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Foto © Jonathan Berger

Vergebene Suche nach dem Glück

RUSALKA
(Antonín Dvořák)

Besuch am
25. Januar 2024
(Premiere)

 

Opéra Royal de Wallonie, Liège

Mit einer fulmi­nanten Neupro­duktion von Antonín Dvořáks bekann­tester Oper Rusalka startet die Lütticher Oper ins Neue Jahr. Eine sensible Regie, ein überra­gendes Ensemble und eine aus dem Vollen schöp­fende Ausstat­terin garan­tieren einen mit zwei Pausen zwar langen, aber in keinem Takt langat­migen Abend.

Der griechi­schen Regis­seurin Rodula Gaitanou gelingt es, märchen­hafte Magie und psycho­lo­gische Analyse in Balance zu bringen. Der sagen­um­wit­terte Charakter des Werks bleibt erhalten, was nicht zuletzt der Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Cordelia Chisholm zu verdanken ist. Ohne antiquierten Plüsch schafft sie eine Wald- und Teich­land­schaft, die mit einer blumen­ver­zierten Wandel­treppe und einem großen, vertikal verschieb­baren Metall­kranz die Wechsel zwischen den Welten der Menschen und der Nixen pointiert und, kongenial ausge­leuchtet, stimmungsvoll ermöglicht.

Foto © Jonathan Berger

Die Handlung um Rusalka, das Nixen­wesen, das aus der kalten und oberfläch­lichen Unter­was­serwelt ausbrechen will, sich von den Menschen ein glück­li­cheres Leben erhofft und mit dieser Illusion völlig scheitert, lässt die Regis­seurin unange­tastet und verzichtet auf entstel­lende Überin­ter­pre­ta­tionen. Gleichwohl nimmt sie die komplexe psycho­lo­gische Struktur der Titel­figur sehr ernst. Von der Sehnsucht nach einer besseren Welt, der anfäng­lichen Euphorie in den Armen des Prinzen über die zerschmet­ternde Desil­lu­sio­nierung am gefühls­kalten, feind­lichen Hof bis zur Verzweiflung an der Leiche des Prinzen zeichnet sich die Charakter-Skizze eines Mädchens ab, das, wenn auch zu spät, erkennen muss, dass das persön­liche Glück nur im inneren Ich zu finden ist. Nicht in fernen Welten und erst recht nicht durch die Ablehnung der eigenen Persön­lichkeit. Niemand kann seiner Haut entfliehen. Auch Rusalka nicht durch die schmerz­hafte Metamor­phose von der Wasserfee in ein Menschenkind.

All das wird in der von Empathie getra­genen und in Sachen Perso­nen­führung handwerklich vorbildlich präzisen Insze­nierung deutlich. Und Corinne Winter vermag dieses Psycho­gramm der Titel­rolle szenisch und gesanglich geradezu ideal umzusetzen. Eine zerbrechlich zarte, aber emotional stark reagie­rende und empfin­dende Bühnen­er­scheinung, eine Nixe in einem traumhaft schönen Kostüm wie aus dem Bilderbuch, die sich nach ihrem Höllentrip am Ende kahlköpfig und ausge­stoßen ihrem traurigen Schicksal fügt. Auch gesanglich gelingt der Sopra­nistin der Spagat zwischen mädchen­hafter Zartheit und mächtig aufflam­mendem Selbst­be­wusstsein. Die kräfte­zeh­rende Tenor­partie des Prinzen meistert Anton Rositskiy mühelos, auch wenn es ihm Giampaolo Bisanti am Pult des Lütticher Orchesters nicht immer leicht macht. Bisanti kostet die vielfäl­tigen Fassetten der Partitur zwar minutiös aus, lässt es aber in Sachen Dynamik und Tempo bisweilen an Rücksicht auf die Sänger vermissen.

Imposant der charis­ma­tische Bariton Evgeny Stavinsky als Wassermann, hinter­gründige Dämonie strahlt Nino Surgu­ladze als Hexe Ježibaba aus und selbst die kleineren Partien, der Chor einge­schlossen, sind vorzüglich besetzt.

Langan­hal­tender Beifall des Premie­ren­pu­blikums für eine Produktion mit viel Bühnen­zauber und psycho­lo­gi­schem Feingefühl auf denkbar hohem musika­li­schem Niveau.

Pedro Obiera

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