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LE DOMINO NOIR
(Daniel-François Esprit Auber)
Besuch am
23. Februar 2018
(Premiere)
Nach dem kleinen qualitativen Einbruch mit letzten problematischen Carmen-Produktion kann die Lütticher Oper jetzt wieder an den gewohnten Standard des Hauses anknüpfen. Und zwar mit einem kleinen Meisterstück französischen Esprits auf hohem szenischem und musikalischem Niveau, das die wallonische Oper in Zusammenarbeit mit der Pariser Opéra Comique auf die Bühne stellt. Le Domino Noir – der schwarze Domino – Daniel-François Esprit Aubers frühe Komödie aus dem Jahre 1837, einst ein Riesenerfolg, ist nahezu in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie die Lütticher Wiederbelebungsversuche zeigen. Allerdings nur, wenn man sie mit derart viel feinsinnigem Pep und subtiler Komik, derart üppigem technischem Aufwand und einer entsprechend exzellenten Besetzung präsentiert wie jetzt in Liège.
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Auber, der sieben Jahre zuvor mit der Stummen von Portici einen Volksaufstand ausgelöst hat, der zur Autonomie Belgiens führen sollte, zeigt sich im Schwarzen Domino als Vorläufer Jacques Offenbachs. Gestützt auf ein raffiniertes Libretto des Erfolgsdichters Eugene Scribe empfiehlt sich das Werk als schäumende Melange aus Boulevardkomödie und persiflierter Grand Opéra.
Scribe spielt virtuos mit Mitteln der traditionellen Verwechslungskomödie. Der Schwarze Domino, ein schwarzer Umhang mit Kapuze, ist das ideale Instrument zur Maskierung, das die spanische Gesellschaft um den verliebten Horace de Massarena in helle Verwirrung stürzt. Die ihm bis dahin unbekannte, einst derart maskierte Angèle de Olivarès möchte der junge Galan unbekannt wiedersehen und er begegnet ihr in irritierend verschiedenen Rollen als Domino, als aragonisches Bauernmädchen und zum Schluss auch noch als Nonne. Nach urkomischen und pointiert gezeichneten Verwicklungen kommt es schließlich zum Happy End. Angèle, die Verwandte der Königin, darf auf ihr Klosteramt verzichten und Horace in die Arme schließen. Ein Kloster, in dem es turbulent und kokett zugeht wie in Sister Acts, in dem die Säulenheiligen miteinander schäkern und die Fresko-Putten zum Leben erwachen wie zuvor ein putziges Schwein auf einer Festtafel, das kräftig mitsingt und so dem letalen Garaus entgeht.

Das Regisseur-Duo Valérie Lesort und Christian Hecq trimmt das Stück auf Tempo, sprüht vor wirklich geistreichen Einfällen und erweist sich als Meister der Rollenprofilierung und der Personenführung. Alles elegant ausgeführt wie ein stilvolles Florett-Duell. Eingebettet in geschmackvolle Dekorationen im Stil der Belle Époque von Laurent Peduzzi, die selbst zu Handlungsträgern werden.
Patrick Davin versprüht im Orchestergraben den Charme und das Temperament einer Offenbach-Bouffe, wobei auch das lyrische Kolorit der Partitur nicht zu kurz kommt. Die hellen, geschmeidigen Stimmen von Anne-Catherine Gillet als Angèle und Cyrille Dubois als Horace passen sich dem Idiom der Musik ideal an, wie übrigens die meisten Darsteller der Produktion. Und entwaffnend komödiantisch treten ausnahmslos alle Sänger in den fantasievollen Kostümen von Vanessa Sannino in Erscheinung. Auch der ungewöhnlich agil agierende Chor. Kabinettstückchen kunstvoller Komik liefert das gesamte, durchweg ordentlich singende Ensemble, darunter François Rougier als Comte Juliano, Marie Lenormand als über sich hinauswachsende Dienstmagd Jacinthe und Laurent Montel als Lord Elfort.
Insgesamt eine ungetrübte musikalische Unterhaltung ohne jeden nennenswerten Schwachpunkt. Entsprechend begeistert fällt der Premierenbeifall aus.
Pedro Obiera