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Traumwelt hinter Gittern

DER KUSS DER SPINNENFRAU
(John Kander, Fred Ebb)

Besuch am
15. Februar 2020
(Premiere am 1. Februar 2020)

 

Musika­lische Komödie Leipzig

Staat­liche Willkür in einer Diktatur, Gefäng­nis­alltag mit brutalen Verhören und Ernied­rigung und mittendrin eine zart aufkei­mende, homoero­tische Liebes­ge­schichte: davon erzählt Manuel Puig in seinem 1976 erschie­nenen Roman Der Kuss der Spinnenfrau. Handlungsort ist ein latein­ame­ri­ka­ni­sches Zuchthaus in den 1970-er Jahren. Hier teilen sich der schwule Molina und der Revolu­tionär Valentin eine Zelle. Um der Realität wenigstens manchmal zu entfliehen, flüchtet sich Molina in eine Scheinwelt und imagi­niert alte Holly­wood­filme mit der von ihm vergöt­terten Schau­spieldiva Aurora in den weiblichen Haupt­rollen, die gleich­zeitig als mystische Spinnenfrau den stets präsenten Tod verkörpert. Trotz ihrer Gegen­sätz­lichkeit kommen sich die beiden Häftlinge näher und verlieben sich inein­ander. Als sich Molina der Gefäng­nis­leitung scheinbar als Spitzel zur Verfügung stellt, wird er vorzeitig entlassen, sofort aber wieder festge­nommen, nachdem er Valentins Frau kontak­tiert hat. Seine Weigerung, wichtige Infor­ma­tionen preis­zu­geben, bezahlt er mit dem Leben.

Der Kuss der Spinnenfrau brachte dem argen­ti­ni­schen Schrift­steller Weltruhm ein. Erfolg­reich war auch die Verfilmung 1985, für die William Hurt einen Oscar als bester Haupt­dar­steller erhielt.

Aber ein Musical? Ein solcher Stoff, so meint man, taugt für dieses Unter­hal­tungs­genre nicht. Doch das Künst­lerduo John Kander und Fred Ebb, das mit Cabaret und Chicago bereits zwei preis­ge­krönte Broadway-Hits mit inter­na­tio­naler Ausstrahlung vorzu­weisen hatte, erkannte das musik­thea­tra­lische Potenzial und kreierte 1988 Kiss of the Spider Woman. Der Erfolg gab den beiden Recht. Nach der Urauf­füh­rungs­pro­duktion in Toronto zog das Stück 1992 erst nach London, dann nach New York, wo es sieben Tonys gewann und über 900 Mal gegeben wurde.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Nun hat es Chefre­gisseur Cusch Jung an die Musika­lische Komödie Leipzig geholt, aller­dings ins Westbad, eine ehemalige Schwimm­halle, die als Ersatz­spiel­stätte während der momen­tanen Renovierung des Stamm­hauses genutzt wird. Frank Schmutzlers Kulisse zeigt ein tristes, kalt und bedrohlich wirkendes Gefäng­ni­s­am­biente mit Stachel­draht, gleißendem Licht, Gitter­fenstern und einem beweg­lichen Zellen­kon­strukt, das sich bei den Showteilen öffnet und in der Mitte eine Revue­treppe sehen lässt. Hinter Gittern sitzt auch das von Tobias Engeli geleitete Orchester, das Kanders latein­ame­ri­ka­nisch grundierte Songs mit südlichem Tempe­rament spielt.

Jung insze­niert den Knastalltag ganz realis­tisch, er spart auch Folter und Misshand­lungen nicht aus. Subtil hingegen ist die Perso­nen­regie. Wie die beiden Häftlinge nach anfäng­licher Abwehr allmählich Vertrauen fassen und Gefühle fürein­ander entwi­ckeln, die in einer dezent angedeu­teten Liebes­nacht Erfüllung finden, das gestalten Gaines Hall als Molina und Friedrich Rau als Valentin auf intensive und berüh­rende Weise. Anke Fiedler zeigt als Filmstar und todbrin­gende Spinnenfrau tänze­rische und stimm­liche Klasse. Ihre Auftritte, ob solo oder mit dem auftrump­fenden Ballett der Musika­li­schen Komödie in den von Melissa King choreo­gra­fierten Tanzein­lagen, bringen Show-Glamour in die Düsternis.

Neben dem Haupt­rol­lentrio geben Cusch Jung als Gefäng­nis­auf­seher, Frank Schilcher und Radoslaw Rydlewski als Wärter, Angela Mehling als Molinas Mutter und Nora Lentner als Valentins Ehefrau den kleineren Partien starkes Profil und auch der Herrenchor zeichnet sich durch wuchtige Präsenz aus.

Der fehlende Spaßfaktor mag das breite Publikum vom Besuch von Kuss der Spinnenfrau abschrecken, was am nur mäßig gefüllten Haus an einem Samstag­abend spürbar wird, angesichts der spannenden Produktion indes bedau­erlich ist. Viel Applaus, auch nach den einzelnen Nummern, gibt es trotzdem.

Karin Coper

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