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Foto © Aylin Kaip

Die Antike wachgeküsst

AIDA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
11. September 2019
(Premiere am 31. August 2019)

 

Opera incognita, Ägypti­sches Museum München

Aida im Ägypti­schen Museum. Wieder eine reizvolle Location und eine ausge­fallene Idee, so wie die Anhänger der Münchner privaten Opern­com­pagnie Opera Incognita es kennen und erwarten. Der Auffüh­rungsort prägt die Insze­nierung, die mit einfachen Mitteln in der Ausstattung, aber mit vielen Regie-Ideen, vor allem einer detail­liert ausge­ar­bei­teten Perso­nen­regie überzeugen und mit musika­lisch hoher Qualität begeistern.

Über eine große Freitreppe geht es in den Unter­grund. Das Ägyptische Museum befindet sich im ausge­dehnten Unter­ge­schoss der neuen Filmhoch­schule in München. Ein übermäch­tiger Stein­quader umgibt den unschein­baren Eingang. So fühlt sich der Besucher vor einer mächtigem Tempel­an­lagen des antiken Ägyptens.  Die Aufführung findet in einem großen langge­streckten Saal, einem Nebenraum des Museums statt. Nüchtern und leer, von Beton­wänden umgeben. Schwarze Stoffe decken die Glaswände ab. Erstaunlich ist die akustische Qualität. Zur Ouvertüre wird ein vermeint­liches antikes Fundstück von zwei jungen Museums­an­ge­stellten auf einem Rolltisch herein­ge­schoben. Immer wieder wird an diesem Abend der Bezug zum Museum gesucht, nicht immer logisch, aber zumindest immer effektvoll. Das Schlussbild überzeugt. Aida und Radames werden in Leinen einge­wi­ckelt und wie Mumien mit Goldmasken verpackt. Neugierige Museums­be­sucher schleichen vorbei und betrachten die beiden wie Ausstel­lungs­ob­jekte. So schließt sich der Kreis, und wir kehren ins Museums­leben zurück.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auch der italie­nische Freiheits­kampf und die politische Einfluss­nahme Giuseppe Verdis finden humorvoll in der Regie von Andreas Wiedermann Eingang. Da wird der Freiheits­kämpfer Garibaldi als Puppe zum Triumph­marsch bedächtig am Publikum vorbei­ge­schoben, genauso wie der Komponist im eleganten schwarzen Anzug mit Zylinder zum Vorspiel am Nil. Schmunzeln kommt auf, wenn die befreiten äthio­pi­schen Sklaven mit roten ver.di-Schildmützen abmar­schieren. Auch musika­lisch werden Brücken zum alten Ägypten geschlagen und orien­ta­lische Klänge und Trommel­schläge einge­woben. Aber alles findet unauf­fällig harmo­nisch inein­ander und wirkt nicht überfrachtet. Der Handlungs­ablauf hängt am Libretto. Eine Botschaft liegt dem Regisseur in dieser Arbeit am Herzen. Das Vergangene ist nicht vergangen oder anders in Zitaten ausge­drückt – aus der Geschichte nichts gelernt.  So ruft der in den Handlungs­ablauf einbe­zogene Giuseppe Verdi in großen Buchstaben auf, zur Antike zurück­zu­kehren und wertet das als Fortschritt. Darauf bricht er zusammen und wird von der Bühne getragen. Es bleibt das Museum, das das Vergangene behei­matet. Vielleicht will der Regisseur zum häufigen Museums­besuch aufrufen, um so aus der Geschichte zu lernen und schmerz­hafte Wieder­ho­lungen zu vermeiden.

Einfach an die Antike angelehnt sind die Kostüme von Aylin Kalp. Einfach gestaltet in roten T‑Shirts und Wickel­röcken tritt der Chor als das ägyptische Volk auf, in hellen, zerris­senen Stoffen als die äthio­pi­schen Gefan­genen. Orien­ta­lisch wirken die Kostüme von König und Ramfis, die in langen Kaftans auftreten.

