O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Mut wird belohnt

FESTLICHES KONZERT FÜR ORGEL UND ORCHESTER
(Diverse Komponisten)

Besuch am
10. November 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Pfarr­kirche St. Helena, Mönchengladbach 

Da stehst du an einem Wochentag vor der Pfarr­kirche St. Helena. Die befindet sich im Mönchen­glad­bacher Stadtteil Rheindalen. Irgendein Vorort in Nordrhein-Westfalen, in den man sich nach getaner Arbeit in den umlie­genden Städten zurück­zieht, um sein Eigenheim zu genießen. Mit den Jahren ist hier eine Infra­struktur entstanden, die Fahrten in die umlie­genden Stadt­teile überflüssig macht. Die Straßen sind verkehrs­be­ruhigt. Es ist alles in Ordnung in Rheindalen. Auf der Werbe­tafel vor der Kirche wird ein Konzert angekündigt, das eigentlich alles verspricht, was man nicht braucht. Ein festliches Konzert für Orgel und Orchester mit Werken der Kompo­nisten Denis Bédard, Arnold Schönberg und Francis Poulenc. Und das auch noch eine Jubilä­ums­feier für das 35-jährige Bestehen der Seifert-Orgel. Nein, es gibt wirklich keinen ernst­haften Grund dafür, am Sonntag­nach­mittag in die Kirche zu gehen. Auch dann nicht, wenn freier Eintritt versprochen wird. Der wird ja inzwi­schen immer häufiger mit dem Zusatz angeboten, dass um eine „angemessene“ Spende gebeten wird, so auch hier. Der neueste Trend, um GEMA-Gebühren zu entgehen, die so hoch sind, dass eine kleinere Veran­staltung gar keine Chance hat, einen Gewinn zu erzielen, der nicht sofort von diesen Gebühren aufge­fressen wird.

Reinhold Richter – Foto © O‑Ton

Wenn die Kirche am Sonntag­nach­mittag trotzdem sehr gut besucht ist, mag das am Vertrauen der Besucher in den Kantor Reinhold Richter liegen, der sie musika­lisch noch nie enttäuscht hat, auch wenn nicht immer nur der Kanon auf dem Programm­zettel auftaucht. Seit 1982 kümmert der studierte Kirchen­mu­siker und Organist sich als Kantor um die musika­li­schen Belange der Kirche. Heute hat Richter sich für das festliche Konzert für Orgel und Orchester Hilfe geholt. Ihm zur Seite steht – nicht zum ersten Mal – die Camerata Gladbach. 2014 wurde das Kammer­or­chester in offener Formation von Johanna Brinkmann und Tanja Chere­pashchuk gegründet, das sich zu großen Teilen aus Mitgliedern der Nieder­rhei­ni­schen Sinfo­niker zusammensetzt.

Die versammeln sich in der drang­vollen Enge der Orgel­empore, um mit Denis Bédards Konzert für Orgel und Streich­or­chester zu beginnen. Aus dem Jahr 2000 stammt das Werk, das Streicher und Orgel in einen Dialog bringen möchte. Auch wenn das Zwiege­spräch kompo­si­to­risch eher hölzern klingt, ist das Stück eingängig, einfach struk­tu­riert und mit 20 Minuten durchaus überschaubar. Streicher und Organist schöpfen die Möglich­keiten voll aus und schicken einen wunder­baren Klang in das Kirchen­schiff. Gewöh­nungs­be­dürftig ist, dabei auf einen leeren Altarraum zu blicken.

Das ändert sich beim nächsten Programm­punkt. Die 18 Streicher der Camerata Gladbach steigen in den Altarraum hinunter. Und sorgen für eine Überra­schung. Denn Richter, der an sich ein Freund von Gegen­warts­musik ist, hat sich von Arnold Schönberg nicht etwa ein Beispiel der Zwölfton-Technik ausge­sucht, sondern mit Verklärte Nacht ein spätro­man­ti­sches Frühwerk des Kompo­nisten ausge­wählt. Im Herbst 1899 kompo­nierte Schönberg während eines Ferien­auf­ent­haltes im nieder­ös­ter­rei­chi­schen Paybach sein halbstün­diges Strei­cher­konzert auf der Grundlage des gerade mal fünf Jahre zuvor erschie­nenen, gleich­na­migen Gedichts von Richard Dehmel. Dass die Camerata Gladbach, die eigentlich eher dazu tendiert, sich selbst zu organi­sieren, zur Aufführung dieses Werks auf einen Dirigenten zurück­greift, ist durchaus kein Zeichen von Schwäche, sondern eher der Wunsch, das komplexe wie wunder­schöne Werk in höchster Perfektion darzu­bieten. Mit Yorgos Ziavras haben die Musiker einen Musika­li­schen Leiter ausge­wählt, mit dem sie nicht nur wiederholt zusam­men­ge­ar­beitet haben, sondern der auch höchst engagiert die Finessen dieser Tondichtung heraus­ar­beitet. Ein großar­tiges Erlebnis, für das der Altarraum akustisch wie erschaffen scheint.

Yorgos Ziavras – Foto © O‑Ton

Hernach zieht das Orchester sich wieder auf die Orgel­empore zurück, um gemeinsam mit Reinhold Richter Francis Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauken aus dem Jahr 1938 aufzu­führen. Für Orgel­konzert-Liebhaber sicher kein unbekanntes Werk, zeigen Richter und seine Mannen hier noch einmal die ganze Strahl­kraft des etwa 23-minütigen Stückes auf. Inzwi­schen haben auch die Besucher sich auf die Situation einge­stellt, dass vor ihnen nichts zu sehen ist. Viele vertiefen sich in die Programm­zettel, die trotz einfachster Machart eine vorbild­liche Rundum-Infor­mation bieten, andere lassen sich mit geschlos­senen Augen von der zart darge­bo­tenen Musik in andere Sphären treiben.

Ein Musik­erlebnis, das ganz ohne die allzu bekannten Stücke auskommt, keine Konzert­halle braucht, um den Zuhörern die heiligen Schauder über den Rücken zu treiben, die Musik mitunter auszu­lösen in der Lage ist. Organist, Orchester und Dirigent dürfen sich zu Recht lang und ausgiebig feiern lassen. Die Feier­lich­keiten zum 35-jährigen Bestehen der Seifert-Orgel in Form einer Konzert­reihe haben damit einen würdigen Abschluss gefunden. Und damit beginnt für das Publikum erneut die Suche nach den Pretiosen, die Sonntag­nach­mittage bieten, wenn man nur die Augen und Ohren offenhält.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: