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Reduktion

PENTHESILEA
(Othmar Schoeck)

Besuch am
2. März 2019
(Premiere)

 

Landes­theater Linz

Das Musik­theater im Landes­theater Linz bietet in seinem in dieser Spielzeit mit Neupro­duk­tionen von unter anderem Elektra, Tristan und Isolde und Medea bereits höchst anspruchs­vollen Spielplan auch noch die szenische öster­rei­chische Erstauf­führung von Othmar Schoecks Penthe­silea. Bei der Insze­nierung handelt es sich um eine Kopro­duktion mit der Oper Bonn, wo sie bereits im Oktober 2017 herauskam.

Penthe­silea und der griechische Held Achilles haben sich im Schlacht­ge­tümmel, in dem sie sich zunächst bekämpfen, inein­ander verliebt. Als Amazo­nen­kö­nigin, die sich Männer nur als Samen­spender gefügig machen darf, verstößt Penthe­silea damit gegen das Gesetz. Da sie weiterhin ihre eigene Niederlage nicht verkraften könnte, nähert sich Achill ihr mit der Lüge, dass er ihr unter­legen sei. In der anschlie­ßenden Begegnung der Liebenden fordern beide vom anderen, mit in die eigene Heimat in den Amazo­nen­staat oder nach Griechenland zu folgen. Achill will den Streit damit beenden, dass er Penthe­silea zum Zweikampf heraus­fordert, um sich von ihr besiegen zu lassen. Er will ihr sodann in ihre Heimat folgen, um diese aller­dings nach den Flitter­wochen wieder zu verlassen. Penthe­silea missver­steht die Heraus­for­derung zum Duell als ernst gemeint und fühlt sich verraten. Sie zerfleischt ihn mit ihren Hunden. Die Pries­te­rinnen berichten über den Zweikampf live. Penthe­silea besingt die Einheit von Liebe und Tod.

Unauf­führbar! – so lautete das Verdikt Goethes zu Kleists sich in komple­xeste Sprach­welten empor­schrau­bendes Werk. Heute bietet Penthe­silea eine Vielzahl von aktuellen Deutungs- und Bedeu­tungs­ebenen, denen man sich nur mit Konzen­tration und Beschränkung nähern kann.

Das hat bereits Othmar Schoeck, der Komponist der 1927 in Dresden urauf­ge­führten Oper beherzigt, indem er den Text zusammen mit Leon Oswald erheblich verkürzt und einen Chor einge­führt hat, der aller­dings nur wenige Worte oder Laute beiträgt. Die Musik von Schoeck ist stark rhyth­misch geprägt, weist durch den Einsatz nur weniger Tutti-Violinen einen tenden­ziell dunklen Klang auf und lässt viele Elemente der spätro­man­ti­schen und farben­frohen musika­li­schen Stile aus den 1920-er Jahren erkennen. Immer wieder kommt auch der für die Zeit typische Sprech­gesang zum Einsatz.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auch Regisseur Peter Konwit­schny zusammen mit seinem Bühnen- und Kostüm­bildner Johannes Leiacker haben Vorgänge und Bebil­derung noch einmal weiter fokus­siert und konzen­triert. Es gibt kein Bühnenbild mit Bezügen zur Antike oder Kostüme im Stil vergan­gener Zeiten. Über den abgedeckten Orches­ter­graben ragt eine Spiel­fläche wie ein Boxring in den Zuschau­erraum. Das Orchester sitzt in großer Besetzung erhöht am hinteren Ende der Bühne. Der Chor ist um die Spiel­fläche positio­niert und zunächst gar nicht als solcher erkennbar, die Sänger agieren in aktueller Tages­kleidung scheinbar als Teil des Publikums. Auf der Spiel­fläche sind zwei Flügel positio­niert, die alter­nierend mit zwei Klavieren im Orchester spielen und mit ihren Pianisten aktiv in die Handlung einge­bunden sind.

Die Handlung fokus­siert auf zwei Kernbe­reiche. Zum einen den ewigen Geschlech­ter­kampf, hier zwischen Penthe­silea und Achill.  Zum anderen auf die Darstellung der wahren Macht im Staate durch Chefideo­logen, hier die Oberpries­terin, deren Katego­ri­sierung gesell­schaft­lichen Handelns in Gut und Böse und den dadurch induzierten Gegensatz von Macht und mensch­licher Liebe. Auch ein ewiges Thema.

