O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Global Improviser Orchestra - Foto © O-Ton

Spaß trotz Wetterkapriolen

STRENGT EUCH AN, TAG 2
(Tim Isfort et al.)

Besuch am
8. Juni 2019
(Verschiedene Aufführungen)

 

Moers-Festival, Festi­val­halle, Festi­valdorf, Schlosstheater

Sonnig und bewölkt, Tempe­ra­turen knapp unter 20 Grad. Schön wäre, wenn die Wetter­vor­hersage für den zweiten Tag des Moers-Festivals unter dem Motto Strengt euch an! stimmte. Wer sich nämlich ganz und gar nicht anstrengt, ist das Wetter am Nieder­rhein. Perma­nente Regen­schauer, eine kräftige Brise und Tempe­ra­turen, die kaum über die 17 Grad hinaus­reichen, sorgen dafür, dass die Festi­val­leitung zum Krisen­ma­nagement wird. Das Team um den Künst­le­ri­schen Leiter Tim Isfort bekommt also wenig Gelegenheit mitzu­feiern, sondern muss sämtliche Alter­na­tiv­pläne aus der Schublade ziehen, was Open-Air-Veran­stal­tungen angeht, die ja eigentlich das Salz in der Suppe eines solchen Festivals sind. Das gelingt vorbildlich. Und wer als Besucher in den vollen Genuss der guten Planung kommen will, ist gut beraten, die App zum Festival auf sein mobiles Telefon zu laden. Denn dort pflegt der Freiwillige Lennart Fischer regel­mäßig und zeitnah alle Verän­de­rungen im Spielplan ein. Großes Lob auch für dieses zeitgemäße Engagement. Dass es trotzdem Pannen gibt, wird sich erst später zeigen.

Dag Magnus Narversen, Emilio Gordoa – Foto © O‑Ton

Bereits seit elf Uhr am Morgen geht das Festival weiter. Bei den Moers Sessions finden sich verschiedene Künstler in ungewöhn­lichen Forma­tionen zusammen, um neue Musik zu kreieren. Im eher familiären Kreis kommen die Besucher hier in einen beson­deren Hörgenuss. Auch die Diskus­sionen, heute am Mittag zum Thema Heimat-Varia­tionen, gehören zu den ursprüng­lichen Programm­punkten, die das Festival von anderen abhebt. Und schließlich gibt es ebenfalls am Vormittag bereits Veran­stal­tungen in der Rubrik moersify – das sind Konzerte, die an ungewöhn­lichen Spiel­stätten im Stadtkern statt­finden und das Festival noch stärker in die Stadt einbinden sollen.

Wir steigen am frühen Nachmittag wieder im Festi­valdorf an der Außen­bühne in das Geschehen ein. Hier gibt es – noch ehe die Sonne bis zum späten Abend in Pause geht – Spatzen­schwatzen von der Gruppe Welten­ent­decker. Dahinter verbirgt sich die Sängerin Nadja Karasjew, die mit Tobias Sykora am Cello und Laura Hiller an der Gitarre fröhlich-frische Kinder­lieder zum Besten gibt und mit mehr oder weniger Erfolg versucht, die Kinder vor der Bühne zum Mitmachen zu bewegen. Dann aber steht der Nachmittag im Zeichen der Impro­vi­sation. In der Festi­val­halle tritt Emilio Gordoas Move-Quintet an. Zur Erinnerung: Gordoa ist der diesjährige impro­viser in residence. Unter seiner Ägide treten Sopran­sa­xo­fonist Harri Sjöström, Achim Kaufmann am Klavier, Bassist Adam Pultz Melby und Dag Magnus Narversen als Schlag­zeuger an, um ihr Impro­vi­sa­ti­ons­ver­mögen unter Beweis zu stellen. Die Halle ist deutlich besser besucht als am Vortag, und so fällt der Applaus entspre­chend stärker aus. Vergleichs­weise gut besucht ist auch die nächste Aufführung, die wiederum auf der Außen­bühne im Festi­valdorf gezeigt wird.

