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Foto © Matthias Stutte

Große Oper in kleinem Rahmen

DER GOLDENE DRACHE
(Peter Eötvös)

Besuch am
18. Mai 2019
(Premiere am 12. Mai 2019)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Krefeld

Was die Neugier und Entde­cker­freude angeht, kann sich manches große Opernhaus im Rheinland und darüber hinaus eine dicke Scheibe vom Theater Krefeld Mönchen­gladbach abschneiden. Eine vorzüg­liche Produktion von Francis Poulencs Oper Die Gespräche der Karme­li­te­rinnen ist noch in guter Erinnerung, zuletzt mobili­sierte man alle Kräfte für ein aufwän­diges Mammutwerk wie den Boris Godunow und jetzt lädt man das Publikum auf die Bühne des Krefelder Hauses zu einem beson­deren Lecker­bissen ein. Und zwar zu Peter Eötvös‘ Musik­theater Der goldene Drache. Mit fünf Solisten und 16 Instru­men­ta­listen sowie einem auf 120 Besucher begrenzten Platz­an­gebot könnte man von einer Kammeroper sprechen. Aller­dings schlüpfen die Sänger in 18 Rollen und das Orchester mischt Eötvös so virtuos auf, dass von kammer­mu­si­ka­li­scher Intimität nicht die Rede sein kann. Geboten wird große Oper in kleinem Rahmen.

Tatsächlich ist Eötvös‘ Goldener Drache trotz des beschei­de­neren Aufwands und Anspruchs eindrucks­voller als seine bekann­teste Oper, Die Drei Schwestern nach Anton Tschechow. In den drei Schwestern kann Eötvös zwar aus dem vollen Reservoir des Musik­theaters schöpfen, doch beweist sein Erfolgs­stück im Grunde nur, dass die spezi­fische Stimmungs- und Tonlage der Tschechow-Dramen, wie schon Richard Strauss bemerkte, auch durch eine noch so ambitio­nierte Vertonung nur verlieren kann.

Davon kann in dem locker gefügten Goldenen Drachen nicht die Rede sein. Auch wenn die Thematik alles andere als clownesk ist, lädt das geschickte Textbuch von Roland Schim­mel­p­fennig zu einem fanta­sie­vollen Umgang mit den 21 Szenen ein. Und diese Vorlage griff nicht nur der Komponist erfolg­reich auf, sondern auch das gesamte Team des Krefelder Theaters.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zur Handlung: Der Goldene Drache ist der Name eines Thai-China-Vietnam-Schnell­re­stau­rants, in dem „der Kleine“ als illegaler Mitar­beiter seine verschollene Schwester sucht. Er leidet unter starken Zahnschmerzen, einen Arztbesuch kann er sich jedoch nicht leisten. Ohne sie zu erkennen, wird seine Schwester als „Grille“ von einer „Ameise“ gedemütigt, zur Prosti­tution gezwungen und verge­waltigt. „Dem Kleinen“ wird von den Angestellten der Zahn gezogen, woran er stirbt, ohne seine Schwester erkannt zu haben. Der Zahn führt ein etwas rätsel­haftes Eigen­leben und findet sich in der Suppe einer Flugbe­glei­terin wieder, die sich von dem Zahn nicht trennen will. Am Ende verschwindet der Zahn wie auch der tote „Kleine“ auf dem Weg einer „langen, letzten Reise“.

Foto © Matthias Stutte

Eine Handlung mit einem realis­tisch-nachdenk­lichen Hinter­grund, der auf das Schicksal illegaler Einwan­derer und auf rassis­tische Tendenzen innerhalb einer Wohlstands­ge­sell­schaft hinweist, gleichwohl spiele­risch mit fernöst­lichen Klischees umgeht, was sich in der teilweise puppenhaft vitalen Darstellung und klanglich in exotisch gefärbten Tönen nieder­schlägt. Auf oberfläch­liche, folklo­ris­tische Anspie­lungen verzichtet Eötvös, der ohnehin mit honoriger Beschei­denheit den Text niemals überwu­chert, so dass man dem 90-minütigen Abend auch ohne Übertitel folgen kann.

Schau­platz ist das Restaurant mit seiner kleinen Küche und seinem noch kleineren Gastraum, in dem sich die raschen Szenen­wechsel reibungslos abwickeln lassen. Die verschie­denen Schichten führt die Regis­seurin Petra Luisa Meyer geschickt, sensibel und lebendig aus: Der Stress in der Realität des Küchen­be­triebs; die sich im Hinter­grund der „goldenen“ Fassade abspie­lende Welt der Zwangs­pro­sti­tution in der Beziehung zwischen der Ameise und der Grille; die Welt der Stewar­dessen, die nach einem Flug ermüdet nichts anderes wollen, als sich satt zu essen, und am Ende der weltent­rückte Flug des „Kleinen“ in ein fernes Reich. Das alles bringt die Regis­seurin in den sparsamen, aber vollkommen ausrei­chenden Dekora­tionen von Dietlind Konold treff­sicher zum Ausdruck. Auch die Entwicklung der Flugbe­glei­terin Inga, die von den mensch­lichen Katastrophen in und hinter der Suppen­küche etwas zu erahnen scheint, wird glaubhaft dargestellt.

Dass Inga die einzige Figur ist, die eine Entwicklung erkennen lässt, wenn man von dem Sterbe­vorgang des „Kleinen“ absieht, führt zu dem bereits erwähnten puppenhaft-künst­lichen Eindruck. Damit vermeidet Eötvös freilich jeden ungewollten melodra­ma­ti­schen oder roman­tisch aufge­heizten Anflug. Meyer begegnet diesem Umstand so geschickt, dass die Proble­matik des Stücks dennoch deutlich zum Ausdruck kommt.

Yorgos Ziavras leitet das 16-köpfige Ensemble der Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker mit Umsicht. Die fünf Sänger verstehen es, quer durch Alters­grenzen und Geschlechter mühelos in insgesamt 18 Rollen zu wechseln. Lediglich Panagiota Sofro­niadou, ein hoffnungs­volles Talent des Opern­studios Nieder­rhein, kann sich auf die anspruchs­volle Rolle des „Kleinen“ konzen­trieren, die sie mit anrüh­render Anmut und makel­loser stimm­licher Führung gestaltet. Susanne Seefing, James Park, Peter Koppelmann und Rafael Bruck teilen sich die zahlreichen Rollen so souverän und gleich­wertig, dass eine Einzel­be­wertung kaum möglich ist.

Langan­hal­tender Beifall für einen weiteren eindrucks­vollen Leistungs­nachweis des Theaters Krefeld Mönchengladbach.

Pedro Obiera

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