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Foto © Matthias Stutte

Aus heller Unterwelt ins düstere Erdenleben

ORPHEUS UND EURYDIKE
(Christoph Willibald Gluck)

Besuch am
20. Februar 2018
(Premiere am 17. Februar 2018)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Theater Krefeld

Dem positiven Ausgang von Christoph Willibald Glucks Oper Orpheus und Eurydike misstraut Regisseur Jakob Peters-Messer in seiner Neuin­sze­nierung für das Theater Krefeld Mönchen­gladbach ganz gewaltig. Eurydike darf zwar letztlich aus der Unterwelt ins irdische Leben zurück­kehren, doch eine glück­liche Verei­nigung mit Orpheus bleibt aus. Das hehre Liebespaar hat sich entfremdet. Die Bühne verdüstert sich wie zu Beginn, wenn Orpheus seine verstorbene Geliebte in einem im wahrsten Sinne des Wortes schwarzen Szenario zu Grabe tragen lässt. In der schwarz-weißen Ausstattung von Markus Meyer scheint Peters-Messer die Erwar­tungs­hal­tungen auf den Kopf zu stellen. Die irdische Welt gebärdet sich noch abwei­sender als die gar nicht so schreck­lichen Furien in der Unterwelt. Und nachdem Orpheus die Höllen­wesen besänftigt hat, dringt er in eine Unterwelt ein, die so viel Licht, kristalline Reinheit und Ruhe ausstrahlt, als wären wir im Elysium. Und Eurydike scheint keine große Lust zu verspüren, diesem Paradies entrissen zu werden. Dass sie bei ihrem ersten Rückzug in die irdische Welt das Schwei­ge­ge­lübde bricht und zunächst weiterhin in der Unterwelt ausharren muss, ist weniger als Ergebnis göttlicher Schikanen, sondern der Ungeduld und dem Misstrauen Eurydikes zu verdanken, die so wenig der Aufrich­tigkeit von Orpheus vertraut, dass sie nicht bereit ist, wenigstens auf dem Weg in die Oberwelt auf einen bestä­ti­genden Blick von Orpheus verzichten zu wollen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Der Rückfall in den Hades scheint sie weit weniger zu irritieren als der Gnadenakt Amors, der das Liebespaar am Ende doch noch zusam­men­führt. Auch wenn die Partie der Eurydike relativ klein angelegt ist, wird die Rolle durch die genaue Charak­te­ri­sierung Peters-Messers wesentlich aufge­wertet. Letztlich erscheint sie in einem wesentlich aktiveren Licht als in gängigen Insze­nie­rungen. Und auch der Amor, darge­stellt als Zwitter eines Liebes­gotts und einer Todes-Allegorie, ist in Krefeld allge­gen­wärtig und scheint die Vorgänge in jedem Moment zu kontrol­lieren und zu steuern.

Sophie Witte und Agnes Thorsteins – Foto © Matthias Stutte

Orpheus bleibt die Rolle des trauernden Hinter­blie­benen überlassen. Seine Aktivi­täten beschränken sich auf die Ausdrucks­kraft der Klage und die besänf­ti­gende Wirkung seines Gesangs. Auf die entschei­denden Vorgänge und vor allem auf den Ausgang der Geschichte hat er so gut wie keinen Einfluss.

Jakob Peters-Messer entwirft für dieses Seelen­ge­mälde einfache, aber nachhaltige Bilder, die er durch seine Perso­nen­führung geschickt und ohne jede überdrehte Verzerrung vor orato­ri­en­hafter Statik bewahrt. Unter­stützt von Tänze­rinnen und Tänzern des Ballett­ensembles, die in der Unterwelt in dezenten, aber agilen Choreo­grafien von Robert North für Bewegung sorgen.

Gezeigt wird in Krefeld die leicht abgewan­delte Wiener Urfassung aus dem Jahre 1762 in italie­ni­scher Sprache. Am Pult der beherzt, wenn auch nicht immer präzis aufspie­lenden Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker steht niemand Gerin­gerer als Werner Ehrhardt, der als Gründer und Leiter des renom­mierten „Concerto Köln“ auf reich­liche Erfahrung mit dem Genre zurück­blicken kann und auch hier die drama­ti­schen Impulse der Musik ebenso pointiert zum Ausdruck bringt wie die ausdrucks­vollen Klage­ge­sänge des Orpheus. In der zentralen Titel­rolle hat in der Premiere bereits Eva Maria Günschmann für Begeis­terung gesorgt. Umso überra­schender fällt die Talent­probe von Agnes Thorsteins in der ersten Reprise aus. Ein Mitglied des Opern­studios, das über einen samtenen Mezzo verfügt und den hohen, diffi­zilen Anfor­de­rungen der Rolle technisch und gestal­te­risch in jeder Hinsicht gewachsen ist. Ein großes Talent kündigt sich hier an, das sorgfältige Betreuung verdient. Die Rolle des Orpheus füllt sie ideal aus, ohne ihre Stimme auch nur in einem Takt zu überfordern.

So stark der Regisseur die Rolle der Eurydike aufwertet, so engagiert setzt Sophie Witte mit ihrem hellen, mühelos geführten Sopran und nicht zuletzt ihrer anrüh­renden Bühnen­präsenz die Anfor­de­rungen um. Gabriela Kuhns Amor fehlt dagegen ein wenig die nötige vokale Geschmei­digkeit. Der Chor der Verei­nigten Bühne rundet das hohe musika­lische Niveau der rundum überzeu­genden Neupro­duktion adäquat ab.

Ebenso begeis­terter wie berech­tigter Beifall für eine eindrucks­volle Vorstellung, die bereits im vergan­genen Juni in Mönchen­gladbach gezeigt wurde.

Pedro Obiera

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