Thiago França auf der Außen­bühne – Foto © O‑Ton

Pünktlich setzt der Regen ein, als Thiago França, der am Vorabend bereits als Tenor­sa­xo­fonist und Flöten­spieler begeis­terte, in Begleitung des Bassisten Marcelo Cabral, des Gitar­risten Rodrigo Campos und des Schlag­zeugers Thomas Harres sein Sambanzo zu Gehör bringt. Da klingen vielver­spre­chend die Samba und der Tanz im Titel mit. Und genau da liegt die Stärke des Projekts. Von den Samba-Einflüssen gibt es aller­dings zu wenig zu hören. Trotzdem bleiben die Besucher hartnäckig bis zum Ende der Aufführung im Regen stehen, in den sich ein kalter Wind mischt. Da ist es gut, wieder in die von Schein­werfern aufge­heizte Festi­val­halle zu kommen. Hier bittet Isfort die Fotografen um die nötige Zurück­haltung. Tatsächlich erweisen sich die allmählich als Plage. Kaum erlöschen die Saallichter, strömen zehn bis fünfzehn Fotografen an den Bühnenrand, um dort hartnäckig den Zuschauern die Sicht zu versperren. Natürlich sind Bilder für eine vernünftige Bericht­erstattung unerlässlich. In Moers entsteht aller­dings eher der Eindruck, Teilnehmer eines Foto-Events zu sein, bei dem sämtliche Hobby-Fotografen des Nieder­rheins ihr Stell­dichein geben. Profis verhalten sich extrem unauf­fällig und ziehen sich schnell zurück, wenn sie ihr Material gesichert haben. Davon ist in Moers nichts zu erkennen. Hier wird man für die Zukunft über die Akkre­di­tie­rungs­praxis nachdenken müssen. Geradezu trotzig gehen die Fotografen nach der Bitte Isforts wieder in Stellung, als das Global Impro­viser Orchestra die Bühne betritt.

Der Auftritt der gemischten Formation wird einer der Höhepunkte des zweiten Festi­val­tages. Musiker aus neun Ländern kommen zusammen, um den Besuchern die ganz große Impro­vi­sation zu Gehör zu bringen: Valentin Garvie an der Trompete, Jan Klare am Altsa­xofon, Bex Burch zeigt noch einmal die Stärken der Gyil, Sein Hla Myaing trommelt, Owen Gardner spielt die Gitarre, Pieter Theuns die Theorbe, Yegor Zabelov zeigt, was alles in einem Akkordeon steckt, Andrea Taeggi steuert die elektro­ni­schen Klänge bei, Luke Stewart traktiert mit ungewöhn­lichen Griff­kom­bi­na­tionen seinen Bass und Mariá Portugal entzückt an den Schlag­in­stru­menten. Größte Begeis­terung entsteht beim Solo von Myaing, der 21 hufei­sen­artig angeordnete Trommeln aus Burma händisch bearbeitet.

Angelika Niscier – Foto © O‑Ton

Der letzte Besuch des Tages führt in das Schloss­theater Moers. Dorthin ist die Aufführung des Angelika Niescir New York Trio verlegt worden. Und hier klafft die Lücke im System. Der Auftritt wird wegen schlechten Wetters in das Theater verlegt. Und dann werden die Besucher wortwörtlich im Regen stehen­ge­lassen. Nicht nur, dass der Einlass erst fünf Minuten vor Beginn der Veran­staltung vorge­sehen ist, verzögert er sich auch noch um zehn Minuten. Da hat jemand deutlich gepennt und die Besucher vor lauter Veran­stal­ter­ehrgeiz nicht mehr gesehen. Schließlich sitzen aber doch alle in dem gemüt­lichen Theater, das bis zum letzten, zusätzlich bereit­ge­stellten Sitzplatz besetzt ist. Die Stühle sind tribü­nen­artig angeordnet, so dass keiner Angst vor dem Sitzriesen vor ihm haben muss. Die Anzahl der Schein­werfer lässt auf vielfältige Beleuch­tungs­mög­lich­keiten schließen. Davon wird an diesem Abend kein Gebrauch gemacht. Im Standard­licht treten Angelika Niscier am Altsa­xofon, Chris Tordini am Bass und Gerald Cleaver am Schlagzeug an, um insbe­sondere die Virtuo­sität der Saxofo­nistin zu zeigen. Tempo, Fantasie und Themen­vielfalt begeistern hier das Publikum. Auch hier vergeht die Zeit im Flug, aber Niscier verspricht für den kommenden Tag einen weiteren Auftritt.

Das Festival geht mit durchweg inter­es­santen Angeboten, teilweise gnadenlos konkur­rierend, noch bis tief in die Nacht hinein. Und der nächste Tag wartet schon.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: