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Foto © O-Ton

Heiße Musik

MUSIK TROTZ(T) CORONA
(Johann Sebastian Bach, Antonino Reggio)

Besuch am
18. Juni 2021
(Einmalige Aufführung)

 

Altes Küsterhaus, Meerbusch-Büderich

37 Grad im Schatten im Großraum Düsseldorf. Die heiße Luft drückt in die Gebäude hinein. Da fällt es nicht nur älteren Menschen schwer, Klagen über die Hitze zu unter­drücken und sich über den Sommer zu freuen, der endlich, wenn auch mit Macht, im Rheinland angekommen ist. Für Isabelle von Rundstedt ist es ein echter Glückstag. Nicht nur, dass die Künst­le­rische Leiterin der Galerie im Alten Küsterhaus in Meerbusch-Büderich ein weiteres Konzert in der Reihe Musik trotz(t) Corona für den Abend anbieten kann, sondern die 27. Ausgabe findet erstmals auch vor Publikum statt. Gut, es ist ein kleines Publikum, aber nach vielen Monaten findet das Konzert nicht mehr nur vor Kameras statt, sondern echte Menschen sitzen um die Künstler des heutigen Abends versammelt. Zumeist ältere Herrschaften, die sich von den hochsom­mer­lichen Tempe­ra­turen nicht haben abschrecken lassen, um jetzt hier durch die Tür zu schreiten. Fast schon eupho­risch begrüßt von Rundstedt ihre Gäste. Ihre Frage, wie man es mit den „Hygiene-Vorschriften“ halten wolle, wird von den Anwesenden eindeutig und ohne eine Diskussion zuzulassen beant­wortet. Nein, sie werden hier keine Masken tragen. Die meisten von ihnen sind ohnehin längst geimpft, aber sie befinden sich in guter Gesell­schaft. Wohin das Auge reicht, tragen die Menschen die Panik-Politik der Regierung nicht länger mit. Die berüch­tigte „Inzidenz“ als angeb­licher Gradmesser der Corona-Krise wird allmählich einstellig. Während der Bundes­ge­sund­heits­mi­nister über eine „stufen­weise Rückführung der Masken­pflicht“ nachdenkt, stimmt das Volk mit den Füßen ab. Da helfen auch die Drohge­bärden nicht, dass eine Mutation erneute Gefahren für die Bevöl­kerung mit sich bringt. Zumal es nun wirklich in den Händen der Politik liegt, wenn der Virus aus dem Ausland zureist. Aber darum macht sich in Meerbusch-Büderich an diesem Abend so gar keiner Gedanken.

Foto © O‑Ton

Jetzt geht es darum, ein Barock-Konzert zu erleben. Ekaterina Porizko, Kantorin der evange­li­schen Gemeinde in Büderich und Mitor­ga­ni­sa­torin der Konzert­reihe Musik trotz(t) Corona, hat Konstantin Shche­nikov-Arkharov nach Meerbusch einge­laden. Der stammt ebenfalls aus Russland und begann, mit neun Jahren Akkordeon zu lernen. Mit dreizehn Jahren brachte er sich das Gitar­ren­spiel selbst bei. Mit 19 begann er das Studium der Klassi­schen Gitarre und der Kompo­sition in St. Petersburg. Vor zehn Jahren entdeckte er die Laute für sich und widmete sich der histo­ri­schen Auffüh­rungs­praxis. Längst ist er in einem inter­na­tio­nalen Umfeld tätig. Umso größer die Freude, dass Porizko ihn für ein Konzert im Alten Küsterhaus gewinnen konnte. Sie selbst hat für das gemeinsame Programm ihr Cembalo von Marten Overath am Vortag stimmen lassen.

Shche­nikov-Arkharov eröffnet das Konzert mit der Suite für Laute BWV 997 von Johann Sebastian Bach. Das Publikum schmilzt nicht nur aufgrund der äußeren Tempe­ra­turen dahin. Das Gleichmaß der Musik, in das sich immer wieder kleine Kunst­fer­tig­keiten mischen, sorgt für so etwas wie Seelen­frieden. „Ja, Sie dürfen gern auch zwischen den Sätzen klatschen“, ermutigt der so jugendlich wirkende Lautenist seine Hörer mit einem verschmitzten Lächeln, ehe er sich wieder ganz im Klang dreizehn Saiten verliert, die er so ganz ohne Noten­ma­terial bearbeitet. Wer ihn beim Stimmen beobachtet hat, weiß, wie viel Kraft erfor­derlich ist, um das alte Instrument zu bearbeiten. In seiner Bearbeitung der Bachschen Suite aller­dings sieht das leicht und wie selbst­ver­ständlich aus. Grandios, was der junge Mann seinem Publikum da zu Gehör bringt.

Foto © O‑Ton

Gern löst Porizko ihn ab, um auf dem Cembalo das Italie­nische Konzert BWV 971 erklingen zu lassen. Nach dem ruhigen Fluss der Suite mischt die Tasten­künst­lerin hier mächtig auf. Sie inter­pre­tiert fast wie in einem Pop-Konzert, es ist mitreißend. Dass das Cembalo schon am Vortag gestimmt worden sein soll, möchte man kaum glauben. Nach dem Konzert wird die Perfek­tio­nistin Porizko verraten, dass sie gemeinsam mit Overath so etwas wie eine Antizi­pation versucht hat. Und das ist offenbar wunderbar geglückt.

Zum Abschluss präsen­tieren Porizko und Shche­nikov-Arkharov eine absolute Rarität, die man vermutlich bislang in keinem Konzerthaus dieser Welt gehört hat. Antonino Reggio, der gerade erst wieder­ent­deckt wird, hat eine Sonate in F‑Moll für Cembalo und Laute kompo­niert. Ein harmo­nie­träch­tiges Stück, das beim Publikum absolute Begeis­terung auslöst. „Dass Cembalo und Laute so prächtig mitein­ander klingen können, hätte ich mir nicht vorstellen können“, erzählt eine Besucherin ganz aufgelöst nach dem Konzert.

Was aus der Aufnahme für das Internet geworden ist, wird man wohl erst in den nächsten Tagen verifi­zieren, und es wird vermutlich wenig profes­sionell aussehen. Viel zu aufgelöst sind die Anwesenden, mit sich selbst, den Musikern und der Musik beschäftigt. Nach einer knappen Stunde haben die Besucher das absolute Bedürfnis, sich mitein­ander und mit den Künstlern auszu­tau­schen. Nein, solche Kostbar­keiten wird man in den Konzert­sälen der Republik nicht erleben. Um diese Innigkeit im Vortrag und die Seligkeit im Erleben mitzu­be­kommen, muss man schon nach Büderich kommen. Weil man da hinterher auch mit den Künstlern noch ein Eis essen geht und dann ganz langsam runterkommt.

In der kommenden Woche geht es – auch wieder am Freitag – zurück in die Welt der Arien. Dann wird Ekaterina Porizko, die in jüngster Zeit mehr und mehr als Dirigentin arbeitet, die Opern­sän­gerin Ekaterina Somicheva am Klavier zu einem Arien­abend begleiten. Und schon jetzt darf sich jeder Besucher dieser kleinen Veran­staltung darauf freuen, eine große Stimme zu hören.

Michael S. Zerban

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