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Foto © Cheryl Mann

Lichterfest

HUBBARD STREET DANCE CHICAGO
(Diverse Choreografen)

Besuch am
11. Februar 2020
(Einma­liges Gastspiel)

 

Forum Lever­kusen

Es ist schon erstaunlich. Permanent zieht die Stadt Lever­kusen die finan­zi­ellen Daumen­schrauben bei der Kultur an. Aber wer die besten Tanzensembles der Welt sehen will, kommt ins Forum Lever­kusen. Wie weit diese Schere noch ausein­an­der­gehen kann, wird man sehen müssen. Heute Abend spielen solche Gedan­ken­gänge keine Rolle. Denn die Hubbard Street Dance Chicago hat sich angesagt. Eine Compagnie, die aus dem Lou Conte Dance Studio hervorging und 1977 gegründet wurde. Inzwi­schen gilt das ameri­ka­nische Ensemble nach eigenen Angaben als „eine der national wichtigsten zeitge­nös­si­schen Compagnien“.

Aus dem weiten Umfeld reisen die Zuschauer an. Das Auditorium ist nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt. Und gleich die erste Choreo­grafie A Picture of You Falling – Ein Bild von Dir, fallend – von Crystal Pite zeigt, warum die Zuschauer in Scharen strömen. Mit gerade mal zwei Tänzern zeigt die Compagnie eine außer­ge­wöhn­liche Choreo­grafie, die alles andere an diesem Abend in den Schatten stellt. Dreizehn Spots stehen auf Stativen im Halbkreis auf der Bühne von Peter Chu. Die reichen Peter Sonder­gaard nicht, um die beiden Tänzer in die richtigen Licht­kreise zu setzen. Dazu müssen weitere Spotlights von der Decke ergänzt werden. Aber genau so gelingt eine faszi­nie­rende Atmosphäre, in der sich Mann und Frau passend zur Musik von Owen Belton bewegen. Linda Chow hat die Tänzer in Straßen­kleidung gewandet, die die Anmutung des Film noir weiter unter­streicht. Die Stimme von Kate Strong aus dem Off unter­streicht die Poesie der Szenen, in denen die Tänzer das Gesagte sehr bildhaft umsetzen und so den engli­schen Text vergessen lassen. Mit diesem Duett aus dem Jahr 2008 sind die Erwar­tungen ganz nach oben geschraubt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Und da kommt Cloudline – Wolken­linie – von Robyn Mineko Williams aus dem Jahr 2017 bei Weitem nicht heran. Sieben Tänzer in den recht bieder wirkenden Kostümen von Branimira Ivanova bewegen sich wenig aufregend zur Musik, die Robert F. Haynes zusam­men­ge­stellt hat. Auch das Licht, das Burke Brow gestaltet, kann wenig zur Spannung beitragen. Mit dem Walle-Tuch, das schließlich auf der Bühne ausge­breitet wird, gelingen ein paar hübsche Effekte, aber für eine ziemlich alte Idee werden hier überra­schend wenig neue Aspekte gefunden.

Foto © Todd Rosenberg

Auch Kyle Abraham vermag mit seiner Choreo­grafie The Bystander – Der Betrachter – schluss­endlich nicht so recht zu überzeugen, wenn auch aus völlig anderem Grunde. Das Werk will zu viel. Ebenfalls mit biederen Kostümen von Ivanova ausge­stattet, erzählen die sieben Tänzer die Geschichte des Außen­ste­henden, der all das Leid – und gestorben wird in den 20 Minuten ziemlich viel – nicht fassen kann, aber auch nicht zu beein­flussen versucht. Die Lieder von Franz Schubert bekommen eine gewisse Heutigkeit, indem ihnen Geräusch­ku­lissen wie Großstadtlärm, Funkverkehr oder Gastro­no­mielärm hinzu­ge­mischt werden, die gleich­zeitig die Geschichte unter­mauern sollen. Im Grunde wäre das schon mehr als ausrei­chend gewesen, um alle Sinne anzusprechen, aber Dan Scully fügt dem noch seine Textpro­jek­tionen hinzu. Belässt er es zunächst bei einzelnen Zitaten, läuft später das halbe Telefonbuch einer Klein­stadt über die schwarze Rückwand. Hier steigt das Publikum aus. Der zügig laufende Text ist gerade eben so lesbar, die Zusam­men­hänge zu erfassen reicht es nicht. Und so gerät der Tanz fast vollständig in Verges­senheit, bis man sich entschließt, die Textmengen zu ignorieren und sich auf das Bühnen­ge­schehen zu konzen­trieren. Zurück bleibt der Ärger über die Überfor­derung des Zuschauers. Warum das Putzlicht auf der Seiten­bühne während der Auffor­derung anbleiben muss, erschließt sich nicht.

Mit dem vierten und letzten Werk des Abends wächst die Compagnie, jetzt mit vierzehn Tänzern angetreten, noch einmal über sich selbst hinaus. Out of Your Mind – Abseits deines Bewusst­seins – hat niemand Gerin­gerer als Alejandro Cerrudo seine Choreo­grafie genannt. Und wirklich möchte man wissen, was Licht­bildner Burke und Kostüm­bild­nerin Ivanova wohl an bewusst­seins­än­dernden Substanzen genommen haben, nachdem sie sich ja in den beiden voran­ge­gan­genen Stücken mit außer­ge­wöhn­lichen Einfällen zurück­hielten. Burke schafft mit viel Schwärze, Nebel und genial gesetztem Licht eine unglaub­liche Tiefen­wirkung. Ivanova kleidet die Tänzer in Kostüme, die mit ihrem türkis­far­benen, halbtrans­pa­renten Oberteil zur schwarzen Hose an Star-Trek-Mimen erinnern. Damit gelingt es ihr, die athle­ti­schen Körper der Tänzer so recht in Szene zu setzen. Cerrudo setzt einen scharfen Kontrast zwischen Duetten an der Rampe und Reihungen, die kaska­den­hafte Bewegungen zeigen. Synchron getanzte Einlagen runden die Dramatik des Gesamt­erleb­nisses ab.

So endet der Abend nach fast zweieinhalb Stunden, wie er begonnen hat: Mit größt­mög­licher Begeis­terung des Publikums.

Michael S. Zerban

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