Dabei setzt Konwit­schny trotz und gegen die blutrüns­tigen Handlungs­ele­mente die Mittel der Ironie und des Humors wiederholt höchst wirkungsvoll ein. Zum Beispiel in den hüftschwin­genden Macho­gesten des Achill in seiner blond­mäh­nigen Heroe­n­er­scheinung. Die Schil­derung der bluttrie­fenden Zerflei­schung Achills wird durch die Oberpries­terin und andere weibliche Stützen der Amazo­nen­ge­sell­schaft wie bei einer Live-Schaltung im Fernsehen vorge­tragen. Dieser wirkungs­volle Aktua­li­sie­rungs­effekt zusammen mit den modernen Kostümen vermeidet jede vergan­gen­heits­be­zogene Relati­vierung oder Verflüch­tigung der Thema­tiken. Wenn am Schluss Penthe­silea in einem eleganten Abend­kleid wie in einem Konzert Liebe und Tod besingt, wirkt das wie eine aus dem gesell­schaft­lichen Diskurs vorsätzlich in die Kunst delegierte Überhöhung, sprich gesell­schaft­liche Verdrängung der ewigen Konflikte.

Zusammen mit der bei Konwit­schny üblichen, eindring­lichen psycho­lo­gi­schen Perso­nen­führung sowie der vom gesamten Ensemble und vom Chor gelebten Inten­sität und Spiel­freude gelingt damit in Linz ein äußerst spannendes Opernereignis.

Von der Oper Bonn nach Linz kommt die hervor­ra­gende Penthe­silea der Dshamilja Kaiser. Sie verkörpert die Facetten einer stolzen, liebenden Frau, deren wild-lodernder Zorn angesichts ihres Betrugs in die Katastrophe des Mordrau­sches an ihrem Geliebten mündet. Ihr souve­räner Mezzo­sopran meistert die Anfor­de­rungen der komplexen Partie unein­ge­schränkt und mit Bravour. Martin Achrainer als Achilles steht dem nicht nach. Er verfügt über eine souverän geführte Bariton­stimme, die er flexibel in klug gesetzten Schat­tie­rungen den atmosphä­ri­schen Erfor­der­nissen der Handlungs­ab­läufe anzupassen vermag. Auch fehlt es ihm nicht an den vom Regisseur so wirkungsvoll einge­setzten humor­vollen Darstellungsdetails.

Foto © Reinhard Winkler

Mehr als überzeugend auch das weitere Ensemble. Vaida Ragin­skytė als Oberpries­terin der Diana, die Meroe der Katherine Lerner sowie Prothoe der Julia Borchert verkörpern gesanglich und darstel­le­risch ihre Rollen überzeugend und eindringlich wie auch Matthäus Schmid­lechner den Diomedes, König des Griechenvolkes.

Chor und Extrachor des Landes­theaters Linz unter der Leitung von Elena Pierini und Martin Zeller singen und spielen das gefühls- und stimmungs­an­fällige Volk als Publikum mit Hingabe und Spaß am Spiel.

Die Beson­der­heiten des Orches­ter­ap­pa­rates und seines Klang­bildes mit einer großen, diffe­ren­zierten Schlag- und Rhyth­mus­gruppe, vielfältig besetzten und farbig aufspie­lenden Klari­netten und einen insgesamt dunkleren Gesamt­klang durch nur wenige Violinen werden durch die optische Präsenz der Musiker auf der Bühne sogar deutlich erhöht. Das gelingt erstaun­li­cher­weise ohne Einschrän­kungen. Denn obgleich das Bruck­ner­or­chester Linz unter der Leitung von Leslie Suganan­darajah hinten auf der Bühne gruppiert ist, spielt es mit einer Präzision und Balance zu Solisten und Chor, als ob das nachgerade die Standard­an­ordnung sei. Eine besondere Rolle übernehmen die in der Partitur vielbe­schäf­tigten Klaviere. Zwei sind als Teil des Orches­ter­en­sembles integriert, zwei weitere Flügel spielen bei drama­tur­gisch von diesen maßgeblich beglei­teten Szenen vorne im Boxring. Die Bühnen­pia­nisten Andrea Szewieczek und Elias Gilles­berger sind neben ihren anspruchs­vollen musika­li­schen Anfor­de­rungen vereinzelt auch wirkungsvoll in das turbu­lente Spiel der Protago­nisten einbezogen.

Großer und langer Applaus für alle Betei­ligten der Produktion. Man kann das Musik­theater Linz für diese großartige Neupro­duktion nur beglück­wün­schen. Ein sinnvolles Beispiel dafür, dass Opern­häuser in Ko-Produk­tionen gemeinsam selten gespielte, anspruchs­volle Werke überzeugend und wirkungsvoll auf die Bühne bringen können.

Achim Dombrowski

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