O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Hampes Kapitulation vor der Pandemie

DIE ZAUBERFLÖTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
7. Oktober 2020
(Premiere am 3. Oktober 2020)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Dass man Mozarts Zauber­flöte auch in Corona-Zeiten ohne nennens­werte Kürzungen hinter­gründig und spannend aufführen kann, zeigt zurzeit die Wupper­taler Oper. Dass sich ausge­rechnet ein so erfah­rener Theatermann wie Michael Hampe von den Einschrän­kungen so stark beein­drucken lässt, dass die Saison­er­öffnung der Kölner Oper halbherzig als „Szenische Einrichtung nach einer Konzeption von Michael Hampe“ angekündigt wird, ist völlig unver­ständlich und wirkt sich sogar auf die ohnehin nur mäßige musika­lische Qualität der Produktion aus.

Hampe führt einen überflüs­sigen Sprecher ein, der keine Gelegenheit auslässt, Szenen zu erklären, die sich aufgrund der Abstands­re­ge­lungen angeblich unmöglich reali­sieren ließen und dann doch gezeigt werden. Das hemmt den ohnehin recht zähen Ablauf des dreistün­digen Abends zusätzlich. Angesichts der Masken­pflicht während der ganzen Aufführung dürfte wohl jedem Besucher bewusst sein, dass wir in keinen normalen Zeiten leben.

Offen­sichtlich hat sich Hampe, der immerhin bis 1995 20 Jahre lang als erfolg­reicher Intendant der Kölner Oper für unver­gessene Mozart-Produk­tionen gesorgt hat, so verun­si­chern lassen, dass sogar seine klugen Worte aus dem Programmheft vergessen schienen. Etwa, dass er die Zauber­flöte nicht nur als schönes Märchen verstanden wissen will, sondern als hochpo­li­ti­schen Appell des aufge­klärten Freimaurer-Duos Mozart und Schika­neder, Macht und Gerech­tigkeit zu vereinen.

Foto © Paul Leclaire

Davon ist aller­dings nichts in Köln zu sehen. Mögli­cher­weise aus Pietät gegenüber dem Bühnen- und Kostüm­bildner Germán Droghetti, der erst im Juni an den Folgen des Corona-Virus gestorben ist. Der zaubert eine kunter­bunte Märchen­land­schaft wie aus dem Bilderbuch, schafft mit aufwän­digen Projek­tionen blitz­schnelle Szenen­wechsel vom funkelnden Sternen­himmel in blühende Blumen­wiesen, entzückt mit putzigen Tierkos­tümen und einem gefie­derten Papageno wie aus Zeiten der Urauf­führung. Nicht immer weit vom Kitsch entfernt.

Das alles ist nett anzusehen, doch Hampe, der vor nicht langer Zeit in Düsseldorf mit dem Figaro Maßstäbe in Sachen ausge­feilter Perso­nen­führung gesetzt hat, überlässt die Figuren weitgehend sich selbst und gibt ihnen wenig Raum, um ein leben­diges, mensch­liches Profil zu entwi­ckeln. Nicht nur die Königin der Nacht und Sarastro dürfen sich kaum bewegen, auch das Prinzenpaar ergeht sich in Passivität.

Dabei bietet die junge, aus dem Opern­studio hervor­ge­gangene Sopra­nistin Kathrin Zukowski als Pamina die beste musika­lische Leistung des Abends. Sie füllt ihre Partie mit den lyrischen Quali­täten und dem stimm­lichen Glanz aus, den man bei dem recht rau timbrierten Tamino von Julien Behr vermisst. Große Abstim­mungs­pro­bleme mit dem Orchester bringen Antonina Vesenina als Königin der Nacht vor allem in der ersten Arie erheblich ins Strau­cheln. Ante Jerkunica als Sarastro fehlt es vor allem in der Tiefe an der nötigen Fülle und Matthias Hoffmann als Papageno bietet, wie der Rest des Ensembles, eine gediegene Leistung.

Die Chorpartien werden vom Band einge­spielt, wobei es noch an der präzisen Koordi­nation mit dem Orchester fehlt. Umstände, die Christoph Gedschold am Pult des auch nicht immer sattelfest aufspie­lenden Gürzenich-Orchesters so sehr beschäf­tigen, dass für einen ausge­feilten, sorgfältig phrasierten Ablauf des Abends keine Zeit bleibt.

Ein von der Pandemie ungewöhnlich stark belas­teter Saison­ein­stieg mit Problemen, die nahezu alle anderen Opern­häuser der Region erheblich geschickter bewältigen.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: