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Foto © Tomasz Hakuba

Jazz im Tal

DIXIELAND
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. August 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Kultur­brauerei Paulin­zella, Königsee

Das Dorf Paulin­zella, das formal ein Ortsteil der Stadt Königsee in Thüringen ist, muss man nicht unbedingt kennen, auch wenn einem der Name irgendwie bekannt vorkommt. Friedrich Schiller war bereits 1788 vor Ort. Schon Johann Wolfgang von Goethe fremdelte lange mit dem Ort in der Nähe von Ilmenau, wo er sich häufig aufhielt, ehe er ihm 1817 einen Besuch abstattete. „Seit vierzig Jahren zu Wagen, Pferd und Fuß Thüringen kreuz und quer durch­wandert, war ich niemals nach Paulin­zella gekommen“, notiert er in seinem Tagebuch. Dabei erfreute sich das Dorf schon damals einer Berühmtheit, schließlich findet sich hier bis heute die Ruine eines Benedik­ti­ne­rinnen-Klosters aus dem elften Jahrhundert.

Zwischen Ilmenau und Rudol­stadt gelegen, ist das Dorf von weitläu­figen Waldge­bieten umgeben und findet im Tal des Rotten­bachs eine idyllische Umgebung. Hier steht an der Dorfstraße das ehemalige Brauhaus, das zum ersten Mal 1800 urkundlich erwähnt wurde und dessen Keller aus den Steinen der Kloster­ruine erbaut wurde. Vor zwei Jahren entdeckte Sängerin Julia Coulmas, Gründerin der Düsseldorf Lyric Opera, mit ihrer kleinen Familie das sanie­rungs­be­dürftige Gebäude. Also ging es im vergan­genen Jahr von Düsseldorf nach Paulin­zella, um dort nicht nur ein neues Zuhause zu finden, sondern auch eine Kultur­spiel­stätte einzu­richten, in der zukünftig Konzerte, Kinoabende, Lesungen, Ausstel­lungen und Auffüh­rungen statt­finden sollen. Ein erstes „Baustel­len­konzert“ fand Ende Juli vergan­genen Jahres statt und stieß auf erstaun­liche Resonanz. Passend dazu wurde letztes Jahr der gemein­nützige Verein Kultur­brauerei Paulin­zella gegründet. Der lädt jetzt als Saison-Höhepunkt zu einer Motto-Party Dixieland ein.

Wenn der Klassiker von Louis Armstrong When The Saints Go Marching In gespielt wird, dann darf man einfach nicht im Gebäude bleiben. Man muss raus auf die Straße gehen und hoffen, dass das Wetter mitfeiert. Als die Kultur­brauerei Paulin­zella jetzt ihr Konzert veran­staltet, spielt der Wettergott mit, also findet die Motto-Party auf der Straße vorm Haus statt.

Foto © Tomasz Hakuba

An einem warmen Sommer­nach­mittag, der Duft von frisch gemähtem Gras liegt in der Luft und über den Mauern der romani­schen Kloster­ruine Paulin­zella schwebt der warme Klang einer Posaune. An dem Sonntag verwandelt sich das histo­rische Gemäuer in eine stimmungs­volle Bühne für ein beson­deres musika­li­sches Erlebnis: ein Dixieland-Konzert, das nicht nur Liebhaber des Jazz begeistert.

Bereits beim Einlass herrscht heitere Erwartung. Viele Zuschauer tragen Kleider aus den 1920-er Jahren. Unter ihnen soll sogar Jay Gatsby zu sehen sein. Bänke, Stühle und Tische sind auf der Veranda und dem Parkplatz aufge­stellt, und im Hinter­grund strahlt die Sonne, während das ehemalige Brauhaus den nötigen Schatten spendet.

Pünktlich um 16 Uhr erklingen die ersten Takte – schwungvoll, lebendig und mit diesem unver­wech­sel­baren Groove, der den Dixieland ausmacht. Die Band, bestehend aus Reinhard „Stocki“ Stockmann an Klari­nette und Saxofon, Roland Goller an der Posaune, Udo Decker am Klavier, Thomas Frischmuth an der Western­gi­tarre, Johannes Hein am Kontrabass und Adrian Schröter am Schlagzeug, eröffnet mit Standards wie Puttin‘ On The Ritz und Down By The Riverside.

Coulmas, stilge­recht verkleidet als Daisy Buchanan, setzte ihr Vibrato so gefühlvoll ein, dass jeder Ton wie eine sanfte Welle durch das Tal strömt. Der Klang hallt in den Mauern wider, fast so, als sänge die Kloster­ruine selbst mit. Spätestens beim letzten Set, als einige Zuhörer sich spontan zum Tanzen erheben, ist klar: Diese Musik lässt niemanden unberührt.

Nach fast drei Stunden endete der Auftritt unter tosendem Applaus und man hört überall begeis­terte Stimmen: „Das war wie eine kleine Reise nach New Orleans – nur mitten in Thüringen.“

So bleibt das Dixieland-Konzert in Paulin­zella nicht nur als musika­li­scher Höhepunkt, sondern auch als Beweis dafür in Erinnerung, dass histo­rische Orte und lebendige Musik eine ganz besondere Verbindung eingehen können.

Tomasz Hakuba

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