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Foto © Wilfried Hösl

Tod im grauen Zeittunnel

IL TRITTICO
(Giacomo Puccini)

Besuch am
27. Dezember 2017
(Premiere am 17. Dezember 2017)

 

Bayerische Staatsoper, München

Meist diffus, Nebel verhangen und aus kaltem Metall dominiert der trich­ter­artige Tunnel die gesamte Bühne. Er leitet uns durch die Zeiten: Von der weiten Vergan­genheit über die schon einge­schränkte Gegenwart bis in die Zukunft, wo am hinteren, schmalsten Ende meist ein weißes Licht symbolhaft erstrahlt. Er stellt das Einheits­büh­nenbild, das Bernhard Hammer erdacht hat, bei Giacomo Puccinis Il trittico an der Bayri­schen Staatsoper in München dar und ist die Klammer für die drei höchst unter­schied­lichen Einakter, die der italie­nische Opern­meister zu einem Abend zusam­men­ge­fasst hat. Und er lässt sich drehen und zwar immer dann, wenn eine Person stirbt, die dann verkehrt zum Plafond gedreht wird. Durch die für die jeweilige Epoche angelegten Kostüme, die Jorine van Beek geschaffen hat, wird auch die Zeit, in der das Werk spielt, jeweils verortet. Der Trichter schränkt jedoch durch die Enge auch die Spiel­fläche und Bewegungs­freiheit der Protago­nisten ein.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Regis­seurin Lotte de Beer hat bei suggestiv einge­setzten Licht­stim­mungen die Figuren konven­tionell geführt, aber scharf und mit geradezu detail­ver­ses­sener Genau­igkeit bis hin zu den kleinsten Gesten gezeichnet. Mit veris­ti­scher Genau­igkeit zeigt sie bei Il tabarro das Elends­milieu der Seine-Fischer. Beim tristen Kloster­milieu von Suor Angelica entblättert sie gekonnt, wie es unter der gottge­fäl­ligen Oberfläche gewaltig menschelt. Drama­tisch dominieren der Auftritt der harther­zigen Fürstin und der Selbstmord der Titel­heldin.  Etwas grenz­wertig zum Kitsch wirkt das große beleuchtete Kreuz zum Schluss mit dem toten Kind von Angelica, das sich einmal um die Achse dreht. Bei Gianni Schicchi reüssiert de Beer mit praller, grotesker Komik.

Foto © Wilfried Hösl

Beste Sängerin des Abends ist bei den Damen Ermonela Jaho. Mit fein schat­tierten, innigen Nuancen, mit betörenden Piani, leuch­tender Höhe, inten­siver Rollen­ge­staltung und ausdrucks­starker Dramatik singt sie mit ihrem Pracht­sopran die Angelica.  Als unerbitt­liche Gegen­spie­lerin ist eine eindring­liche Michaela Schuster als Fürstin zu erleben. Eva-Maria Westbroek singt zwar eine intensive Giorgetta mit etwas unruhigem Timbre, die ihre zerris­senen Gefühle zwischen Michele – Wolfgang Koch  ist ein müde herum­schlur­fender, betro­gener Ehemann und singt ihn  mit beein­dru­ckender, dunkler Inten­sität – und Luigi – Yonghoon Lee mit höhen­si­cherem, kraft­strot­zendem, metal­li­schem Tenor – im Il tabarro darstellt. Als pfiffiger, erzko­mö­di­an­ti­scher Gianni Schicchi ist Ambrogio Maestri, der absolute Star bei den Herren mit ungemeiner Bühnen­präsenz, vom satten Bariton bis zum näselnden Falsett zu erleben. Bei ihm sitzt jeder Ton und jede Geste. Ein komödi­an­ti­sches Urgestein, eine Rolle wie für ihn maßge­schneidert. Rosa Feola ist eine schön­stimmige Lauretta, die den einzigen Schlager des Einakters Il mio babbino caro herrlich gefühlvoll singt. Für den erkrankten Pavol Breslik einge­sprungen, lässt der blutjunge Galeano Salas, Mitglied des Münchner Opern­studios, als Rinucccio mit wunderbar schönem Tenor aufhorchen. Auch in den vielen kleineren Partien und beim Chor und Kinderchor des Hauses, die Einstu­dierung besorgte Sören Ekchoff, wird wohltuend gesungen.

Ein Klasse für sich ist wieder Kirill Petrenko am Pult des Bayri­schen Staats­or­chesters: Er trifft mit jedem Einsatz genau den Puls- und Tonfall von Puccinis subtiler und farbiger Musik. Es ist purer Genuss, zu erleben, wie er schat­tie­rungs- und stimmungs­reiche Detail­zeichnung model­liert, wie er aufre­gende Spannung und plappernde Vitalität erzeugt und die Sänger durch den Abend trägt.

Zum Schluss gibt es im Publikum großen Jubel und stehende Ovationen.

Helmut Christian Mayer

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