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Foto © Matthias Stutte

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DIE ZAUBERFLÖTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
9. März 2025
(Premiere am 23. September 2018)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Theater Krefeld

Am 23. September 2018 fand im Stadt­theater Krefeld die Premiere der Zauber­flöte statt. Kobie van Rensburg war für die Insze­nierung, Video, Kostüme und Teile des Bühnen­bildes verant­wortlich. Nach sieben Jahren wird die Produktion am Theater Krefeld Mönchen­gladbach nun wieder in den Spielplan genommen.

Vor der Kulisse des ausver­kauften Hauses ist das gemischte Publikum gelöst und voller Vorfreude. Viele der Besucher haben die Insze­nierung wohl schon gesehen. Durch die Flure des Foyers sieht man Starship-Trooper patrouil­lieren. Einige Besucher tragen spacige Kostüme oder Ohren des Vulka­niers Spock.

Bei der Produktion der Zauber­flöte scheint keines der tradierten Konzepte einer Zauber­flöten-Rezeption erwartet werden zu können. Zur Ouvertüre erfolgt dann auch gleich die Auflösung: In einem cineas­tisch fließenden Vorspann in gelben Lettern entnehmen die Zuschauer die zeitliche Einordnung. Nach dem Tode des Königs ist das Universum aus dem Gleich­ge­wicht geraten. Seitdem kämpfen die Königin der Nacht und Sarastro, der Oberpriester der alten Bruder­schaft, um die Macht. Es entspinnt sich der klassische Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Hell und Dunkel, der immer­während von Anbeginn der mensch­lichen Kultur­werdung das Schicksal mitbe­stimmt hat und führt die Zuschauer diesmal ins 23. Jahrhundert. Van Rensburg hat die metaphy­sische Geschichte von Emanuel Schika­neder in einen neuen thema­ti­schen Zusam­menhang gestellt, der die Protago­nisten im Gewand von Star Wars und Star Trek zeigt. Die den aller­meisten Besuchern vertrauten Schöp­fungen von Georg Lucas und Gene Rodden­berry finden sich für die nächsten drei Stunden auf der Opern­bühne und vermögen, die Musik Mozarts spannend und stimmig zu bebildern.

Foto © Matthias Stutte

Der sieben­fache Sonnen­kreis, der der eigent­lichen Handlung zugrunde liegt, legt die Umdeutung in ein inter­stel­lares Märchen bereits nahe.

Es gibt kaum eine zweite Oper, die mit ihrer Brücken­funktion so viele heran­wach­sende Menschen in die Theater geholt und mit der ganz beson­deren Kunstform Oper vertraut gemacht hat. Seit der Wiener Urauf­führung im Jahre 1791 wurde die Zauber­flöte so oft gespielt wie kaum eine andere Oper. Über die zweihun­dert­fünf­zig­jährige Rezep­ti­ons­ge­schichte hindurch hat es verschie­denste Bebil­de­rungen und Regie­an­sätze gegeben. Statua­ri­scher Übervater ist in dem Zusam­menhang das Schin­kelsche Bühnenbild für den Auftritt der Königin der Nacht. Das mit Mythen und Rätseln überfrachtete Libretto der Zauber­flöte hat vielerlei Blüten getrieben, die mal mehr, mal weniger überzeugend waren. Es ist schon verwun­derlich, dass bislang niemand auf die enge inhalt­liche Verwandt­schaft der Zauber­flöte gerade mit der Star-Wars-Trilogie gekommen ist. Kobie van Rensburg sei Dank für die außer­or­dentlich gelungene Adaption des opern­ge­schicht­lichen Heiligtums.

Immer wieder gibt es Bühnen-Versuche, den zeitlosen Inhalt und die immer­wäh­rende Botschaft der Zauber­flöte mit einer aktuellen Gegenwart zu verbinden und damit die berech­tigte Frage zu beant­worten, was die Geschichte uns im Hier und Jetzt noch zu sagen hat.

