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Es ist genug

ELIAS
(Felix Mendelssohn Bartholdy)

Besuch am
21. Juni 2025
(General­probe)

 

Klassik aber frisch in der Evange­li­schen Kirchen­ge­meinde Großheide, Mönchengladbach

Im vergan­genen Januar konnte Kobie van Rensburg mit den Mitteln eines Stadt­theaters in Krefeld den Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy szenisch umsetzen. Der Aufwand war gewaltig und wurde vom Publikum goutiert. Aber braucht es das wirklich, um das belieb­teste Werk des Kompo­nisten auf die Bühne zu bringen? Für Ekaterina Porizko, künst­le­rische Leiterin von Klassik aber frisch steht außer Frage, dass man weder Projek­tionen noch Kostüme oder Regie­arbeit benötigt, um die Menschen für das Oratorium zu begeistern. Gleich­zeitig war ihr klar, dass auch sie nicht an den großen Chören vorbeikam, die Mendelssohn für die Aufführung vorsah.

Sie versam­melte den Projektchor der Evange­li­schen Kirchen­ge­meinde Großheide, den Projektchor Klassik aber frisch, die Kantorei an der Luther­kirche Düsseldorf und den Böhlen-Konzertchor, stellte ein eigenes Orchester zusammen und engagierte die Solisten, um das Oratorium aufzu­führen. Ebenfalls eine Mammut­aufgabe, Monate verbrachte das Ensemble mit Proben, ehe es am 15. Juni in der Düssel­dorfer Luther­kirche die erste Aufführung absol­vierte. Jetzt steht die zweite Aufführung in Mönchen­gladbach an.

Lydia Zborschil und Stella Antwerpen – Foto © Michael Zerban

Die Johan­nes­kirche in Mönchen­gladbach ist das Gotteshaus der Evange­lisch-luthe­ri­schen Kirchen­ge­meinde Großheide im gleich­na­migen Stadtteil. Eine kleine, moderne Kirche, die nicht mehr die Kühle älterer Sakral­bauten aufweist. Trotzdem ist sie allein mit Orchester, Chören und Solisten bereits bis zur Hälfte dicht besetzt. Zur offenen General­probe sind erstaunlich viele Besucher erschienen, die es sich in dem schmalen Kirchen­schiff bequem machen. Im Allge­meinen versteht man unter einer General­probe einen Gesamt­durchlauf, der nicht durch­brochen wird. In einer Abschluss­be­spre­chung werden dann noch einmal wesent­liche Punkte besprochen, ehe die Aufführung – an größeren Häusern in der Regel am übernächsten Tag – beginnen kann. Deshalb ergreift Porizko vor Beginn der Probe das Wort, um dem Publikum zu erklären, dass es sich hier um eine Mischung aus General- und Auffrisch­probe handelt, man also auch mit Unter­bre­chungen rechnen müsse. Dass Porizko in musika­li­schen Dingen als Perfek­tio­nistin gilt, braucht hier nicht betont zu werden.

Und dann kann es losgehen mit der Geschichte vom alttes­ta­men­ta­ri­schen Propheten Elias. 1837 erwähnt Mendelssohn Bartholdy erstmals in einem Schreiben an einen Jugend­freund, dass er sich mit dem Gedanken trage, ein Oratorium über den Propheten, der ihm „stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster“ erschien. Fast zehn Jahre sollte es dauern, bis das Werk mit „recht dicken, starken, vollen Chören“ fertig­ge­stellt war, ehe eine erste Fassung am 26. August 1846 beim Birmingham Triennal Music Festival urauf­ge­führt werden konnte. Und es geht düster los. Elias kündigt eine sieben­jährige Dürre an. Verzweifelt klagt das Volk über die verlorene Ernte, lässt sich auch vom Trost Obadjahs, eines Mitstreiters des Propheten nicht beein­drucken. Ein Engel fordert Elias auf, nach Zarpath zu einer dort lebenden Witwe aufzu­brechen, die ihn anfleht, ihren todkranken Sohn zu heilen. Elias trägt den Wunsch dreimal Gott vor und wird erhört. Anschließend geht es zur Rettung des Volkes. Bereits nach drei Jahren wolle er die Dürre beenden, sagt Elias und ruft die Ungläu­bigen auf den Berg Carmel, wo sich erweisen soll, welcher Gott der rechte ist. Er lässt die Propheten des Gottes Baal ergreifen und töten. Seine alttes­ta­men­ta­rische Zorne­sarie mit ihrem hetze­ri­schen Inhalt ist bis heute umstritten. Dann gibt es endlich das Regen­wunder. Drei Mal muss Elias einen Knaben ausschicken, der jedes Mal ohne gute Nachricht zurück­kehrt. Aber dann taucht die Gewit­ter­wolke doch noch auf und bringt den ersten Teil des Orato­riums zum guten Ende.

