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Keine Kunst, sondern einfach schlecht gefilmt - Bildschirmfoto

Livestream ist zu wenig

Am vierten Festival-Tag fällt der Blick auf den Ort der Rezeption, der in diesem Jahr nicht mit dem Ort der Aufführung identisch ist. Im Internet kann das Publikum die Konzerte erleben und darauf reagieren. Die Stich­probe des kosten­losen Vergnügens ergibt: Hier herrscht noch viel Verbes­se­rungs­bedarf bei allen Beteiligten.

Wer gerne Kamera­leute bei einer Übertragung sieht, ist bei Arte Concert richtig – Bildschirmfoto

Gefühlt seit 1995 haben sich die Kultur­schaf­fenden standhaft geweigert, sich mit dem Internet ausein­an­der­zu­setzen. Haben es irgendwann als Marketing-Instrument begriffen, aber nie verstanden, dass es sich hier um ein Medium handelt, für das sie neue Formate finden müssen. In den vergan­genen Wochen ist wohl einigen Künstlern klar geworden, dass es hier noch viel Nachhol­bedarf auf etlichen Ebenen gibt.  Gleichwohl beharren viele Inten­danten bis heute darauf, dass sie doch für das örtliche Live-Erlebnis zuständig seien und sehen das Internet immer noch als Notlösung und nicht als – überle­bens­wichtige? – Ergänzung zur Arbeit auf der Bühne. Noch im vergan­genen Jahr war der Künst­le­rische Leiter des Moers-Festivals, Tim Isfort, stolz wie Oskar, dass es bei dem tradi­tio­nellen Musikfest nur analoge Einspie­lungen gegeben habe.

Mit der „Unter­stützung“ von Arte Concert und in Kopro­duktion mit dem WDR-Fernsehen sollte nun das diesjährige Festival fulminant im Internet gefeiert werden. Zur Erinnerung: Die Idee war, Musiker und Gruppen live auftreten zu lassen, damit das Publikum sie an den Bildschirmen erleben könne. Der treffende Hashtag lautete vereinzelt zusammen oder so ähnlich. Und auf der analogen Seite gab es da auch wenig zu bemängeln, wie die ersten zwei Tage in der Event­halle von Moers zeigten. Was aller­dings die Fernseh-Verant­wort­lichen sich bei der Präsen­tation im Internet gedacht haben, oder ob sie sich überhaupt etwas dabei gedacht haben, weckt massive Zweifel.

Da darf der Zuschauer sich freuen, Livestreams mit einer Länge von vielen Stunden im Internet zu betrachten. Funktio­niert ein Festival, weil dort berühmte Musiker auftreten? Es geht doch schließlich und gerade beim Moers-Festival um die Freiheit der Musik. In dem Moment, in dem ein öffentlich-recht­licher Sender, der sein Geld von den Bürgern des Landes bekommt, sich mit einer Sache gemein macht, darf man aller­dings auch erwarten, dass er seinem Auftrag nachkommt. Und der lautet nicht Unter­haltung auf Teufel komm raus, sondern ein kultu­relles Programm, das seinem Bildungs­auftrag gerecht wird. Arte Concert, und man muss das hier so scharf formu­lieren, kümmert sich einen Dreck darum. Ganz offenbar haben die Programm­ver­ant­wort­lichen längst jeden Bezug zu ihrem Auftrag verloren, den sie gegenüber dem Steuer­zahler zu erfüllen haben.

Alles auf Anfang. Der Besucher ruft die Seite des Moers-Festivals auf, weil er gehört hat, dass dort das Festival übertragen wird. Es taucht ein großes Fenster auf, dass er anklicken kann, um das Programm mitzu­ver­folgen. Unter dem Fenster eine Leiste, die verschiedene Kontakt­mög­lich­keiten anbietet. Soll ja auch so sein, dass eine größt­mög­liche Inter­ak­ti­vität mit den Festival-Betreibern ermög­licht wird. Das war’s. Keine weiteren Infor­ma­tionen. Also geht der Klick weiter, damit man auf YouTube kommt, denn dort gibt es schließlich einen Live-Chat, also die Möglichkeit, direkt mit dem Festival in Kontakt zu kommen. Und dort erfährt man auch, dass im Schnitt 50 Menschen der Live-Übertragung folgen. Weitere Versuche führen ins Leere. Auf Facebook ist die Sendung nicht zu finden, auf Instagram gibt es ähnlich viel Besucher, auf Arte Concert hat man offenbar keine Ahnung, dass es solche eine Sendung gibt.

