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Foto © Jonathan Berger

Süßes Gift

ADRIANA LECOUVREUR
(Francesco Cilea)

Besuch am
11. April 2023
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Kantabler Süßstoff aus Italien, starke Stimmen und opulente Bilder: Auch mit der Neuin­sze­nierung von Francesco Cileas Eifer­suchts­drama Adriana Lecou­vreur bleibt die Royal Opera de Wallonie ihrer von praller italie­ni­scher Theaterluft erfüllten Konzeption treu. Und das mit großem Erfolg, wie die überschwäng­lichen Reaktionen des Publikums auf die dreistündige Premiere zeigen.

Obwohl die 1902 in Mailand urauf­ge­führte, mit vier anspruchs­vollen Haupt­rollen schwer zu beset­zende Oper relativ selten zu sehen ist, stand sie bis vor kurzem auch auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. Während man die Handlung in Düsseldorf und Duisburg in eine schil­lernde Hollywood-Szenerie trans­for­mierte, bleibt Regisseur und Bühnen­bildner Arnaud Bernard in Lüttich dem Paris des frühen 19. Jahrhun­derts verbunden. Auf Rokoko-Perücken der ursprünglich 1730 angesie­delten Handlung verzichtet er allerdings.

Die begnadete Schau­spie­lerin Adriana Lecou­vreur ist ebenso unsterblich in den sächsi­schen Grafen Maurizio verliebt wie die verhei­ratete Fürstin von Bouillon. Neben balsa­misch empfind­samen Arien der Titel­heldin und empha­ti­schen Liebes­du­etten stehen die Konkurrenz-Duelle der beiden Rivalinnen im Mittel­punkt. Ränke­spiele, die im Gifttod Adrianas gipfeln. All das ist einge­bettet in ein Umfeld, das effekt­volle Einblicke in das muntere Treiben hinter der Bühne der Schau­spiel­truppe, aber auch der bigotten Moral von Adel und Klerus erlaubt. Chor und Ballett sind reichlich beschäftigt. Und die Regie hält alle Betei­ligten durch­gängig auf Trab. Was die Chor- und vor allem Perso­nen­führung angeht, ist die Lütticher Produktion der Düssel­dorfer um mindestens eine Klasse überlegen.

50 Jahre vor der Oper feierte das Stück bereits als Schau­spiel mit der legen­dären Sarah Bernhardt in der Titel­rolle große Erfolge. Arnaud lässt die Sopra­nistin Elena Moşuc in Anlehnung an die große Diva bisweilen sehr theatra­lisch gesti­ku­lieren. Durchaus legitim, ist doch die ganze Oper aus dem kulina­ri­schen Stoff gestrickt, der zu viel Realismus ohnehin nicht verträgt. Dazu trägt auch die reizvolle, bisweilen verfüh­re­risch einschmei­chelnde Musik bei, die Puccinis Manon Lescaut an Süße noch übertrifft.

Foto © Jonathan Berger

Die Adriana war auch eine Lieblings­rolle der unver­ges­senen Renata Tebaldi, die einst darauf bestand, das Stück, sehr zum Unwillen von Intendant Rudolf Bing, an der New Yorker Met aufzu­führen. Eine Tebaldi ist Elena Moşuc zwar nicht, aber die Gratwan­derung zwischen der selbst­be­wussten Diva und einer innerlich verletz­lichen und am Ende still leidenden Frau gelingt ihr vortrefflich. Mit weichen, weitge­spannten Kanti­lenen und eindrucks­vollen Ausbrüchen. Nur selten gerät die Stimme in unkon­trol­liert scharfe Gewässer. Zur packenden Inten­sität der Ausein­an­der­set­zungen zwischen Adriana und der Fürstin trägt wesentlich Anna Maria Chiuri in der Rolle ihrer Rivalin bei, die sowohl gestal­te­risch als auch stimmlich für markante Kontraste zum eher mädchen­haften Charisma der Titel­figur sorgt. Ihr Mezzo ist metal­li­scher geprägt, wodurch sie der Rolle zu einem scharf geschnit­tenen Profil verhilft.

Wie in vielen italie­ni­schen Opern bestimmen auch bei Cilea Frauen den Impuls der Handlung. Der jugend­liche Tenor hat vor allem als Spielball der Leiden­schaften zu dienen und muss, besonders wichtig, schöne Töne produ­zieren. Damit kann in Lüttich Luciano Ganci beein­dru­ckend dienen, auch wenn er die Spitzentöne ein wenig forciert heraus­presst. Der vierte im Bunde des Protago­nisten-Quartetts ist der Theater­leiter und stille und entsa­gende Liebhaber Michonnet, den Mario Cassi mit seinem noblen Bariton kulti­viert gestaltet. Zuver­lässig und spiel­freudig wie immer sorgt der Chor für einigen Wirbel auf der Bühne. Und die zahlreichen kleineren Partien sind ebenso rollen­de­ckend besetzt.

Es mag auf den ersten Blick erstaunen, dass am Pult des hörbar Genre-erfah­renen Orchesters mit Chris­topher Franklin ein Ameri­kaner steht, wo doch Intendanz und Musika­lische Leitung des Hauses seit Jahrzehnten von italie­ni­schen Kräften geführt werden. Aber Franklin hat sich inter­na­tional als exzel­lenter Kenner der italie­ni­schen Oper bewährt und enttäuscht auch diesmal nicht. In den lyrischen Passagen trägt er die Titel­heldin geradezu auf Händen. Und auch die drama­ti­schen Zuspit­zungen und die groß besetzten Tableaus gestaltet er mit viel Übersicht und treff­si­cherem Stilgefühl.

Das Publikum reagiert mit langan­hal­tendem, begeis­tertem Beifall. Am 19. Mai geht die italie­nische Reise mit Verdis Frühwerk I Lombardi weiter.

Pedro Obiera

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