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Wenn es um das italienische Genre an der Opéra Royal de Wallonie in Liège geht, kann man sich kurzfassen. Szenisch darf man in der Regel kaum mehr als stockkonservative Hausmannskost erwarten, während das musikalische Niveau in seiner Konstanz in weitem Umfeld seinesgleichen sucht. Während die aktuellen Traviata-Produktionen in Köln und Aachen ebenso wie Donizettis Maria Stuarda an der Deutschen Oper am Rhein vokales Mittelmaß nicht übersteigen, gelingt dem emsigen und bestens vernetzten Intendanten der Lütticher Oper, Stefano Mazzonis di Pralafera, ein Volltreffer nach dem anderen. In dieser Saison bot Lüttich mit Puccinis Manon Lescaut, Bellinis Norma und jetzt Verdis Rigoletto Sängerfeste in Serie an.
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Da nimmt man auch gern die alles andere als innovativen Inszenierungen in Kauf. Beim Rigoletto führt wieder einmal der Intendant selbst Regie. Das tut er mit viel Herzblut, jedoch ohne sonderliche psychologische Reflexion, die gerade der Rigoletto bräuchte. Zu sehen ist eine grundsolide, das Libretto wörtlich nehmende Inszenierung, für die sich Mazzonis di Pralafera sogar an den historischen Bühnenbildern des 19. Jahrhunderts orientiert. Liebevoll gemalte Szenarien, die eine pittoreske Renaissance-Welt wie aus dem Bilderbuch erstehen lassen. Und das in aufwändigen Dekorationen, die der Intendant eigens in der Mailänder Werkstatt Scenografie Sormani-Cardaropoli anfertigen ließ. Hier bleiben der Ballsaal ein Ballsaal und die finstere Wohngasse Rigolettos eine finstere Wohngasse. Dass Rigoletto seinen Buckel behalten darf, dass Gilda im leibhaftigen Sack ihr junges Leben aushauchen darf, ist in Lüttich selbstverständlich.
Das ist hübsch anzusehen und der fehlende Tiefgang wird ausgeglichen durch das glückliche Händchen, mit dem der Intendant selbst schwierigste Partien vorzüglich bis erstklassig besetzen kann.

Geradezu sensationell bringt sich in der neuesten Produktion die junge Jessica Nuccio als Gilda mit ihrem kerngesunden, jugendlichen Sopran ein. Eine helle, in allen Lagen flexibel und mühelos ansprechende Stimme, die auch in hohen Lagen mit einer geradezu verführerischen Piano-Kultur verwöhnen kann, wie man sie aus den besten Zeiten der Caballé kennt. Keine Spur von forciertem Überdruck, nicht das geringste Anzeichen für unkontrolliertes Tremolieren. Auch darstellerisch bietet sie mit ihrem Hauch jugendlicher Unschuld eine Augenweide.
Kaum weniger überzeugt George Petean in der Titelrolle mit seinem mächtigen, etwas rauen, aber überwältigend präsenten Bariton. Ein Sänger, der die merkwürdige Mischung aus väterlicher Güte, intriganter Bösartigkeit und unbändiger Rachsucht sowohl darstellerisch wie gesanglich glaubhaft verkörpern kann. Und auch Giuseppe Gipali als Herzog überzeugt mit einer Interpretation voller Strahlkraft, auch wenn die Spitzentöne etwas eng wirken. Glänzend der profunde Bass von Luciano Montanaro als Sparafucile. Die kleineren Rollen sind weitgehend angemessen besetzt.
Am Pult des Orchesters der Opéra Royal de Wallonie-Liège verströmt Giampaolo Bisanti viel Theaterluft, setzt markante Akzente und trägt die Sänger hilfreich durch den Abend. Wackelkontakte zwischen Chor und Orchester dürften der Premierennervosität anzulasten sein. Musikalisch die derzeit beste Produktion einer italienischen Oper in weitem Umfeld bis an die Grenzen von Rhein und Ruhr.
Viel Szenenapplaus und ovationshafte Begeisterung für eine altmodische, aufgrund ihrer musikalischen Qualität jedoch dennoch aktuelle Verdi-Produktion.
Pedro Obiera