Am Aalto-Theater in Essen gerät die Antwort auf diese Frage zu einer Gesell­schafts­kritik des 20. Jahrhun­derts, einem Standardwerk der kriti­schen Sozio­logie. Regis­seurin Magdalene Fuchs­berger arbeitet sich daran ab und lässt in Folge keinen Stein auf dem anderen.

Barrie Kosky hingegen moder­ni­siert die Zauber­flöte an der Deutschen Oper am Rhein, indem er intel­li­gente Videos und Überblen­dungen einsetzt, um in Zeichen­trick-Manier für spritzige Kurzweile zu sorgen. Dabei handelt es sich um einen von der Kritik gelobten, sehr gelun­genen Versuch, die Zauber­flöte im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen.

Die aktuelle Verqui­ckung von Ikonen der Science-fiction-Rezeption mit dem tradi­tio­nellen Stoff der Zauber­flöte gelingt am Gemein­schafts­theater bestens. Im Handlungs­verlauf gibt es kaum Brüche, wenige Unstim­mig­keiten, dafür aber ein wahres Füllhorn an Zitaten, Chiffren, Attri­buten, die durchweg Staunen machen, dass die einge­fangene Sci-Fi-Virtua­lität so viele Paral­lelen zum litera­ri­schen Kosmos Schika­neders aufzu­weisen vermag. Einmal mehr bleibt grund­sätzlich festzu­stellen, wie aktuell und gegen­wärtig alte Klassiker immer wieder sind. Geschichten über Menschen von Menschen erzählt – weder die Menschen noch deren Geschichten scheinen sich über die Jahrhun­derte wesentlich verändert zu haben.

Als ganz besonders förderlich erweist sich bei der Produktion der Zauber­flöte in Krefeld die raffi­nierte technische Umsetzung. Über viele Bilder hinweg besticht die Bluescreen-Technik, von der man im Zusam­menhang mit großen Filmpro­duk­tionen in Babelsberg oder jüngst im bayeri­schen Penzing zusammen mit Nicole Kidman gehört hat. Dabei handelt es sich um riesige, fast leere Filmstudios, die lediglich mit blauen Screens gefüllt sind, um die Schau­spieler virtuell in opulente Interieurs oder in atembe­rau­bende Landschafts­ku­lissen versetzen zu können. Nichts ist real – alles Fiktion – und das auf der Bühne einmal mitver­folgen zu können, ist alleine schon außer­or­dentlich faszi­nierend. Die Bühne in Krefeld ist aus diesem Grund horizontal gegliedert. Unten stehen die Protago­nisten singend und sprechend vor Stand­ka­meras im quasi leeren Raum. Darüber hängt eine große Videowand, auf der sie durch compu­ter­ge­nerierte Ambiente und Handlungs­ver­läufe zu einem komplexen Spiel verwoben werden. Die Handlungs­in­halte werden auf diese Weise gar im doppelten Sinne zur Projek­ti­ons­fläche. Optisch faszi­nierend und drama­tur­gisch geschickt. Sind doch die Lösungen für die Darstellung von Paminas Bildnis oder der Riesen­schlange, von Feuer und Wasser in den Prüfungen immer eine Heraus­for­derung, in der die Regie überzeugen kann oder eben nicht. An diesem Abend gelingt all das spiele­risch einfach und nachhaltig sinnstiftend. Das Bildnis der Pamina wird als Hologramm vom Androiden R2D2 in den Raum proji­ziert. Sehr gelungen auch die mittels Projektion evozierten Bühnen­räume für die größeren Zusam­men­hänge mit Chorszenen im Tempel von Isis und Osiris. Metaphy­sische Symbolik und sphärische Chiffren von Raum und Zeit bieten eine atmosphä­rische Verortung, die für sich einnimmt und zu überzeugen vermag. Mit Licht, Video und Kostüm­design kreiert das Team um van Rensburg glaub­hafte Illusi­ons­räume, in denen man gerne für die Zeit der Aufführung und vielleicht auch darüber hinaus verweilt. Handelt es sich trotz aller neuen Gewänder doch um die Zauber­flöte, die kompro­misslos zuver­sichtlich, immer wieder das Gute in der Welt obsiegen lässt. Mit jedem Schritt aus dem Theater heraus wird die schöne Gewissheit mit Zweifeln überhäuft und mehr und mehr in Frage gestellt.