Matthias Horn – Foto © Michael Zerban

Im zweiten Teil geht es für den Propheten stressig weiter. Zwar erfährt das Volk Israel Mut und Zuspruch, aber Elias wird von Königin Isebel gejagt. „Es ist genug“, weiß Elias in seiner Arie, die ihr Vorbild im Es ist vollbracht in Johann Sebastian Bachs Johan­nes­passion findet. Er geht auf Geheiß eines Engels zum Berg Horeb, wo es zur Begegnung mit Gott kommt. Seine Himmels­fahrt ist von Zuver­sicht begleitet. Und es endet in der Sicht­weise Mendels­sohns, der in Elias einen ersten Messias sah, auf den Jesus nun folgen kann.

Die teils opern­haften Züge des Orato­riums ergeben sich aus den verteilten Rollen und einer Musik, die eine Bandbreite zwischen Theatralik, Dramatik und Program­matik zeigt. Nicht umsonst entwi­ckelte sich das letzte Meisterwerk Mendels­sohns zu seinem bekann­testen und belieb­testen. Und auch in der Johan­nes­kirche entfaltet sich alsbald der Zauber der Geschichte. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass es Porizko gelungen ist, hervor­ra­gendes Personal zusam­men­zu­stellen. Angefangen bei ihrem Orchester, das sich gefügig und mit rascher Auffas­sungsgabe den Wünschen der Dirigentin anheim­stellt. Die Choristen sind ohnehin mit Feuer­eifer dabei, obwohl ihnen schon zu Beginn der Schweiß über die Körper rinnt. Bei einer Auffüh­rungs­dauer von mehr als zweieinhalb Stunden ist allein schon die Kondition bewun­dernswert, von den gesang­lichen Höhen­flügen ganz zu schweigen. Und nicht zuletzt begeistern die Solisten. Als Elias tritt Bariton Matthias Horn an und zeigt, dass mehr geht als der rein musika­lische Vortrag, wenn er etwa die bittere Ironie im „Ruft lauter!“ zum Ausdruck bringt. Wortver­ständlich präsen­tieren sich ohnehin alle Solisten, dafür ein großes Kompliment auch an den Nachwuchs-Tenor Grigorij Andriulis, der die Damen im Publikum wohl nicht nur seines Gesangs wegen, sondern auch mit einer ätheri­schen Schönheit begeistert. Sopra­nistin Lydia Zborschil hegt ohnehin eine große Liebe zu Chorwerken, unter­stützt als Stimm­bild­nerin auch verschiedene Chorge­mein­schaften und inter­pre­tiert voller Leiden­schaft die Witwe. Ein Glück, das auch Altistin Stella Antwerpen wieder dabei ist, die man schon aus Porizkos Matthäus-Passion kennt. Bei ihr liegt der Zorn der Königin nicht nur im Gesang, sondern auch im Blick, dass man erschrecken möchte. Eine Glanz­leistung. Für viel Freude sorgt nicht zuletzt Maxim Fedorov, der den Knaben mit großem Eifer darbietet.

Nun kann also die Aufführung am 22. Juni um 17 Uhr kommen. Und es ist Ekaterina Porizko und ihren so engagierten Mitstreitern zu wünschen, dass sich möglichst viele Menschen trotz der Hitze nach Großheide in die Johan­nes­kirche begeben, um ein wirklich außer­ge­wöhn­liches Erlebnis zu genießen.

Michael S. Zerban

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