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Alle Bilder ähnlich der Aufführung - Foto © Volker Beushausen

Auf der Unterhaltungsschiene

BUDDY – THE BUDDY HOLLY STORY
(Alan Janes)

Besuch am
20. November 2018
(Einma­liges Gastspiel)

 

Forum Lever­kusen

Geben Sie das Hirn an der Kasse ab und amüsieren Sie sich prächtig. Gerät das Musical in die Krise? Einst wurde das Musical als Nachfolger der Operette gefeiert. Bei Produk­tionen wie der Buddy Holly Story, Sunset Boulevard oder ähnlichen darf man diese Behauptung als gescheitert behaupten. Eine flache Handlung, hölzerne Dialoge und biogra­fische Ungenau­ig­keiten kennzeichnen die modernen Musicals, die mit sozial­kri­ti­schen Stoffen der Operette so rein gar nichts mehr zu tun haben. Die Stücke, die meist auf der kommer­zi­ellen Schiene aus Amerika herüber­schwappen, sind nicht von Tiefgang, sondern von Unter­haltung bestimmt.

Ein gutes Beispiel dafür ist eben Buddy – The Buddy Holly Story, ein Musical von Alan Janes, das vor einigen Jahren über den großen Teich kam, in Hamburg und Essen große Erfolge feierte und nun vom Westfä­li­schen Landes­theater aus Castrop-Rauxel auf der Bühne des Lever­ku­sener Forums gezeigt wird. Es ist geübte Praxis, dass Theater solche Produk­tionen selbst verwirk­lichen. Und das wäre auch in Ordnung, wenn sie dem Musical mehr abgewinnen könnten als das, was die so genannten kommer­zi­ellen Produk­tionen daraus gemacht haben. Bei den letzt­ge­nannten wird mit einem riesigen Aufwand auf reine Unter­haltung gesetzt, um eben den Aufwand ohne öffent­liche Förderung zu refinan­zieren und im besten Fall Gewinne zu erzielen. Völlig legitim, aber eben nicht die Aufgabe der staatlich finan­zierten Theater. Das Westfä­lische Landes­theater übernimmt die Produktion weitgehend unreflektiert.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Ralf Ebelings Insze­nierung scheint dem Motto zu folgen: Musik aus allen Rohren. Ob live auf der Bühne, aus dem Off, als Radio-Einspielung – Haupt­sache Musik. Und das erscheint bei dem schlecht­ge­schrie­benen Stück auch tatsächlich als einzig mögliche Rettung. Jeremias Vondrijk hat eine abstrakte Bühne entworfen. In der vorderen Hälfte gibt es viel Platz, um Requi­siten zu verschieben und die Spielorte schnell zu erstellen, die in der Überti­telung benannt werden, im Hinter­grund gibt es eine schwarzweiß bemalte Empore, auf der die Musiker in allen möglichen Konstel­la­tionen Platz finden. Maud Herrlein hat die Darsteller in Kostüme der 1950-er Jahre gesteckt. Vermutlich mit viel Sorgfalt und Recherche geschneidert, zeigen sie, welche Fortschritte die Textil­in­dustrie bis heute geleistet hat. Dermaßen schlecht­sit­zende Anzüge können einfach nur aus dieser Zeit stammen. Noch am Ende der Aufführung hat der Darsteller von Buddy Angst, seine Hosen zu verlieren. Enttäu­schend ist aller­dings, dass es dem Requi­siteur nicht gelungen ist, die Origi­nal­brille von Buddy Holly zu besorgen. Ja, das grenzt schon an Peinlichkeit.

Die Technik des Westfä­li­schen Landes­theaters hat an diesem Abend die Zitrone des Jahres gewonnen. Gewiss, die Reise von Castrop-Rauxel bis Lever­kusen ist anstrengend, und das ermüdet schon mal, aber was die Bühnen­ge­stalter hier abliefern, ist schon einer beson­deren Erwähnung wert. Das Licht läuft permanent aus dem Ruder, die Vorhänge passen selten und die Mikro­fo­nierung ist entsetzlich. Derjenige, der da oben in der Regie sitzt, braucht dringend mindestens einen Jahresurlaub.

Foto © Volker Beushausen

Aber da sich unter dem Edikt Ebelings alles der Musik unter­ordnet, muss man wohl oder übel solche Hinder­nisse in Kauf nehmen. Löblich wohl, dass bei dem Ausfall des Verstärkers von Buddys Gitarre sofort Ersatz vorhanden ist, aber das gleicht die miserable Mikro­fo­nierung nicht aus. Wie gut, dass es die Akteure auf der Bühne gibt. Und die gibt es in Fülle. Dominik Schwarzer macht seinen Job als Buddy gut – von wem kann man schon verlangen, dass er gleich­zeitig als Schau­spieler seinen Text einwandfrei beherrscht und als Musiker die Riffs an der Gitarre wie die Songs lässig stemmt? Da nimmt man die unbeholfene Schau­spie­lerei gern in Kauf, um den Musiker zu erleben. Rudi Marhold zeigt am Schlagzeug der Crickets sein Können und Benjamin Garcia am Kontrabass, dass man das Instrument in allen Lebens­lagen spielen kann. Unbedingt erwäh­nenswert ist Peti van der Velde, die als Ansagerin und mit ihrem herrlichen Lachanfall das Publikum entzückt, wenn sie feststellt, dass in einem Club in Harlem eine weiße Band auftreten will. Maximilian von Ulardt hat neben der stereo­typen Darstellung von Radio­mo­de­ra­toren seinen starken Auftritt, wenn er die Todes­nach­richt überbringt. Als Maria Elena, Buddys Ehefrau, kann sich Franziska Ferrari profi­lieren, und Julia Panzillius gefällt in gleich drei Rollen. Beide folgen gemeinsam mit van der Velde der ausge­sprochen sparsamen Choreo­grafie von Barbara Manegold. Die übrigen Rollen werden auf ähnlichem Niveau besetzt.

Selbst wenn alle Stricke reißen, hilft immer noch die Musik Buddy Hollys und anderer, einen mitrei­ßenden Abend zu gestalten. Warum der erste von Buddy Holly vorge­tragene Hit Roll over Beethoven von Chuck Berry sein muss, erschließt sich nicht so ganz, macht aber auch nichts. Immerhin, wenn auch häufig nur angespielt, kommen auch die ganz großen Songs von Holly wie Peggy Sue, Mailman bring me no more blues oder Everyday zu Gehör.

Das Publikum ist entzückt. Lässt sich immer wieder, wenngleich zögerlich, animieren, mitzu­klat­schen oder nach Kasperle-Theater-Art auf Fragen der Darsteller zu antworten. Da wird es bisweilen recht lebhaft im gutbe­suchten Saal des Forums. Und so bleibt bei der Zugabe von Oh, boy vor allem die gute Laune des Abends in Erinnerung. Wie schön.

Michael S. Zerban

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