanal 20–20.live im Internet zu einer festen Größe entwi­ckelt. Wenn Christina und Gerhard von Richt­hofen allwö­chentlich zum Konzert im Kölner Hinter­hofsalon von Anja Reuther einladen, weiß man, es muss einem nicht immer gefallen, aber es gibt eigentlich jeden Donnerstag eine neue Überra­schung. Und da schaut man eigentlich immer gern mal vorbei.

In dieser Woche sind es Karin Punitzer und Andreas Orwat, die im Hinter­hofsalon seit sieben Jahren Stamm­gäste sind. Anja Reuther hat die beiden mitein­ander bekannt gemacht, sie tauschten sich aus, fanden, dass sie zuein­ander passen und treten seitdem gemeinsam auf. Jetzt also auch bei 20–20.live. Ehren­sache, dass Reuther die beiden anmode­riert, anstatt, wie gewohnt, Christina von Richt­hofen, die in der kommenden Woche diese Rolle wieder übernehmen wird. Punitzer ist Schau­spie­lerin, kommt gebürtig aus Wien, lebt seit 20 Jahren in Köln und kann – und will – ihre Herkunft nicht verleugnen. Auf einer Reise hat sie die Stadt am Rhein kennen- und lieben gelernt. Zum Bleiben bewogen hat sie schließlich, na, die Liebe. Orwat hat in Köln, Salzburg und Freiburg Musik studiert und bewegt sich seitdem als Tasten­künstler in den unter­schied­lichen Welten wie Jazz und Klassik. Auch vor dem Volks­tüm­lichen hat er keine Angst. Und das ist gut so, wenn man eine Reise nach Wien wagen will.

Karin Punitzer – Bildschirmfoto

Wien, das ist europäische Geschichte, das ist Weltan­schauung, eine ganz eigene Bevöl­kerung, nirgendwo siehst du mehr Menschen mit einem Musik­in­strument an einem ganz gewöhn­lichen Arbeitstag durch die Fußgän­gerzone laufen. Wien ist Schmäh. Wien ist auch eine ganz gewöhn­liche Großstadt mit all ihren Problemen und Vorteilen in kultu­reller Hinsicht. Wie willst du diesen Kosmos in einem Abend erfassen? Es ist schwierig, aber Punitzer und Orwat versuchen es. Wenn du hörst, dass die Welt untergeht, dann gehst du nach Wien, weil dort alles erst 50 Jahre später statt­findet. Sinngemäß wird dieses Zitat Gustav Mahler zugeschrieben. Aber arg falsch ist es nicht. Und: Man könnte auch sagen, es gebe keine Vorur­teile über Wien. Es ist alles wahr. Das versucht Orwat mit seinen Piano-Stücken zu unter­mauern, und Punitzer unter­streicht es mit Zitaten.

Ein Schlager jagt den nächsten. Wiener Blut, Jetzt trink ma noch a Flascherl Wein – unver­gessen der Auftritt von Hans Moser – Tritsch Tratsch Polka, Fiakerlied, Dein ist mein ganzes Herz und An der schönen, blauen Donau werden von Orwat in inter­es­santen Intona­tionen präsen­tiert. Da schlägt bis heute das Herz eines jeden Wien-Fans höher. Unter­brochen wird diese Besten­liste von einer Menge litera­ri­scher Zitate, die Punitzer vorträgt. Nicht immer ganz glücklich, aber es reicht, um den Charakter Wiener Persön­lichkeit zu erfassen. Im Mittel­punkt steht das Kaffeehaus mit all seinen Eigen­heiten und Gemüt­lich­keiten. Wer wird zum Stammgast erhoben, wie wirken sich die Krisen der Jahrhun­derte aus, wie viel Höflichkeit ist erbeten und wie viel Verbind­lichkeit? Punitzer gibt Antworten in litera­ri­schen Zitaten. Da bleibt die Gegenwart ausge­spart, aber das will man ja eigentlich auch als Wien-Nostalgiker.

Es ist das erste Mal, dass einem die gleich­blei­bende Ausleuchtung ein bisschen auf den Nerv geht, vielleicht, weil’s das Sentiment berührt. Nach gut einer Stunde ist Schluss mit Wien-Feeling. Das wunderbare Programm ist zu Ende, kurzer Applaus ertönt aus der Regie. Aber die ausge­fal­lenen Konzerte gehen weiter. In der kommenden Woche gibt es Classical Delights – endlich mal ein engli­scher Titel – von der Violi­nistin Hayley Bullock und dem Cellisten Dmitrij Gornowskij. Bis Ende Juli ist das Programm festgelegt, im August pausiert der Kultur­kanal, und was danach passiert, wenn wir wieder halbwegs im „normalen Leben“ angekommen sind, wird man sehen. Schließlich ist der Kultur­kanal immer für eine Überra­schung gut.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: