O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Mit Liebe zum Detail

MUSIK TROTZ(T) CORONA
(Diverse Komponisten)

Besuch am
27. November 2020
(Einmalige Aufführung)

 

Galerie im Alten Küsterhaus, Meerbusch

Vor zwei Jahren übernahm Isabelle von Rundstedt die – ehren­amt­liche – künst­le­rische Leitung der Galerie im Alten Küsterhaus im Meerbu­scher Stadtteil Büderich, unmit­telbar vor den Toren Düssel­dorfs gelegen. Das Alte Küsterhaus ist ein kusche­liger Rückzugsort, der sich im Schatten der Mauritius-Kirche duckt und Kunst­freunde einlädt, sich Ausstel­lungen bevorzugt von den Studenten der Düssel­dorfer Kunst­aka­demie oder manchmal auch von Künstlern aus Büderich anzuschauen. Hier gelang es von Rundstedt gleich zu Beginn, mit der Wieder­ent­de­ckung der Arbeiten des Bildhauers Will Hanebal viel Aufmerk­samkeit zu erregen. Eigentlich beschränkt die Kunst­his­to­ri­kerin sich auf das Kuratieren der Ausstel­lungen, während andere Menschen sich um die Programm­ge­staltung für den Treff­punkt Altes Küsterhaus kümmern. Aber in Corona-Zeiten braucht es mehr Engagement für die Kultur.

Ekaterina Porizko ist heute unter anderem Kantorin der evange­li­schen Kirchen­ge­meinde in Büderich. Die heraus­ra­gende Organistin und von Rundstedt kennen sich also, und alsbald instal­lierte Porizko eine Reihe der alten Musik im Alten Küsterhaus. Damit sie das konnte, bekam sie von Marten Overath, Betreiber eines Klavier­ge­schäftes vor Ort, ein Cembalo aus den 1980-er Jahren geschenkt. Und bis heute lässt es sich Overath nicht nehmen, das Instrument selbst zu stimmen. Ja, wir sind im Rheinland. Und da wird geklüngelt. Aber manchmal hat der Klüngel auch sein Gutes. Und wenn die lebens­lustige Ekaterina Porizko, die gebürtig aus St. Petersburg stammt, sich dem Klüngel anschließt, gibt es auch neue Ideen.

Ekaterina Somicheva – Foto © O‑Ton

Und da ruft die eine Ekaterina die andere Ekaterina an, ob sie nicht Lust hast, mit ihr gemeinsam aufzu­treten. Ekaterina Somicheva stammt ebenfalls aus St. Petersburg und hat Gesang studiert. Sie ist eine der Opern­sän­ge­rinnen, die sich irgendwann für Kinder entschieden haben und damit „automa­tisch“ in die zweite Reihe zurück­fielen, obwohl ihre Stimme sie eigentlich zu Höherem berufen hätte.

Der Klüngel ist perfekt. Und so treffen sich die drei Damen im Alten Küsterhaus, um ein Konzert zu veran­stalten. Musik trotz(t) Corona – Schätze der Barock-Zeit nennen sie es, und selbst­ver­ständlich findet es ohne Publikum im Saal statt. Es wird ein Livestream. Und da staunen alte Männer nicht schlecht, mit welcher techni­schen Unbefan­genheit die Damen ans Werk gehen. Da werden ein paar Handys auf Stative geklemmt, ein paar Knöpfe gedrückt und schon geht es auf Instagram, Facebook und YouTube los. Das ist alles nicht übertrieben perfekt, und die Zuschauer, die schon vor dem Bildschirm warten, bekommen so einiges mit, was eigentlich nicht für sie bestimmt ist, aber egal. Denn Porizko und Somicheva haben sich mit Hilfe der Kostüm­bild­nerin Natalia Kornilova ordentlich vorbe­reitet und begeistern jetzt schon optisch mit Barock-Kostümen. Damit geben sie auch das Flair des 45-minütigen Konzerts vor.

