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Foto © Lorraine Wauters

Französisches Kolorit ohne aufdringliches Parfüm

FAUST
(Charles Gounod)

Besuch am
23. Januar 2019
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Das musika­lische Niveau der Lütticher Oper wird zu Recht hoch gepriesen. Die formi­dable Besetzung, die jetzt Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera für Charles Gounods Faust zusam­men­ge­stellt hat, toppt freilich noch die besten Produk­tionen der letzten Zeit. Und die versam­melten Spitzen­sänger halten, was ihr Ruf verspricht. Ist zudem ein Regisseur wie Stefano Poda am Werk, der sich dem ansonsten musealen Regie-Stil des Hauses entzieht, kann von vier langen, aber kurzwei­ligen Stern­stunden gesprochen werden.

Man mag von Gounods süßlicher Vertonung der Gretchen-Tragödie halten, was man will: Der melodische Schmelz sowie die effekt­vollen Ensemble- und Chorszenen bieten beste Opern­un­ter­haltung, wenn ein Dirigent wie Patrick Davin auf allzu viel klingendes Parfüm verzichtet und den drama­ti­schen Gehalt der Partitur ebenso berück­sichtigt wie ihren lyrischen Schmelz. Für kräftige Akzente sorgen vor allem die beiden phäno­me­nalen Baritone: Ildebrando D’Arc­angelo als Méphis­to­phélès und Lionel Lhote als alles andere als senti­men­taler Valentin. Selbst in der kompo­si­to­risch schwä­cheren Walpurgis-Szene entfaltet D’Arc­angelo eine Dynamik, die ebenso unter die Haut geht wie Lhotes Fluch-Tiraden gegen die arme Marguerite. Und Anne-Catherine Gillet vereinigt stimmlich und gestal­te­risch alle Fassetten der komplexen Gretchen-Figur mit nahezu optimalem Feinschliff: mädchen­hafte Schüch­ternheit, wachsendes Selbst­be­wusstsein und am Ende ein himmel­stür­mendes Aufbäumen der Kräfte, womit sie selbst die Herren in die Schranken weist. Marc Laho bringt für die Titel­partie eine elegante, biegsame, gleichwohl durch­set­zungs­fähige Stimme mit, mit der er das Solis­ten­quartett würdig vervoll­ständigt. Und auch die kleineren Partien wie der Siébel von Na’ama Goldmann oder die Dame Marthe von Angélique Noldus lassen keine Wünsche offen. Erst recht nicht der Chor der Lütticher Oper, der bei Gounod eine Mammut­aufgabe zu stemmen hat.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Stefano Poda deckt als Regisseur, Bühnen- und Kostüm­bildner, Choreograf und Licht­de­signer die komplette szenische Umsetzung in Perso­nal­union ab. Die stärksten Impulse gehen von dem beein­dru­ckenden Bühnenbild aus, einem riesigen, flexibel verschieb- und drehbaren Ring, der sich schnell den vielen Szenen anpassen lässt und einen zügigen Ablauf ohne lähmende Umbau­pausen ermög­licht. Mit Ausnahme des Gretchens sind die Charaktere bei Gounod eindi­men­sio­naler zugeschnitten als in der Vorlage Goethes, so dass Méphis­to­phélès etwa in der Oper vor allem als Kraft­mensch in Erscheinung tritt, ohne die schlan­genhaft schil­lernden Fassetten des Originals zu erreichen. Und Faust agiert wesentlich passiver, was freilich viel Freiräume für schöne Arien bietet. Das alles bedient Poda mit ordent­licher Routine. Das Bemühen um einen dynamisch aktiv agierenden Chor führt mitunter zu skurrilen Einfällen und das mit Sonder­ap­plaus bedachte Ballett in der Walpur­gis­nacht wirkt etwas plakativ, auch wenn Podas Einfall, die reale Welt in dunkles Schwarz und ausge­rechnet das Höllen­sze­nario in leuch­tendes Weiß zu tauchen, nicht ohne Reiz ist.

Insgesamt ganz große und effekt­volle Oper auf außer­or­dentlich hohem musika­li­schem und befrie­di­gendem szeni­schem Niveau. Entspre­chend begeistert fällt der Beifall des Premie­ren­pu­blikums aus.

Pedro Obiera

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