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Iino Tomohiro, Marimba, Matthias Würsch, Vibrafon, und Christian Rombach, Marimba - Foto © Katja Demenga-Etter

Versenkung west-östlich

ZEN IN MUSIC
(Diverse Komponisten)

Besuch am
11. Juli 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Musik­fest­woche Meiringen in der Michaelskirche

Heißt ein Konzert Zen in Music, sind wir vorge­warnt. Der Klang, soviel hat uns eine jahrzehn­te­lange Rezeption fernöst­licher Musik gelehrt, ist von seiner ritua­li­sierten Ausführung nicht zu trennen. Das muss man mögen. Und vor allem muss man es können, was in diesem Fall eindeutig übers bloß Technische hinausgeht. Was vor allem gefordert ist, sind Einstellung, Haltung, Geschmack, was seiner­seits ein gewisses Behei­ma­tetsein in ostasia­ti­scher Musizier­praxis voraus­setzt. An Sen VI für Perkussion, dem namen­ge­benden Stück fürs Medita­ti­ons­konzert in der Micha­els­kirche, kam es zum Schwur. Geschrieben hat es, vor drei Jahrzehnten schon, Toshio Hosokawa, der vielfach ausge­zeichnete japanische Komponist, der in europäi­schen Konzert­sälen eine feste Größe ist. Sein Instru­men­tarium unspek­ta­kulär. Große Trommel, Congas, Bongos, tibetische Zimbeln. Was allen­falls spekta­kulär ist, sind die mitkom­po­nierten voraus­ge­henden Bewegungs­ab­läufe. Etwa, wenn das Stück damit beginnt, dass die Arme des Schlag­zeugers Kreise beschreiben, wie schwebend in der Luft stehen, uns so mithin­ein­nehmen in die Vorbe­reitung, die Erwartung des Schlages. Nicht die Aktion, was ihr vorausgeht, bewirkt hier das Spannungs­moment. Weshalb ein hervor­ra­gender Perkus­sionist wie Matthias Würsch, der im Schluss­stück Rain Tree für Vibrafon und zwei Marimba von Toru Takemitsu vollkommen überzeugend agiert, hier gewis­ser­maßen neben dem Stück steht, muss offen­bleiben. Die Choreo­grafien wirken teils künstlich, teils wirken sie beschwörend, was sie natürlich nicht sein dürfen. Und die ganz am Schluss rituell geschla­genen Zimbeln haben vollends etwas Betuliches, unfrei­willig Komisches.

Thomas Demenga, Cello, und Björn Lehmann, Klavier – Foto © Katja Demenga-Etter

Dass das Schicksal des Konzerts damit keineswegs besiegelt ist, hängt zusammen mit einem instinkt­si­cheren Glücks­griff des Kurators einer­seits, mit einem hochfo­kus­sierten Musizieren zweier verin­ner­lichter Schlüssel-Kompo­si­tionen anderer­seits. Ins Zentrum der ersten wie der zweiten Programm­hälfte hat Patrick Demenga je einen Satz aus einem Werk platziert, das Musik­ge­schichte geschrieben hat, dem Quatuor pour la fin du Temps von Olivier Messiaen in der Besetzung Klari­nette, Violine, Violon­cello, Klavier. Inspi­riert von der Erscheinung des Engels in der Apoka­lypse des Johannes, hat Messiaen im fünften und achten Satz zwei Duos konzi­piert, die unter den Händen zweier exzel­lenter Schweizer Musiker, dem Konzert zu seiner medita­tiven Versen­kungs-Mitte verhelfen. In der Nr. 8 Louange à l’Immortalité de Jésus ist es Geiger Sebastian Bohren, der zu den von Björn Lehmann chrono­me­ter­gleich geschla­genden Klavier-Akkorden einen in höchste Lagen führenden Lobpreis musiziert. Spiegel­bildlich die Nr. 5, Louange à l’Éternité de Jésus. Hier ist es der bis in die Finger­spitzen konzen­trierte Thomas Demenga, der mit seinem Cello­spiel die Zuhörer in jene beglückte Stille versetzt, die Zen inten­diert. Niemand, der in diesen himmli­schen Augen­blicken einen Wider­spruch bemerkt, insofern da ja ausge­rechnet in einer refor­mierten Kirche zwei mystisch-katho­lische Jesus-Anbetungen zu Gehör gebracht werden. Geht alles wunderbar auf, transzen­diert auf dem Podium, in der Insti­tution des Konzerts so wie es eine Meiringer Konzert­woche insze­niert, organi­siert. Und so tritt man hinaus, taucht ein in eine friedlich den Abend erwar­tende Stadt.

Georg Beck

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