Foto © Aylin Kaip

Die gemeinsame Proben­arbeit heben die Gründer und Treiber, der musika­lische Leiter Ernst Bartmann und der Regisseur Andreas Wiedermann als beson­deren Konzept­ge­danken von Opera Incognita hervor. Sie suchen die ideale Symbiose zwischen Musik und Insze­nierung für das etablierte, aber auch insbe­sondere für ein neues und jüngeres Publikum.  Gemeinsam haben sie am Mozarteum in Salzburg studiert, und seit 2005 arbeiten sie in den Projekten von Opera incognita zusammen. Unter­stützt wird Ernst Bartmann von einem großen, engagierten Chor aus Laien und Musik­stu­denten und einem kammer­mu­si­ka­lisch besetzten Orchester. Zaghaft klingen die ersten Töne an, hungrig die ersten Violi­nen­striche – die ersten und zweiten Violinen sind jeweils nur mit einem Musiker besetzt – aber der roman­tische, farben­reiche Verdi-Klang entsteht langsam. Das Blech schmettert heroisch, das Schlagwerk trommelt eindringlich. Es entsteht die gewünschte Opernat­mo­sphäre. Der reduzierte Klang­körper trumpft nicht mit kraft­vollen Tutti auf, nein, es geht um Gefühle und Kontraste.

Zumeist reihen sich Chor und Sänger an der langen Wand auf, nehmen Posen ein, wie wir sie von ägypti­schen Friesen und Grabwänden kennen. Bekannte Sänger­per­sön­lich­keiten wie Gabriele Schnaut oder Siegfried Jerusalem als Lehrer hat Kristin Ebner, die der Aida viel Dramatik in der Inter­pre­tation mit ihrem kraft­vollen, dunklen Sopran gibt. Mit sanftem Druck windet sie sich in die hohen Lagen, wirkt aber immer sicher in der Intonation, ihr Volumen füllt den Raum ohne Schrille. Wehmut und Verzweiflung ziehen in ihrer Nil-Arie spürbar auf. Gut einstu­diert, überzeugt Anton Klotzner als Radames, der seinen Tenor sicher und mit Sorgfalt bis zum Ende gehaltvoll präsen­tiert. Auch Klang­farben kommen nicht zu kurz, auch wenn seine Stimme nicht mit großem, warmem Timbre unterlegt ist. Carolin Ritter zeigt großen schau­spie­le­ri­schen Einsatz als Amneris. Sie kämpft mit ihrem schön­k­lin­genden Mezzo um die Gunst ihres geliebten Radames, Hass und Rache­ge­fühle gegenüber der Rivalin Aida führen stimmlich nicht zu übermä­ßiger Dramatik. Unüberseh- und hörbar ist Robson Bueno Tavares in seiner würdigen Erscheinung als Ramfis. Der Brasi­lianer hat viele Preise gewonnen und zeigt sich mit dem italie­ni­schen Fach vertraut. Wortdeutlich und getragen intoniert er sicher seine Rolle. Sein Bariton öffnet sich immer weiter an diesem Abend und zeigt einen weichen Schmelz. Eine Gesangs­kar­riere neben einer Tätigkeit als Psycho­the­rapeut hat Torsten Petsch gemacht. Ariös singt er seinen Amonasro mit viel Legato. Seine Gestik ist ausge­feilt und sein Blick thera­peu­tisch bohrend.

Opera Incognita zeigt wiederum, dass mit einfachen Mitteln, aber großem Sachver­stand und Engagement Oper überzeugend gestaltet werden kann. In den letzten Jahren hat die Zusam­men­arbeit von Wiedermann und Bartmann eine erstklassige Reputation erspielt. Die seltenen, außer­ge­wöhn­lichen Auffüh­rungen sind immer restlos ausver­kauft, Zusatz­vor­stel­lungen und Sitzplatz­ergän­zungen die Regel.

Helmut Pitsch

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