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Foto © Matthias Stutte

Die letzte Stunde

AIDA – DER FÜNFTE AKT
(Stefan Heucke)

Besuch am
13. Januar 2024
(Premiere)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Fabrik Heeder

Aufop­fe­rungs­volle Liebe, ein grausames Schicksal – bislang konnte der Zuschauer sich nur in seiner Fantasie ausmalen, wie es mit Radamès und Aida in dem unter­ir­di­schen Gewölbe zu Ende geht, in dem die beiden einge­mauert sind. Er konnte nur ahnen, dass sich die Gelas­senheit, die Ergebenheit in das Schicksal vermutlich in der letzten gemein­samen Stunde in der Dunkelheit in ein Psycho-Drama verwandelte.

Kaum ein musik­thea­tra­li­sches Werk steht so für das Opern­museum wie Giuseppe Verdis Meister­stück Aida. Und doch sind in einem Veran­stal­tungs­ka­lender für das erste Halbjahr bereits 17 Auffüh­rungen vermerkt, davon 14 in Deutschland. Und man kann blind davon ausgehen, dass sie alle ausver­kauft sein werden. Das Theater Krefeld Mönchen­gladbach hingegen greift nicht auf die eigene Insze­nierung zurück – Übernahmen gehören ohnehin nicht zum Stil des kreativen Teams in dem Städte­theater am Nieder­rhein – sondern geht einen anderen Weg, ohne auf die Zugkraft des Namens Aida zu verzichten.

Foto © Matthias Stutte

Komponist Stefan Heucke und Librettist Ralph Könen bekamen den Auftrag, eine Kammeroper für den Bunker Güdderath zu erstellen. 2019 hatten Musiker und Bildhauer Bernhard Petz und seine Frau das Gemäuer in Mönchen­gladbach wieder so weit herge­richtet, dass sie nicht nur darin und darauf leben, sondern auch ein Kultur­zentrum daraus entwi­ckeln konnten. Seither nimmt auch das Theater Krefeld Mönchen­gladbach immer mal wieder die dortige Bühne in Anspruch. Und so gab es am 3. September vergan­genen Jahres in den brachialen Beton­mauern die Urauf­führung von Aida – der fünfte Akt. Der ideale Auffüh­rungsort, der die Wirkung des Musik­theaters noch einmal deutlich unter­streicht. Aber was in Mönchen­gladbach gezeigt wird, muss auch in Krefeld aufge­führt werden. Also ist die Kammeroper in sieben Szenen für zwei Sänger­dar­steller und Kammer­or­chester jetzt nach Krefeld in die Fabrik Heeder verlegt worden, ein Ort, der eigentlich eher für das Schau­spiel und zeitge­nös­sische Tanzauf­füh­rungen der so genannten Freien Szene bekannt ist, aber durchaus auch bruta­lis­tische Anblicke gewährt.

Dennis Krauß hat Insze­nierung, Bühne und Kostüme übernommen. Die Adaption des Bühnen­raums an das Studio in der Fabrik Heeder ist gelungen. Der Hinter­grund ist mit Gaze verhängt, auf der neun Stablampen angebracht sind. Auf der „Empore“, also im ersten Stockwerk, sitzen die acht Musiker der Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker hinter der Gaze. In der Mitte der Bühne ist eine schiefe Ebene auf sandigem Unter­grund aufgebaut, die an eine asymme­trische Pyramide erinnert. Krauß gelingt mit diesem Bild, die Inten­sität des Kammer­spiels zu unter­streichen und das Dunkel der Felsen­kammer glaubhaft zu machen. Das glück­liche Händchen fehlt ihm bei den Kostümen. Dass Radamès im Anzug herum­läuft, weil er Feldherr war, scheint ja inzwi­schen Bühnen­standard zu sein. Wenn eine äthio­pische Sklavin, die dem ägypti­schen Edelmann gefallen will, in Sack und Asche mit unför­migen Winter­stiefeln daher­kommt, wirkt das eher befremdlich. Immerhin gibt ihr das sicheren Tritt auf der Bühne. Hier bemüht sich der Regisseur, die beiden Darsteller in Bewegung zu halten. Das führt mitunter zu merkwür­digen Verhal­tens­weisen, wenn etwa Radamès singend, aber reichlich unmoti­viert die Decken­platten der schiefen Ebene abheben muss.

Foto © Matthias Stutte

Was unmit­telbar zu den Leistungen der Darsteller führt. Sänge­risch sind Eva-Maria Günschmann und Rafael Bruck eindeutig im Vorteil. Denn Heucke hat den beiden ihre Stimmen auf den Leib geschrieben. So wird aus Aidas Sopran ein Mezzo und aus Radamès‘ Tenor ein Bariton. Das bedeutet aller­dings nicht, dass der Komponist den Sängern leichtes Spiel gewährt. Einein­viertel Stunden rezita­ti­visch ohne große Varia­tionen in anstren­genden Stimm­lagen zu bewäl­tigen, ist alles andere als ein Spaziergang. Obwohl beide Sänger großartige Leistungen zeigen, kann sich Günschmann noch mal von Bruck abheben, der immer wieder nach dem Dirigenten schauen muss und in der Textver­ständ­lichkeit nicht ganz an die Kollegin heran­kommt. Solche schon haarspal­te­ri­schen Nuancen macht Bruck mit seinem Kraftakt wett, der wirklich zumal ob seiner Sinnlo­sigkeit beein­druckt. Aller­dings muss an dieser Stelle auch die Frage erlaubt sein, ob die zeitge­nös­sische Oper mit ihren stimm­lichen Angeboten auf die Dauer ein Publikum überzeugen kann, das sich im Opern­museum wunderbare Arien anhören kann. Eine Frage, die die Kompo­nisten der Gegenwart allgemein beant­worten müssen, nicht nur Heucke in Krefeld.

Mit Klari­nette, Fagott, Horn und Strei­chern hat der Komponist eine Besetzung gewählt, die ihm aus eigener Sicht Nähe zu Verdi erlaubt, ohne die Eigen­stän­digkeit aufzu­geben. Giovanni Conti übernimmt die musika­lische Leitung mit großer Präzision. Dank der Position des Orchesters erklingt die Musik aller­dings eher als „Hinter­grund­musik“, was den Sängern zugute­kommt. Aber da geht so manches verloren. Das ficht das Publikum nicht an, das scheinbar atemlos den Abend verfolgt.

Großer Applaus für alle Betei­ligten einschließlich des Kompo­nisten und des Libret­tisten, die eigens angereist sind, ist der wohlver­diente Lohn.

Michael S. Zerban

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