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SALOME
(Richard Strauss)
Besuch am
22. September 2019
(Premiere)
Ein so anspruchsvolles und alles andere als leicht zu besetzendes Werk wie Salome, Richard Strauss‘ dekadenter Reißer um Sex and Crime, stellt selbst große Häuser vor erhebliche Herausforderungen. Dass das Theater Krefeld Mönchengladbach seine Saison im Theater Rheydt mit einer musikalisch herausragenden und auch szenisch weitgehend schlüssigen Neuinszenierung des einstigen Skandalstücks eröffnen kann, spricht für das künstlerische und organisatorische Potenzial unserer kleineren und mittleren Häuser, die in Konkurrenz zu Metropolen wie Köln, Düsseldorf und Essen kaum zurückstecken müssen.
Musikalisch gibt es an der neuen niederrheinischen Salome so gut wie nichts auszusetzen. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson entlockt den Niederrheinischen Symphonikern ein Feuerwerk an spannungsgeladener Energie und klanglichem Farbenreichtum. Dem noch sehr jungen Ensemblemitglied Dorothea Herbert in der Titelrolle kauft man den ebenso verwöhnten wie emotional vernachlässigten und orientierungslosen Backfisch ohne Einschränkungen ab. Stimmlich meistert die sie Strapazen der Rolle nahezu perfekt und mühelos. Ein Riesentalent, dem man trotzdem raten sollte, sich nicht mit solch extremen Partien die Stimme vorzeitig zu ruinieren. Dvořáks Rusalka, die demnächst auf ihrem Terminkalender am Niederrhein steht, dürfte der Entwicklung ihrer hoffnungsvollen Stimme dienlicher sein.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Eine Glanzleistung als darstellerisch und gesanglich messerscharf charakterisierender Herodes liefert Markus Petsch als einer der ganz wenigen Gäste der Produktion. Ansonsten sind alle Rollen mit hauseigenen Kräften geradezu brillant besetzt. Sowohl der stimmgewaltige Johannes Schwärsky als Jochanaan als auch David Esteban als Narraboth mit seiner erlesenen Stimmkultur. Und Eva Maria Günschmann als Herodias singt ihre Partie ohne hysterische Allüren mit ihrem wohlklingenden Mezzo ebenso sensibel wie pointiert aus. Zudem überzeugt sie als schillernde Grande Dame der dekadenten Gesellschaft mit mondäner Hintergründigkeit.
Regisseur Anthony Pilavachi bleibt dem Libretto erfreulich treu. Dass am Ende Herodes durch einen Pistolenschuss seiner Tochter das Zeitliche segnen muss, ist der einzige fragwürdige Eingriff in seine ansonsten sehr genau durchdachte und ausgeführte Inszenierung. Der im frühen 20. Jahrhundert angesiedelte Fin-de-Siècle-Salon, dessen Klimt-goldene Portale die graue Atmosphäre des Vorhofs, in dessen Zisterne Jochanaan schmachtet, nur unvollständig kaschieren können, gehört zu den etlichen guten Einfällen des Bühnen- und Kostümbildners Markus Meyer. Auf der Empore werden Sektflöten geschwenkt, im Vorhof kommt es zu den konfliktreichen Begegnungen Salomes mit dem rätselhaften Propheten.
Jede Figur erhält ein genaues Profil, so dass ein überzeugender Opernabend ohne jede Spannungseinbuße garantiert ist. Problematisch bleibt der für jede Sängerin berüchtigte Tanz der sieben Schleier. Da hätten sich für den angedeuteten Striptease der tänzerisch nicht ganz so begabten Dorothea Herbert freundlichere Lösungen und Kostüme finden lassen können.
Großer, langanhaltender Beifall für eine in nahezu jeder Hinsicht sehens- und vor allem hörenswerte Salome.
Pedro Obiera