Foto © Matthias Stutte

Musika­lisch gelingt dem Ensemble eine Arbeit, die grund­sätzlich überzeugen kann.

Matthias Wippich als Sarastro verfügt über hinrei­ßenden barito­nalen Schmelz, der seine sonore Stimme über weite Strecken ausmacht. Den wirklich tiefen Passagen seiner Rolle kann er in Teilen nicht ganz entsprechen. Der lyrische Tenor Woongyi Lee gestaltet die Rolle des Tamino mit viel Hingabe und darstel­le­ri­schem Einsatz. In der Höhe ein wenig metal­lisch entspricht er den stimm­lichen Anfor­de­rungen an die Partie. Aller­dings ist er als Nicht­mut­ter­sprachler in den gespro­chenen Dialogen, die ja ein wesent­licher drama­tur­gi­scher Motor sind, nicht optimal zu verstehen. Vielleicht sollte man trotz des deutschen Librettos Übertitel verwenden, die ja auch den Opern­de­bü­tanten und Besuchern mit anderen Hinter­gründen die Handlung noch besser erschließen könnten.

Sophie Witte als Pamina, sowohl schau­spie­le­risch als auch stimmlich zuweilen überragend. Ihr lyrischer Sopran vermag das gesamte Spektrum ihrer Partie zu umfassen. Von den zarten, lyrischen Momenten bis zum Aufblühen in der Höhe. Rollen­konform besonders spiel­freudig, aber auch stimmlich bestens dispo­niert, präsen­tiert sich Rafael Bruck als Papageno, der insbe­sondere in den kamera­be­dingten Nahauf­nahmen für eine beein­dru­ckende Inten­sität sorgt. Stimmlich gut aufgelegt und technisch souverän schmei­chelt seine Stimme in bester Buffo-Manier. Die Königin der Nacht wird von Sophia Theodo­rides sänge­risch und darstel­le­risch angemessen auf die Bühne gebracht. Sie gestaltet die Arie der Königin der Nacht mit einem reinen und in den Höhen klaren Sopran. Die anspruchs­vollen Kolora­turen der Partie werden technisch versiert umgesetzt, der emotionale Ausdruck bietet noch Raum nach oben.

Sowohl die drei Damen, verkörpert von Antonia Busse, Susanne Seefing und Bettina Schaeffer als auch die drei Knaben von Marie Lina Hanke, Jana-Sophia Gebhardt und Luzia Ostermann bilden wunderbar wohlklin­gende Terzette, die das hohe Gesangs­niveau der Produktion unter­streichen. Der Monostatos von Markus Heinrich berei­chert vor allem durch eine intensive diabo­lische Personen- und Stimm­führung. Gereon Grundmann als Sprecher, Gabriela Kuhn als Papagena, Arthur Meunier und Nils Miegel als Priester runden das Gesangs­en­semble stimmig ab.

Brillant der starke Chor des Theaters, der sich statua­risch erhöht auf eine äußerst homogene vokale Ausge­staltung konzen­trieren kann.

Unter der musika­li­schen Leitung von Giovanni Conti blüht der äußerst diffe­ren­zierte Klang­körper der Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker auf.

Die Produktion ist Kult und man sollte darüber nachdenken, dem guten Beispiel der Zauber­flöte zu folgen und ähnlich gute Produktion aus der Vergan­genheit dem Publikum wieder zugänglich zu machen. Ausver­kaufte Häuser sind in diesen Zeiten keine Selbst­ver­ständ­lichkeit mehr. Wenn man etwas zu bieten hat, sollte man es auch einsetzen. Ganz im Sinne des ikoni­schen Grußes der Jedi: Möge die Macht mit Dir sein!

Bernd Lausberg

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