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DIXIELAND
(Diverse Komponisten)
Besuch am
10. August 2025
(Einmalige Aufführung)
Das Dorf Paulinzella, das formal ein Ortsteil der Stadt Königsee in Thüringen ist, muss man nicht unbedingt kennen, auch wenn einem der Name irgendwie bekannt vorkommt. Friedrich Schiller war bereits 1788 vor Ort. Schon Johann Wolfgang von Goethe fremdelte lange mit dem Ort in der Nähe von Ilmenau, wo er sich häufig aufhielt, ehe er ihm 1817 einen Besuch abstattete. „Seit vierzig Jahren zu Wagen, Pferd und Fuß Thüringen kreuz und quer durchwandert, war ich niemals nach Paulinzella gekommen“, notiert er in seinem Tagebuch. Dabei erfreute sich das Dorf schon damals einer Berühmtheit, schließlich findet sich hier bis heute die Ruine eines Benediktinerinnen-Klosters aus dem elften Jahrhundert.
Zwischen Ilmenau und Rudolstadt gelegen, ist das Dorf von weitläufigen Waldgebieten umgeben und findet im Tal des Rottenbachs eine idyllische Umgebung. Hier steht an der Dorfstraße das ehemalige Brauhaus, das zum ersten Mal 1800 urkundlich erwähnt wurde und dessen Keller aus den Steinen der Klosterruine erbaut wurde. Vor zwei Jahren entdeckte Sängerin Julia Coulmas, Gründerin der Düsseldorf Lyric Opera, mit ihrer kleinen Familie das sanierungsbedürftige Gebäude. Also ging es im vergangenen Jahr von Düsseldorf nach Paulinzella, um dort nicht nur ein neues Zuhause zu finden, sondern auch eine Kulturspielstätte einzurichten, in der zukünftig Konzerte, Kinoabende, Lesungen, Ausstellungen und Aufführungen stattfinden sollen. Ein erstes „Baustellenkonzert“ fand Ende Juli vergangenen Jahres statt und stieß auf erstaunliche Resonanz. Passend dazu wurde letztes Jahr der gemeinnützige Verein Kulturbrauerei Paulinzella gegründet. Der lädt jetzt als Saison-Höhepunkt zu einer Motto-Party Dixieland ein.
Wenn der Klassiker von Louis Armstrong When The Saints Go Marching In gespielt wird, dann darf man einfach nicht im Gebäude bleiben. Man muss raus auf die Straße gehen und hoffen, dass das Wetter mitfeiert. Als die Kulturbrauerei Paulinzella jetzt ihr Konzert veranstaltet, spielt der Wettergott mit, also findet die Motto-Party auf der Straße vorm Haus statt.

An einem warmen Sommernachmittag, der Duft von frisch gemähtem Gras liegt in der Luft und über den Mauern der romanischen Klosterruine Paulinzella schwebt der warme Klang einer Posaune. An dem Sonntag verwandelt sich das historische Gemäuer in eine stimmungsvolle Bühne für ein besonderes musikalisches Erlebnis: ein Dixieland-Konzert, das nicht nur Liebhaber des Jazz begeistert.
Bereits beim Einlass herrscht heitere Erwartung. Viele Zuschauer tragen Kleider aus den 1920-er Jahren. Unter ihnen soll sogar Jay Gatsby zu sehen sein. Bänke, Stühle und Tische sind auf der Veranda und dem Parkplatz aufgestellt, und im Hintergrund strahlt die Sonne, während das ehemalige Brauhaus den nötigen Schatten spendet.
Pünktlich um 16 Uhr erklingen die ersten Takte – schwungvoll, lebendig und mit diesem unverwechselbaren Groove, der den Dixieland ausmacht. Die Band, bestehend aus Reinhard „Stocki“ Stockmann an Klarinette und Saxofon, Roland Goller an der Posaune, Udo Decker am Klavier, Thomas Frischmuth an der Westerngitarre, Johannes Hein am Kontrabass und Adrian Schröter am Schlagzeug, eröffnet mit Standards wie Puttin‘ On The Ritz und Down By The Riverside.
Coulmas, stilgerecht verkleidet als Daisy Buchanan, setzte ihr Vibrato so gefühlvoll ein, dass jeder Ton wie eine sanfte Welle durch das Tal strömt. Der Klang hallt in den Mauern wider, fast so, als sänge die Klosterruine selbst mit. Spätestens beim letzten Set, als einige Zuhörer sich spontan zum Tanzen erheben, ist klar: Diese Musik lässt niemanden unberührt.
Nach fast drei Stunden endete der Auftritt unter tosendem Applaus und man hört überall begeisterte Stimmen: „Das war wie eine kleine Reise nach New Orleans – nur mitten in Thüringen.“
So bleibt das Dixieland-Konzert in Paulinzella nicht nur als musikalischer Höhepunkt, sondern auch als Beweis dafür in Erinnerung, dass historische Orte und lebendige Musik eine ganz besondere Verbindung eingehen können.
Tomasz Hakuba