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Foto © O-Ton

Frauenversteher Goethe

VON FRAUENHAND VERTONT
(Susanne Seefing)

Besuch am
29. März 2018
(Premiere)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Studio Theater Rheydt

Es lohnt sich immer, die Programme der Häuser mit Musik­theater ganz genau zu studieren. Häufiger, als man denkt, finden sich dort auch kleinere Veran­stal­tungen, für die kaum geworben wird, weil sich das selten rechnet. Aber oft verbergen sich dahinter wahre Schmuck­stücke. So wie jetzt im Theater Mönchen­gladbach-Rheydt, das zu einem Lieder­abend auf die Studio­bühne bittet.

Susanne Seefing wurde in Bremen geboren, studierte in Düsseldorf und Detmold Gesang, um anschließend in Hamburg eine Musical­aus­bildung zu absol­vieren. Vor 15 Jahren begann sie, als lyrische Mezzo­so­pra­nistin im Ensemble des Theaters Krefeld Mönchen­gladbach zu arbeiten und gehört seither dort zu den Publi­kums­lieb­lingen. Jetzt hat sie auf Anregung ihres Opern­di­rektors, Andreas Wendholz, das Konzept für den szeni­schen Lieder­abend Von Frauenhand vertont entwi­ckelt und ihn auch insze­niert. Vorge­tragen werden nahezu ausschließlich Gedichte von Goethe, die von Frauen zu Liedern verar­beitet wurden. Frauen, die kompo­nieren? Es gab sie, auch wenn nur zwei nicht gänzlich dem Vergessen anheim­ge­fallen sind. Fanny Hensel und Clara Schumann werden zwar deshalb kaum häufiger gespielt, stehen aber für ein geändertes Bewusstsein. Einen wichtigen Schritt in dieser Richtung unter­nimmt Seefing an diesem Abend. Und sie stellt Goethe als den großen Frauen­ver­steher in den Vordergrund.

Die Bühne wirkt schnu­ckelig. Der Flügel ist linkerhand aufgebaut und mit Kande­laber und Blumen­schmuck versehen. Davor ein Tisch mit zwei Stühlen. Am rechten Bühnenrand steht eine stilis­tisch nicht ganz passende Gartenbank, die aber verdeut­licht, dass es sich hier um verschiedene Stationen handelt. Mittig die Andeutung des Arbeits­zimmers von Johann Wolfgang von Goethe mit Schreib­tisch und antiker Vitrine. Davor eine Freifläche, die den Akteuren Raum für Bewegung bringt und mit Laub und Noten­blättern überstreut ist. Die betreten nachein­ander die Akteure in einer lobens­werten Mischung aus Ensemble und Operstudio, während Yorgos Ziavras eine Serenade von Pauline Viardot am Flügel vorträgt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Viardot lebte im 19. Jahrhundert als Opern­sän­gerin, Gesangs­päd­agogin, Operetten- und Liedkom­po­nistin. Sie war Schülerin von Franz Liszt und eine enge Freundin Clara Schumanns. Auch Corona Schröter war Sängerin, eine gute Freundin von Goethe und kompo­nierte als erste seinen Erlkönig. Der wird nun von Agnes Thorsteins vorge­tragen, aber da bleiben Wünsche in der Textver­ständ­lichkeit offen. Besser läuft es im Duett O Mutter, guten Rat mir leiht mit Markus Heinrich. Der Tenor übernimmt auch die Rolle Goethens, wenn in einge­streuten Textse­quenzen wie Brief­wechseln, Origi­nal­zi­taten, die teils aus dem Off einge­sprochen werden oder auch frei erfun­denen Dialogen schau­spie­le­rische Quali­täten vonnöten sind. Er tritt als einziger im zeitge­nös­si­schen Kostüm und mit Perücke auf. Susanne Seefing trägt ein Fantasie-Kostüm, während die übrigen Betei­ligten sich in mehr oder minder dunkler Abend­gar­derobe auf der Bühne bewegen.

Panagiota Sofro­niadou – Foto © O‑Ton

Josephine Lang war mit Felix und Fanny Mendelssohn-Bartholdy befreundet und arbeitete als Sängerin und Liedkom­po­nistin. Ihre Lieder werden vom Bariton Alexander Kalina und der Sopra­nistin Panagiota Sofro­niadou vorge­tragen. Dass beide im Opern­studio sind, kann man zur Kenntnis nehmen. Längst sind sie über den Status der Auszu­bil­denden hinaus­ge­wachsen. Das gilt auch für Alexander Liu, der als Tenor die vollkommen unbekannte Jeanette Bürde als Kompo­nistin mit Heide­röslein und Mathilde Kralik von Meyrs­waldens Wanderlied, das erst nach dem Tode Goethes entstand, vorstellt.

Selbst­ver­ständlich gibt es auch Lieder von Clara Schumann und Fanny Hensel, darunter vergessene Gassen­hauer wie Italien, das nach dem Text von Franz Grill­parzer entstand, oder Sehnsucht nach Italien, das Seefing selbst übernimmt. Neben dem Wieder­erken­nungswert, für den man aller­dings schon einige Jahre auf dem Buckel haben muss, gilt es aber auch für Heinrich, das Lied des Harfners in einer Fassung von Annette von Droste-Hülshoff vorzu­stellen, und für Thorsteins, Helene Liebmanns Fassung von Mignon vorzu­tragen. Heinrich ist es auch, der ein Lied vorstellt, das von der Kompo­nistin im Jahr 1984 im Alter von 15 Jahren für einen Tenor verfasst wurde, so wird es erzählt. Der Name des Liedes: Gefunden. Der Name der Kompo­nistin: Susanne Seefing. Schöne Idee.

Am Ende eines wunderbar tiefen­ent­spannten Abends wird stimmig Wenn ich mir in stiller Seele von Fanny Hensel nach einem Gedicht, das Goethe ihr gewidmet hat, von allen Sängern vorge­tragen. Die Zugabe ist Hensels März. Absolut gelungen. Wie der gesamte Abend.

Karsten Seefing hat am Klavier ganze Arbeit geleistet, die Sänger haben neben ihrer Arbeit auch anspruchs­volle Texte überwiegend klaglos rezitiert und das Publikum applau­diert am Ende herzhaft, nachdem es in den vergan­genen 70 Minuten nicht genau wusste, ob es nach jedem Lied zu klatschen hat oder nicht. Immerhin, der gute Wille war da.

Ein großes Kompliment geht an Susanne Seefing, die ein schönes Stück geschaffen und Geschichte gekonnt aufge­ar­beitet hat.

Michael S. Zerban

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