O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Ein letztes Fest

VOYAGES NATURELS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
20. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Nieder­rhein-Musik­fes­tival, Kirche Wickrathberg, Mönchengladbach

Zum Abschluss darf es in jeder Hinsicht etwas Beson­deres sein. Findet Anette Maiburg, künst­le­rische Leiterin des Nieder­rhein-Musik­fes­tivals, und lädt zum Abschluss­konzert des diesjäh­rigen Festivals zwei Meister ihres Fachs an einen beein­dru­ckenden Spielort ein. Inmitten eines eher unschein­baren Mönchen­glad­bacher Stadt­teils liegt die Kirche Wickrathberg, ein Juwel der Kirchen­bau­kunst. Der sakrale Bau aus dem 11. Jahrhundert gilt als das am besten erhaltene Kirchen­ge­bäude am linken Nieder­rhein und älteste Kirche im Mönchen­glad­bacher Stadt­gebiet. Von außen eher unscheinbar, entwi­ckelt die Kirche ihre ganze Schönheit im Innenraum. Ganz in weiß gehalten, verleihen Rokoko-Verzie­rungen in Form goldener Ranken dem Raum schlichte Eleganz. Die Patro­natsloge, gerne Grafen­stuhl genannt, ragt mächtig in das Kirchen­schiff hinein, wirkt aber eher anhei­melnd wie ein falsch herum einge­bauter Winter­garten. Kristallene Lüster verbreiten ein anhei­melndes Licht. Hier kann man sich wohlfühlen, um seinem Gott näher­zu­kommen und seiner Gnade zu überlassen. Der Altarraum ist geräumt und bietet eine schöne Bühne, wenn auch zahlreiche Säulen die Sicht einschränken. Aber so richtig stört das keinen der zahlreichen Besucher, die sich in enge Bankreihen zwängen.

Foto © O‑Ton

Obwohl er – neben zahlreichen anderen Wettbe­werbs­er­folgen – den ersten Preis beim ARD-Musik­wett­bewerb gewonnen hat, kennt man ihn in Deutschland kaum. Außer beim Nieder­rhein-Musik­fes­tival, wo er seit vielen Jahren immer wieder auftritt. Seine Karriere als Solo-Harfenist spielt sich aller­dings eher in Frank­reich und Amerika ab. Dort ist Emmanuel Ceysson umso bekannter. Als Solist war er in allen namhaften Konzert­sälen zuhause. Heute ist er als Harfenist beim Los Angeles Philhar­monic beschäftigt, wo er sich gegen 70 Mitbe­werber im anony­mi­sierten Vorspiel durch­setzte. Wenn aller­dings Freundin Anette ruft, reist er schon mal von LA nach Paris, um seine eigens für ihn angefer­tigte, markant rot bemalte Harfe in den Trans­porter zu packen und nach Wickrathberg zu fahren. Auch das zeichnet das Nieder­rhein-Musik­fes­tival aus. Musiker von Weltrang reisen in die nieder­rhei­nische Provinz, um dort an vergleichs­weise kleinen Spiel­stätten aufzu­treten, als sei es das Normalste und Vergnüg­lichste auf der Welt.

Unter dem Titel Voyages naturels, was man vielleicht am ehesten mit Reisen zur Natur übersetzen könnte, haben die beiden Musiker ein Programm zusam­men­ge­stellt, das den Abschluss des diesjäh­rigen Festivals würdigt. Zur visuellen Unter­stützung haben sie die Tänzerin Chiara Jovy einge­laden. Die hat in Mannheim studiert, war an der Deutschen Oper am Rhein beschäftigt, ehe sie sich für eine freibe­ruf­liche Tätigkeit als Tänzerin und Tanzpäd­agogin entschied. Für das Abschluss­konzert hat sie eigene Choreo­grafien entwi­ckelt und einstudiert.

Foto © O‑Ton

Nach einer lieblich gespielten Einführung mit Claude Debussys Nuit d’Etoiles – Sternen­nacht – für Harfe und Querflöte, geht es mit himmli­schen Klängen ins Boot. Zu Debussys En bateau zeigt Jovy ihr Spiel mit einem Seidentuch. Ein gelun­gener Auftakt. Ceysson führt etwas handfester in die Bandbreite des Harfen­spiels mit der Kompo­sition des Harfe­nisten Albert Zabel Am Spring­brunnen. Mit Maiburg präsen­tiert er die Suite en duo von Jean Cras, einem breto­ni­schen Kompo­nisten und Konter­ad­miral. Da geht es aller­dings weniger militä­risch als viel eher tänze­risch zu. Erfri­schend schwungvoll werden die vier Sätze inter­pre­tiert, die durch extra­va­gante Tonfolgen ständig neue Aufmerk­samkeit erregen. Nach Robert Schumanns Nussbaum aus dem Lieder­kreis Myrthen, der ein wenig blass daher­kommt, darf Jovy zu Franz Schuberts Forelle mit einem Fisch tanzen, der in der Größe aller­dings eher an einen Karpfen erinnert. Ein hübscher Spaß.

Auch bei diesem Konzert sorgt ein Förderer dafür, dass die Gäste in der Pause mit Getränken versorgt werden. Zum festlichen Anlass beschränkt man sich diesmal auf Wein und Wasser. Und so kann das Publikum sich frisch gestärkt wieder auf Claude Debussy einlassen. Nach der Arabesque No. 1 hat Jovy zu Syrinx für Flöte solo und Tanz einen weiteren großen Auftritt – im dritten und glanz­vollsten Kostüm. Ceysson begeistert anschließend mit Alphonse Hasselmans‘ La source – Die Quelle – ehe Maiburg sich wieder dazuge­sellt, um Joseph Kosmas Autumn Leaves, also die Herbst­blätter, zu Gehör zu bringen. Eines der schönsten Stücke des Abends kennt man eigentlich nur vom Klavier. Der Vogel als Prophet aus den Waldszenen von Robert Schumann gewinnt bei Flöte und Harfe enorm. In der Inter­pre­tation von Maiburg und Ceysson fühlt man sich eher an ein italie­ni­sches Liebeslied erinnert, das man gern an der Costiera Amalfitana in Abend­stimmung genießt.

Mit der Panflöte, einem dreisät­zigen Werk von Jules Mouquet, wird es fast geheim­nisvoll, während die Flöte mit Staccatos und Trillern für Aufmerk­samkeit sorgt. Dass das Trio dann zur Zugabe kommt, ohne dass Maiburg ein paar Worte des Abschieds oder wenigstens der Vorfreude auf das kommende Jahr findet, ist ein klitze­kleiner Wermuts­tropfen, der von Franz Schubert mit seinem Ständchen aus dem Schwa­nen­gesang aufge­fangen wird. Ein letztes Mal bewegt sich Jovy anmutig zu den Klängen von Maiburg und Ceysson, dann beendet noch einmal rauschender Applaus ein wunderbar farben­reiches Konzert, das in einer gelun­genen Mischung aus bekannten und weniger bekannten Kompo­nisten für viel Abwechslung sorgt. So wird man das Nieder­rhein-Musik­fes­tival in seiner diesjäh­rigen Ausgabe in mehr als guter Erinnerung behalten.

Michael S. Zerban

Zusätz­liche Impres­sionen des Abends gibt es hier.

Teilen Sie O-Ton mit anderen: