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Es sind die glanzvollen Stimmen, mit denen sich die Lütticher Oper im italienischen Fach einen vorzüglichen Namen erwerben konnte. Der Bariton Leo Nucci gehört mit zahlreichen Auftritten als Nabucco, Rigoletto und Macbeth nicht nur zum engen Freundeskreis von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera, sondern schon quasi zum Ensemble des Hauses. Mit 76 Jahren steht er jetzt erneut als Macbeth auf der Bühne. So ein hohes Alter ist dem Tyrannen bei Shakespeare zwar nicht vergönnt gewesen und auch bei Nucci sind stimmliche Verschleißerscheinungen nicht zu überhören. Die Stimme droht in bestimmten Bereichen unkontrolliert zu tremolieren, richtig runde Legato-Bögen gelingen nicht immer. Freilich hat Nucci Recht, wenn er darauf hinweist, dass er den Macbeth eher als Drama denn als Oper versteht. Die Darstellungskraft, auch auf Kosten lupenreiner Schönheit, habe schließlich auch Verdi besonders betont. Insofern imponiert Nucci in der Rolle immer noch mit einer großen, konditionsstarken Stimme und einer beachtlichen Bühnenpräsenz, die freilich durch die unglückliche Maske und das noch problematischere Kostüm ein wenig getrübt wird. Auf der Bühne sieht er gut 20 Jahre älter aus als in Natura, seine Krone erinnert eher an einen indianischen Häuptlingsschmuck und sein schweres Kostüm wirkt wie die Leihgabe aus einem historischen Museum.
Es sind freilich nicht nur aktuelle und ehemalige Stars der Opernbühne, mit denen der Lütticher Intendant volle Häuser in Serie garantiert. So ist ihm auch ein Glücksfall mit der jungen Sopranistin Tatiana Serjan gelungen, die für die heikle Partie der Lady Macbeth ideale Voraussetzungen mitbringt. Gerade von dieser Rolle erwartete Verdi besondere Wahrhaftigkeit und alles andere als puren Wohlklang. Die Russin verfügt über ein Stimmorgan von einer enormen dynamischen Schlagkraft, mit der sie auch das größte Chor- und Orchestergetümmel mühelos und ohne jede unangenehme Verzerrung überstrahlen kann und auch als Persönlichkeit ein faszinierendes Charisma ausstrahlt. Die Sensibilität, mit der sie die Wahnsinns-Arie gestaltet, unterstreicht ihre Wandlungsfähigkeit, so dass Serjan als positive Überraschung des Abends gewertet werden darf.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Zieht man noch Giacomo Prestia als Banquo mit seinem voluminösen, selbst in tiefsten Lagen sattelfest ansprechenden Bass und den verlässlichen Chor in Betracht, kann der neue Macbeth die hohen vokalen Qualitätsstandards des wallonischen Opernhauses vollauf halten.

Und mit Paolo Arrivabeni steht ein erfahrener Maestro am Pult des Orchesters der Opéra Royal de Wallonie-Liège, der ebenso für markante dramatische Akzente sorgt wie für hintergründig-zwielichtige Klänge in den Hexenszenen und psychologisch fein ausgehörte Töne in den Krisen des Tyrannenpaars. Zudem versteht er es, Rücksicht auf die Sänger zu nehmen.
Auch wenn die museal-konservative Inszenierung von Hausherr Stefano Mazzonis di Pralafera sicher nicht das Ideal einer zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem Stoff bietet: Das Publikum liebt den Intendanten für seinen etwas altmodischen Stil und dankt es ihm mit durchweg vollen Häusern. Zu sehen gibt es bei ihm ohnehin immer eine Menge. Ob Hexenspuk, üppige Festtafeln oder wahre Kostümfeste, mit denen Solisten und Chor auffahren. Die Bühnenbilder von Jean-Guy Lecat sowie die Kostüme von Fernand Ruiz entführen den Besucher in frühere Zeiten des Ausstattungstheaters, was natürlich auf Kosten einer filigran durchdachten psychologischen Deutung des Stücks geht.
Zurückgegriffen wird übrigens auf Verdis spätere Bearbeitung des Stücks für die Pariser Oper, die mit dem schlichten Tod Macbeths und damit ohne hoffnungsvolle Chor-Apotheose endet, dafür jedoch eine den um 1865 gewohnten Pariser Gepflogenheiten entgegenkommende, ausgedehnte Ballett-Einlage enthält, die das Lütticher Publikum, ebenso wie die gesamte Produktion, mit großem Beifall bedenkt.
Pedro Obiera