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Man darf von der Opéra Royal de Wallonie in Lüttich szenisch keine innovativen Sensationen erwarten, muss aber dem Intendanten Stefano Mazzonis di Pralafera bescheinigen, dass er über ein denkbar glückliches Händchen für die Besetzung auch anspruchsvollster Partien im italienischen Fach verfügt. Dem Terrain, das er mit Herzblut pflegt und bei dem sich seine weitreichenden Kontakte im internationalen Sängerzirkus besonders fruchtbar auswirken.
Wenn es um ein Gesangsspektakel wie Bellinis Norma handelt, das weiß der versierte Theatermann Pralafera natürlich, muss bei der Besetzung geklotzt und nicht gekleckert werden. Ohne große und nahezu perfekt geführte Stimmen ist das Stück verloren. Und so vertraut er die drei Hauptpartien namhaften Solisten an, die allesamt an den großen Bühnen der Welt zu Hause sind und die etwa das vokale Niveau der neuesten Kölner Traviata um Klassen überflügeln.
| Musik | ![]() |
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Szenisch fällt die Ausbeute nüchterner, wenn auch nicht sparsam, lieblos oder unreflektiert aus. Die Geschichte um die Druidenpriesterin Norma, die sich in den feindlichen römischen Offizier Pollione verliebt, sogar heimlich zwei Kinder von ihm gebärt, aber letztlich von ihm verlassen wird und ihre Todsünde mit einem spektakulären Opfertod auf dem Scheiterhaufen sühnt, stellt allerdings jeden ambitionierten, auf zeitgemäße Darstellungen erpichten Regisseur vor eine schwere Aufgabe. Zu sehr ist die Aufmerksamkeit in diesem Werk auf die vokalen Leistungen gerichtet. Regisseur Davide Garattini Raimondi fügt sich in dieses Schicksal, lässt den Sängern viel Freiraum und führt die Figuren feinfühlig, aber zurückhaltend. Dafür spart man in Lüttich nicht an der Ausstattung. Paolo Vitale schuf eine monumentale Felsenlandschaft, die er geschickt illuminiert, Giada Masi steuert aufwändige Kostüme bei, die einem Hollywood-Film früherer Zeiten entlehnt sein könnten. Dass eine Tänzertruppe das Geschehen permanent kommentiert, mal hilfreich, mal eher ablenkend: Über den Sinn dieses Einfalls lässt sich streiten.

Nicht jedoch über das musikalische Niveau. Das gilt insbesondere für Patrizia Ciofi in der Titelrolle, die mit ihrer weichen, dennoch substanzreichen Stimme die langen melodischen Linien dank ihrer exzellenten Legato-Kultur bruchlos entfalten und die halsbrecherischen Koloraturen ebenso mühelos wie ausdrucksstark bewältigen kann. Inklusive schwerelos angesetzter Spitzentöne in zartesten Piano-Schattierungen. Besser geht es kaum. Nicht nur in der Parade-Arie Casta Diva.
José Maria Lo Monaco präsentiert eine Adalgisa auf ähnlich hohem Niveau, auch wenn ihre Stimme durch ein leichtes Vibrato getrübt wird. Dennoch gehören die Duette der beiden Frauen sowohl stimmlich als auch durch die Bühnenpräsenz der Sängerinnen zu den Höhepunkten des Abends. Einen Ausbund an jugendlicher Ausstrahlung liefert Gregory Kunde als Pollione zwar nicht, doch beeindruckt er mit einer Stimme von enormer tenoraler Strahlkraft. Und selbst die kleineren Partien können sich allesamt in Lüttich hören lassen. Wenn dann noch Chor und Orchester des Lütticher Opernhauses unter der kundigen, spannungsgeladenen und dennoch sängerfreundlichen Leitung von Massimo Zanetti den glänzenden musikalischen Eindruck naht- und bruchlos abrunden, kann von einem musikalischen Ereignis gesprochen werden.
Gewiss eine konservative Produktion ohne besondere szenische Originalität, die jedoch den Sängern und Musikern einen idealen Nährboden für ihre Spitzenleistungen bietet. Eine würdige Fortsetzung des italienischen Stimmfests in Lüttich nach dem bereits geglückten Saison-Auftakt mit einer mehr als nur bemerkenswerten Produktion von Puccinis Manon Lescaut.
Das Premieren-Publikum reagiert entsprechend begeistert.
Pedro Obiera