Wo gibt es die Infor­ma­tionen, die helfen, die gezeigten Musik­dar­bie­tungen einzu­ordnen? Vor Ort übrigens ebenso wenig wie im Internet. Ein Blog mit gezielten Infor­ma­tionen beispiels­weise hätte hier geholfen. Aber wen inter­es­siert das in Moers? Gezeigt bekommt man also die Übertra­gungen. Teilweise mit Bauch­binden. Hier erfährt man auch, dass die Tänzer von Gunter Hampel zusam­men­wohnen und deshalb mitein­ander tanzen dürfen. Schwach­sin­niger geht es kaum. Fernseh­zu­schauer dürfen davon ausgehen, dass die gesetz­lichen Rahmen­be­din­gungen bei öffentlich-recht­lichen Sendungen einge­halten werden. Und so sollten Zuschauer beim öffentlich-recht­lichen Fernsehen auch davon ausgehen dürfen, dass die Modera­toren der deutschen Sprache mächtig sind. Wenn aller­dings Lente Entezami zum Gespräch zwischen den Auffüh­rungen, über die gleich gesprochen wird, sich dümmlich gibt – ich bin so aufgeregt, ein Gespräch mit dir zu führen – und gramma­tische Regeln außer Acht lässt, wird es peinlich. Was bitte sind Musiker – innen? Sind das die, die sich innerhalb der Außen­be­zirke befinden? Wenn Modera­toren sich nicht auf dem Bildungsgrad befinden, zwischen Genus und Sexus zu unter­scheiden, haben sie eigentlich beim öffentlich-recht­lichen Fernsehen nichts verloren. Wenigstens die Grund­regeln des Dudens sollten sie beherrschen.

Redundanz statt Infor­mation: Bei Arte Concert beschränkt man sich aufs Bilder­gucken – Bildschirmfoto

Eine solche Qualität findet sich aller­dings auch bei der Kamera-Regie wieder. Selten hat man so viele Kamera-Träger und Kabel­hilfen in einer Übertragung gesehen wie beim diesjäh­rigen Moers-Festival. Permanent laufen Menschen durch das Bild, werden auf der Bühne unwesent­liche Details gezeigt. Vom Tanz versteht der Regisseur ohnehin nichts, aber der ist bei einem Festival aus Moers ja auch ungewöhnlich. Routi­niert werden hier falsche Bilder gezeigt, Schwenks und Überblen­dungen vorge­nommen, die sich kein Hobby-Filmer in seinem Privat­video traute. Auch in diesen Übertra­gungen bekommt übrigens die gerühmte Miss UniMoers keinen Sinn. Was hätte man aus dieser Figur alles machen können! Anderer­seits spielt das bei den Programm­un­ter­bre­chungen, die wohl auf mangelnde Übertra­gungs­ka­pa­zi­täten vor Ort zurück­zu­führen sind, kaum mehr eine Rolle.

Am Ende des Tages verlieren die zahlreichen Auftritte visuell vollkommen an Bedeutung, das Interesse geht gegen Null, weil es keinerlei Zusatz­in­for­ma­tionen gibt, die bei „Insidern“ vielleicht bekannt sein mögen, bei allen anderen aber Orien­tierung hervor­ge­rufen hätten. Dieses Internet-Festival ist gescheitert. Höchst bedau­erlich für all die Menschen, die mit so viel Herzblut daran gearbeitet haben. Und wenn noch einmal jemand im Internet jammert, dass er dort auftreten „muss“ und darauf hofft, im kommenden Jahr wieder „live“ auftreten zu können, sollte demje­nigen sofort jegliche Förderung entzogen werden, schon allein, weil man diesen Blödsinn einfach nicht mehr hören mag.

Tim Isfort hat dem in seiner Bilanz entge­gen­zu­setzen, dass nach seinen Zählungen mehr als 100.000 Menschen weltweit die Streams verfolgt haben, das wäre die dreifache Besucher-Zahl im Vergleich zum voran­ge­gan­genen Festival, und das Social-Media-Team jenseits der Belas­tungs­grenze brachte: mit einer „enormen Flut der Kommentare, Botschaften und Videos, die uns erreicht hat“. Aus Isforts Sicht hat das Moers-Festival Position bezogen. Es hat „die viel beschworene System­re­levanz von Kunst und Kultur spürbar gemacht, war Arbeit­geber für zahlreiche Menschen, war Rettungs­reifen in stürmi­scher See“.

Michael S. Zerban

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