Mit viel Liebe zum Detail geht es zu an diesem Abend. Nicht im Bild zu sehen ist der Noten­ständer mit den seitlich aufge­steckten Kerzen. Ständig werden die Kostüme wieder in Form gebracht. Die Stücke werden achtsam anmode­riert. Das macht alles viel Spaß vor Ort. Und wenn man sieht, mit welcher Inten­sität sich alle Betei­ligten vorbe­reiten, neben Stimm­übungen auch Lichter instal­liert und umgestellt werden, kann man sich das optische Ergebnis am Bildschirm gut vorstellen. Da kann das abwechs­lungs­reiche Programm beginnen.

Ekaterina Porizko – Foto © O‑Ton

Lediglich eine kleine Ecke im Erdge­schoss des Alten Küster­hauses ist für die Übertragung reser­viert. Die aber bietet den Vorteil, dass sich der Schall im Treppenhaus entfalten kann. Das akustische Ergebnis in der Übertragung ist schon mal eindrucksvoll. Den Rest tragen die Künstler bei. Beginnend mit der Arie der Fortuna aus Claudio Monte­verdis Oper L’incorporazione di Poppea, eine kleinere Stimm­übung für Somicheva, geht es weiter mit der Toccata prima von Girolamo Fresco­baldi, einem Solo-Stück für Porizko, die hier schon mal einen überzeu­genden Vorge­schmack auf Kommendes gibt. Und dabei stellt ein Cembalo noch einmal andere Anfor­de­rungen als etwa ein Klavier, nicht aber für Porizko, die das Instrument geradezu spiele­risch beherrscht. Als lyrischer Sopran kann Somicheva ein ordent­liches Volumen an den Tag legen, wenn sie etwa Giovanni Battista Pergo­lesis Se tu m’ami – also: Wenn Du mich liebst – zum Vortrag bringt. Auch bei der Arie Volate, amori der Ginevra aus der Oper Ariodante von Georg Friedrich Händel zeigt die Sängerin eine Fertigkeit, bei der größere Namen Schwie­rig­keiten haben dürften. Das ist eindrucksvoll. Aber den eigent­lichen Überra­schungs­effekt bietet Porizko, wenn sie Voluntary VIII von John Stanley intoniert. Es ist nichts weniger als ein Orgel­stück. Und Porizko bringt das auf das Cembalo, das einem der Atem stockt. Großartig. Von Rundstedt, die die Kameras im Blick hat, applau­diert nach jedem Stück. „Ihr habt mich gerade im Herz erwischt“, wird sie den Künst­le­rinnen nach ihrem Auftritt zurufen. Aber bis dahin stehen ja noch Mozarts Ridente la calma und die Arie der Eurydice aus Christoph Willibald Glucks Oper Orfeo ed Eurydice sowie die Zugabe an, in der Somicheva die Arie der Susanna aus der Oper Le nozze di figaro von Wolfgang Amadeus Mozart präsen­tiert. Es ist fantas­tisch, was die beiden Künst­le­rinnen da im publi­kums­freien Raum produ­zieren. Spannend, erfri­schend, aufregend.

Und wichtig. Je länger die Corona-bedingten Einschrän­kungen seitens der Regierung anhalten, desto größer wird die Unsicht­barkeit der Künstler. Es gibt derzeit nur die Möglichkeit, sich online sichtbar zu machen. Egal, ob bezahlt oder nicht. Das Konzert aus Meerbusch, übrigens honoriert, zeigt, wie bedeutsam es ist, sich, und sei es auch nur im Freun­des­kreis, in Erinnerung zu bringen. Gerade, wenn man solche formi­dablen Leistungen anzubieten hat wie die beiden Ekate­rinas. Denn nichts ist schneller vergessen als ein Gesicht, das man nicht mehr sieht. Isabelle von Rundstedt sieht das ähnlich. Sie wird die Konzert­reihe fortsetzen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: